Eschweiler - Das Beste aus unserer Rubrik „Liebes Tagebuch“ als Buch

Das Beste aus unserer Rubrik „Liebes Tagebuch“ als Buch

Von: rpm
Letzte Aktualisierung:
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Seine 111, pardon: 116 besten Glossen hat Friedhelm Ebbecke-Bückendorf jetzt in einem Buch zusammengestellt. Ab Mitte kommender Woche ist es im Buchhandel und in unseren Geschäftsstellen zu haben.

Eschweiler. Erste Lokalseite, oben links: Das „Liebe Tagebuch“ ist für viele Leser unserer gedruckten Eschweiler Lokalausgabe das erste, was sie morgens lesen. Kleine humorvolle Betrachtungen zum Alltagsleben, gespeist aus dem persönliche Erleben der Autorinnen und Autoren. Wenn‘s um die pointiert humorvolle Aufarbeitung von Themen geht, dann ist er zweifellos die Nummer 1 auf dem Treppchen: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf.

Und das nicht erst, seit er aufgrund seiner Pensionierung die Zeit hat, in aller Ruhe seinen Gedankengängen hinterherzutippen. So muss es der Rest des Autorenteams neidlos anerkennen. Gedankengängen, an denen ein Karl Kraus ebenso seine Freude hätte wie die Herausgeber der „Titanic“, zu deren Erstleserkreis „Scheibenwelt“-Fan Friedhelm Ebbecke-Bückendorf zählt. Jetzt hat Friedhelm eine Auswahl seiner schönsten Tagebuch-Glossen als Buch herausgegeben. Der Titel, natürlich: „Liebes Tagebuch...“

Viele hundert Glossen hat unser Redakteur Friedhelm Ebbecke-Bückendorf verfasst. Wie viele genau, kann er nicht sagen: „Nicht alle Texte habe ich aufgehoben, beim allgegenwärtigen Stress im Redaktionsbetrieb gerät das schon mal unter die Räder. Beziehungsweise ins digitale Nirwana.“ Aus den immerhin gut 400 Glossen, die er aufbewahrt hat, gibt es nun ein Buch mit einer Auswahl von 116 Texten. Warum eine so krumme Zahl? „Ach, eigentlich wollte ich das Buch ,Meine 111 schönsten Glossen‘ nennen. Am Ende war ich es leid, immer noch mehr auszusortieren, nur um auf die jecke Zahl zu kommen. Also, dachte ich, gibt es am Schluss halt eine Zugabe. Musiker geben am Ende ihrer Konzerte auch immer Zugaben, ob das Publikum nun will oder nicht.“

Deshalb ist auf dem Umschlag des Buches die Zahl 111 durchgestrichen, und in roter Schrift steht drüber: 116.

Der Anlass, eine Auswahl der Tagebuch-Glossen zu veröffentlichen, war ein Gespräch mit Zeitungslesern im Sommer dieses Jahres, berichtet der Autor. „Da fragte ein Leser, warum man diese Texte nicht als Buch kaufen könne. Seine Frau habe die früher ausgeschnitten und aufgehoben, aber irgendwie sei die Mappe mal weggekommen. Und das sei doch schade. Zumal diese Glossen auch im Internet nicht zu finden seien.“ Friedhelm nutzte den Leserwunsch, sich in seine Ferienwohnung im Allgäu zurückzuziehen, um dort in seinen Schätzen zu kramen.

Eine Woche lang wurde sortiert, ausgewählt, überarbeitet. Und manches sogar hinzugeschrieben – was in der Zeitung so nicht möglich war. „Das Fußnotenschreiben hat richtig Spaß gemacht!“, verrät Friedhelm Ebbecke-Bückendorf über die Lust am Verfassen von Glossen zur Glosse.

Was in wochenlanger Detailarbeit herauskam, ist ein komplett in Eigenregie entstandenes Buch: von der Auswahl der Schrifttypen und Überschriften über den Klappentext bis hin zum Schutzumschlag in Gelb und Blau – den Farben von Eschweiler Nachrichten und Eschweiler Zeitung.

Es sind die kleinen Unzulänglichkeiten und Absurditäten des Alltags, die Friedhelm Ebbecke-Bückendorf faszinieren. Der Verkehrsstau vor der Supermarkt-Kasse, ein Vogelnest im Sturm, ein Regenwurm auf dem Bürgersteig – aus kleinen Anlässen entwickelt der Autor humorvolle Pointen und skurrile Abschweifungen, oft im erdachten Dialog mit der Leserin oder dem Leser: „So, meine Herren, und nun unter uns...“

Da kommt selbst bildungsbürgerliche Belehrung erheiternd daher: „Bei den Palolos – das sind Borstenwürmer, die in Korallenriffen leben – brechen einmal im Jahr bei einem ganz bestimmten Stand des Mondes die Hinterteile ab und steigen dann zur Meeresoberfläche auf, zwecks Vermehrung. Der Kopf bleibt unten. Gut, die Palolos leben im Südpazifik, das ist weit weg. Hier in der Gegend wüsste ich niemanden, der sich auf diese Art vermehrt.“

Wie Ebbecke-Bückendorf nun von den sexuellen Gewohnheiten der südpazifischen Borstenwürmer in wenigen Zeilen zum Gewicht von treppensteigenden Rathaus-Mitarbeitern kommt, wird hier aber nicht verraten. Das kann man ja in seinen Tagebuch-Glossen nachlesen. Dort findet man auch Antworten auf viele andere Fragen, die vor ihm wohl niemand gestellt hat: Braucht man wirklich Brombeerranken im Ehebett? Wie wird man in einer Sekunde anderthalb Kilo leichter? Gibt es Gehörschutzstöpsel für Meisen? Und warum rudern Politiker niemals vorwärts, sondern immer nur zurück?

Welches seine persönliche Lieblingsglosse ist? Friedhelm kann‘s nicht sagen. Und lässt – ganz Kavalier der alten Schule – der Damenwelt den Vortritt: „Meiner Frau gefällt die Body-drive-Glosse am besten...“ Ebbecke-Bückendorf gefällt es, Zusammenhänge zwischen Sachen herzustellen, die eigentlich nicht zusammenpassen. Sein „Ding“ ist die Lust an der Abschweifung – was einer Glosse eigentlich querläuft. Die bietet normalerweise Platz für gerade mal einen Gag – Querdenker Friedhelm Ebbecke-Bückendorf verfolgt den Anspruch, gleich zwei oder drei darin unterzubringen. Was ihm auch meist gelingt.

Von all den Glossen, die Ebbecke-Bückendorf in die Vorauswahl für sein Buch genommen hatte, hat er etwa 60 beiseite gelegt: für einen möglichen zweiten Band mit dem Titel „Meine 111 zweitschönsten Glossen“. Was den mathematisch versierten Leser schnell erkennen lässt: Mindestens 51 der für einen zweiten Band nötigen Glossen sind noch gar nicht geschrieben. Uns in der Redaktion freut das ganz besonders: weil das die Garantie dafür ist, dass uns Friedhelm-Ebbecke-Bückendorf noch einige Zeit als „Tagebuch“-Schreiber erhalten bleibt.

Was nicht heißen soll, dass der Kollege sonst untätig sei. Wenn auch sein Hauptthema nicht unbedingt lustig ist: Seit einigen Jahren schon forscht Friedhelm Ebbecke-Bückendorf zur Geschichte der Juden in Eschweiler. Ziel: ein Buch, das die Schicksale jüdischer Familien aufarbeitet. Das sollte eigentlich schon im vergangenen Jahr fertig sein. Dann war 2016 ins Auge gefasst. Aber auch das wird wohl nichts, bedauert der Autor. „Das ist ein irrwitziger Aufwand. Ständig tun sich neue Kontakte in alle Welt auf. Kaum habe ich ein Kapitel fertig, gibt es wieder neue Erkenntnisse, und alles muss überarbeitet werden. Bis jetzt ist etwa ein Drittel wirklich fertig.“ Ende offen. Sicher ist: Der Aufwand lohnt sich.

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