Das Äußere spielt bei der Post keine Rolle

Von: ran
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Romantische Liebeslieder gehören einfach zu seinem Repertoire: Comedian Hans-Hermann Thielke gewährte seinen Zuhörern einen tiefen Einblick in sein Seelenleben. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Es war am 18. oder 19. Juni des vergangenen Jahres („Nageln Sie mich jetzt nicht darauf fest”), als ihn sein Chef zu sich rief: „Herr Thielke, Männer wie Sie braucht das Land. Männer, die hinausgehen und sich neuen Herausforderungen stellen. Also hier bei der Post nicht mehr.”

Seitdem hat sich der nun ehemalige Post-Angestellte Hans-Hermann Thielke unter dem Motto „Jetzt oder nie” ganz dem „Showbusiness” verschrieben.

Am Sonntagabend machte er auf seiner Tournee in Richtung Olymp auch im vollbesetzten Talbahnhof Station und faszinierte das begeisterte Publikum mit Kostproben seines Könnens, die von einer in puncto Körperbeherrschung kaum zu übertreffenden Jonglage mit bunten Tüchern über herzzerreißende Sangeskunst bis hin zu atemberaubenden Gleichgewichtsübungen auf rollenden Bürostühlen reichten.

Hans-Hermann Thielke will ins Showgeschäft. Und zwar auf dem zweiten Bildungsweg. Nachdem seine Typberatung sein textiles Erscheinungsbild mittels einer rubinroten Krawatte vollkommen verändert hat, stehen ihm nun zweifelsfrei alle Türen offen.

Bei der Post spielte das Äußere ja eine eher untergeordnete Rolle. „Glauben Sie etwa, am Schalter sagt Ihnen ein Kunde, dass Sie einen Fleck im Hemd haben. Der hätte sich aber ganz schnell wieder hinten anstellen können”, denkt der aus zahlreichen Fernsehauftritten bekannte „Ex-Postler” zurück.

Wie aus der Hüfte geschossen schleudert der 54-Jährige dann ein wahres Witze-Gewitter seinen Zuhörern entgegen. Einfach so, weil die Gelegenheit da war. Kostprobe gefällig? „Was sagt die Kuh, wenn sie die Polizei sieht? Mein Mann ist auch Bulle!” Schwierig wird es allerdings, wenn einem unliebsame Ex-Kollegen im Supermarkt über den Weg zu laufen drohen. Adäquates Gegenmittel: Einfach in die Tiefkühltruhe abtauchen und kühlen Kopf bewahren.

Doch nicht nur nach Erfolg auf der Showbühne giert Hans-Hermann Thielke. Ebenso ist er auf der Suche nach einem ganz besonderen Menschen. „Ich habe Sehnsucht nach jemandem, mit dem ich auch mal den ganzen Abend das Aquarium säubern kann”, offenbart er sich dem Publikum und unterstreicht diesen Wunsch auch noch mit einem romantischen Liebeslied. „Vielleicht hast du dein ganzes Leben lang gespart, das wäre dann für uns ein guter Start”, säuselt der Kabarettist ganz verliebt, dessen zwölf Jahre alter Ford Fiesta auf Grund eines Marders, der vorübergehend in den Motorblock eingezogen ist, zum Naturschutzgebiet erklärt wurde.

Noch einmal bei der Post zu arbeiten, ist für Hans-Hermann Thielke inzwischen unvorstellbar. Schließlich sei dort auch nicht immer alles ganz glatt gelaufen. So etwa, als ein Bagger ein unterirdisches Kabel beschädigte und so für einen totalen Strom- und damit auch Lichtausfall sorgte. „Kaum einer kann sich vorstellen, wie schwierig es ist, in absoluter Dunkelheit den Wert einer Briefmarke zu bestimmen”, weist er auf echte Probleme hin.

Dann schon lieber der ganz große Durchbruch im Showgeschäft. Nach drei lautstark geforderten und erfüllten Zugaben auf der Bühne des Talbahnhofs scheint das ehemalige Mitglied der Nachwuchsorganisation „Postknirpse” auf einem guten Weg zu sein.
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