Comedy-Shootingstar Salim Samatou: „Voll tight“ im Talbahnhof

Von: cca
Letzte Aktualisierung:
14016290.jpg
Wer sich eine Show des Komikers Salim Samatou anguckt, muss damit rechnen, Teil seines Stand-ups zu werden. Foto: Rebecca Leisten

Eschweiler. Spontan, schnell und selbstsicher präsentierte sich Salim Samatou, Shootingstar der deutschen Comedy-Szene, bei seinem Gastspiel im Talbahnhof. Mit seinem Programm „Voll tight“ füllte er den Veranstaltungssaal und analysierte die Fehler und Macken der Gesellschaft. Dabei half ihm sein Publikum.

Denn Samatou bezieht seine Gäste interaktiv in seiner Show ein und ist selbst immer überrascht, was aus diesen Situationen entsteht. So auch im Talbahnhof, als er die Gäste an einem Tisch der ersten Reihe ansprach. Was er hier fand, brachte nicht nur ihn zum Lachen: „Also Sie sind das Familienoberhaupt und Psychiater, Ihre Frau ist Sozialpädagogin, Ihre Tochter studiert Erziehungswissenschaften und Ihr Schwager ist Erzieher. Haben Sie Ihre Familienmitglieder nach sozialen Aspekten gecastet?“ Diesen Tisch bezog der junge Komiker im Verlauf des Abends immer wieder in seine Gags ein.

Verwirrende Schulzeit

Das Thema Sprache liegt Samatou am Herzen. Immerhin war es für ihn schwierig, den Sinn der deutschen Sprache zu verstehen: „Beim ABC ist es doch so, dass sich jeder Buchstabe selbst erklärt. A ist ein A, B ist ein B und so weiter. Doch was soll das mit Ypsilon? Da werden sieben Buchstaben benutzt, um eines zu erklären!“

Nicht nur das Alphabet war für ihn ein Mysterium, sondern auch stumme Buchstaben: „Was soll das stumme H? Entweder es ist da oder nicht. Wenn ein Wort, wie Schwan nach doppelt und dreifach H klingt, dann ist da plötzlich gar keins hinter dem A!“

Mit einem wahnwitzigen Tempo wechselte Samatou seine Themen. Sein Schneeball-System brachte ihn immer wieder auf neue Themen des Alltags, die er filigran zerlegte und das Publikum mit Selbstironie auf den Unsinn der Umwelt aufmerksam machte.

Spitzbübisch machte er sich über den Wandel der Zeit her: „Was die einen früher in der Schule gelernt haben, ist heute nicht mehr richtig. Wie soll es dann eine intelligente Gesellschaft geben? Bei mir war Pluto noch ein Planet und heute ist er es nicht mehr. Was soll das?“

Zeiten ändern sich

Was der Wandel mit sich bringt, ist auch ein verändertes Verhalten der Schulabgänger. Während Abiturienten vor zehn Jahren direkt mit dem Studium oder der Arbeit begannen, werden heute Selbstfindungsjahre durchlebt. Samatou habe das auch ausprobieren wollen, doch so richtig hat das nicht geklappt: „Mein Vater hat mein Zimmer mit Spiegeln tapeziert und gesagt, jetzt könne ich mich ja selbst finden. An der Decke, an der linken Wand, an der rechten Wand. So hätten wir 6000 Euro für ein Auslandsjahr gespart und ich könne arbeiten gehen!“

Als Samatou bei seinem Gastspiel zum Thema Seife kam, brachte ihn erneut der Tisch in der ersten Reihe aus dem Konzept. Denn der Stand-up-Komiker wollte wissen, wer noch die Klumpenseife kennt und ein älterer Herr rief: „Das kenne ich nicht. Ich bin in der Gosse groß geworden! Mein Name ist Hubert und das bedeutet glänzender Geist!“

Mit diesen Worten brachte der Mann den Saal aus der Fassung. Es gab weder eine nicht lachende Miene, noch ein trockenes Auge. Auch nicht bei Samatou: „Das toppt jetzt alles, was ich sagen wollte!“ Insgesamt war es ein amüsanter Abend mit vielfältigen Themen und interaktiven Elementen. Dabei macht den jungen Komiker seine Vorliebe für Improvisation und schonungslose Ehrlichkeit aus.

Vielfach ausgezeichnet

Diese Eigenschaften sind nicht selbstverständlich. Denn Salim Samatou ist gerade mal Anfang 20. Er hat schon einige Siege eingefahren. Der Deutsche mit marokkanischen Wurzeln gewann bereits den Frankfurter Comedy-Slam, den Trierer Comedy-Slam, den Gefängnis-Comedy-Slam, die Quatsch-Comedy-Club-Talentschmiede und sogar den RTL Comedy Grand Prix 2016. Gerade von letzterem versprach sich Samatou viel: „Als ich beim Comedy Grand Prix mitmachte, wurde mir gesagt, dass dort 25 Millionen Menschen zugucken. Auf die warte ich bis heute!“, verriet er mit einem Augenzwinkern.

Sein Coachingpartner in der Show war Paul Panzer und das nicht ohne Grund: „Ich liebe Sprachfehler. Wenn Paul Panzer nicht so lispeln würde, hätte ich ihn nicht als meinen Mentor gewählt.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert