Eschweiler - Chronisch krank? Sport steigert das Wohlbefinden

Chronisch krank? Sport steigert das Wohlbefinden

Von: red
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Sportliche Betätigung kann auch chronisch Kranken helfen, ihre dauerhafte Müdigkeit zu überwinden. Foto: imago/Rainer Unkel
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Koordinatorin des Euregio-Krebszentrums Eschweiler: Dr. Petra Heinen. Foto: Strauch

Eschweiler. Mehr Lebensqualität durch Sport: Dies gilt auch und gerade für Patienten mit einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung oder einer anderen lebensverkürzenden, chronischen Erkrankung. Sie fühlen sich häufig müde, abgeschlagen und dem Alltag nicht mehr ausreichend gewachsen. Dieses Syndrom nennt man Fatigue.

Es ist eine chronische Müdigkeit, hervorgerufen durch Tumorerkrankungen, Chemotherapien oder chronischen Erkrankungen wie z.B. eine fortgeschrittene Lungen- oder Herzerkrankung.

In vielen Studien wurde versucht, diese chronische Müdigkeit zu bessern. Das einzig positive Ergebnis erbrachte eine gezielte Bewegungstherapie. Hierdurch kann die Fatigue-Symptomatik nachgewiesenermaßen deutlich reduziert werden. Zudem steigert Bewegung unter anderem das körperliche Wohlbefinden, die Lebensqualität und sorgt für einen besseren Schlaf.

Ein Team aus Medizinern und Physiotherapeuten hat für die hiesige Region ein neues Projektangebot für betroffene Patienten zur Steigerung des Wohlbefindens etabliert. Dr. Petra Heinen, Koordinatorin des Euregio-Krebszentrums Eschweiler, und ihre Kollegin, Dr. Elisabeth Ebner, Schmerztherapeutin aus Stolberg, informieren über das Fatigue-Syndrom und das neue Angebot im Palliativsportbereich in der Region.

 

Viele Patienten sind unsicher, wie sie sich bei einer Tumorerkrankung oder auch bei anderen fortgeschrittenen chronischen Erkrankungen hinsichtlich Sport und Bewegung richtig verhalten. Ist bei einer derartigen Erkrankung Schonung oder Bewegung besser?

Dr. Petra Heinen: Sicherlich muss dies individuell entschieden werden. Im Zuge der medizinischen Entwicklung wird allerdings immer klarer, wie wichtig Bewegung zur Bekämpfung chronischer Krankheiten ist. Dafür sind sehr viele Mechanismen verantwortlich, die im Körper durch Bewegung angeregt werden. Das betrifft insbesondere das Immunsystem, welches sich unter moderater Bewegung messbar bessert.

Dr. Elisabeth Ebner: Nachweislich wirken sich körperliche Betätigungen günstig auf die gesundheitliche Gesamtsituation des Patienten aus. Die Zahl der sportlich aktivenKrebspatienten steigt, weil die Bewegung ihr Wohlbefinden steigert und sogar die Prognose der Krebserkrankung verbessert. Es gibt bereits einige Untersuchungen, die gezeigt haben, dass sich das Fatigue-Syndrom und die Schlafgewohnheiten unter regelmäßiger körperlicher Aktivität sehr positiv für Patienten entwickeln.

Woher weiß der Betroffene, welche körperliche Betätigung für ihn die richtige ist?

Dr. Petra Heinen: Der behandelnde Arzt ist hier der richtige Ansprechpartner. Er kennt die individuelle Verfassung des Patienten am besten. Im Raum Eschweiler/Stolberg haben sich nun ganz aktuell Mediziner aus dem niedergelassenen und dem Klinikbereich sowie Physio-therapeuten mit Krankenkassen zusammengeschlossen und ein Projekt ins Leben gerufen, um mit Unterstützung der Fachleute das Wohlbefinden der betroffenen Patienten zu steigern.

Wie kann ich mir das in der Praxis vorstellen?

Dr. Elisabeth Ebner: Ist der behandelnde Arzt der Auffassung, dass ein Bewegungstraining sinnvoll ist, so kann er zur weiteren Klärung mit seinen Kollegen im Projekt-Team „Palliativsport“ Kontakt aufnehmen. Als erstes wird dann für den Patienten ein individueller Bewegungsplan unter Berücksichtigung der körperlichen Möglichkeiten und der Erkrankung angefertigt. Zweimal pro Woche für je eine Stunde findet dann in einer Physiotherapie-Praxis ein Bewegungstraining statt, welches in kleinen Gruppen absolviert und von einem ausgebildeten Physiotherapeuten betreut wird. Grundsätzlich umfasst das Bewegungstraining Palliativsport 20 Therapie-Einheiten. Bei Therapie-Erfolg kann auf Wunsch eine Verlängerung beantragt werden.

Kann man denn bereits nach einer so kurzen Zeit positive Veränderungen wahrnehmen?

Dr. Petra Heinen: Normalerweise ist dies tatsächlich der Fall. Zu erwarten ist, dass die Müdigkeit nachlässt und sich das Schlafverhalten bessert. Dadurch verspüren die Patienten wieder mehr Antrieb und Kraft im Alltagsgeschehen. Auch wirkt sich das regelmäßige Training positiv auf die Gleichgewichts- und Koordinationsfähigkeiten aus.

Dr. Elisabeth Ebner: Nicht zu vergessen ist, dass Bewegung in einer Gruppe Spaß macht. Außerdem lernt man neue Menschen kennen. Man erfährt, dass man nicht alleine mit seinen Erfahrungen und Gedanken ist – und sicherlich ist das ein oder andere Gespräch untereinander auch noch hilfreich.

Unterstützen alle Krankenkassen dieses Projekt?

Dr. Petra Heinen: Aktuelle Vertragspartner sind die AOK Rheinland/Hamburg und die actimonda-Krankenkasse. Patienten anderer Kassen können sich zur weiteren Klärung an die teilnehmenden Ärzte oder ihren Facharzt wenden.

Dr. Elisabeth Ebner: Um die Forschung auf diesem Gebiet zu unterstützen und das sportliche Angebot durch die Krankenkassen in Zukunft möglicherweise flächendeckend zu gewährleisten, müssen jedoch weitere Daten erhoben werden. Aus diesem Grund bitten wir die Patienten, uns zu unterstützen und im Rahmen des Bewegungsprojektes Fragebögen zu beantworten, die auf die eben genannten Punkte und ihre körperliche Aktivität abzielen.Im Rahmen dieses Projektes werden die Daten von der AOK Rheinland/Hamburg und unserer ärztlichen Mitarbeiterin, Melissa Camara-Romero, aufgearbeitet. Der Datenschutz wird natürlich zu jederzeit gewährleistet.

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