Chronik von St. Severin blickt weit zurück

Von: fe
Letzte Aktualisierung:
Das Autorenteam der Pfarrchron
Das Autorenteam der Pfarrchronik von St. Severin Weisweiler. Von links Norbert Hoersch, Margot Mocken, Pfarrer Franz-Josef Wynen und Manfred Schepp. Pfarrer Wynen trägt hier eine 350 Jahre alte Dalmatik aus dem Besitz der Pfarre. Dieses liturgische Gewand ist auch in dem Büchlein abgebildet. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Geschichte und Geschichten rund um die Kirche St. Severin in Weisweiler gibt es jetzt zum Nachlesen. Engagierte Mitglieder der katholischen Pfarrgemeinde haben sie aufgeschrieben und eine 44 Seiten starke Broschüre verfasst.

Die Pfarrchronik, in Farbe und Hochglanzdruck, wurde jetzt nach dem Gottesdienst in Weisweiler vorgestellt.

Es war der passende Tag, denn es war der Tag des Heiligen Severin und damit Pfarrpatrozinium. Die Messe wurde zelebriert von Pfarrer Norbert Crampen, seit 2008 priesterlicher Mitarbeiter in Weisweiler, und dem früheren Weisweiler Pfarrer Franz-Josef Wynen. Beide trugen - zur Feier des Tages und als Hinweis auf die frisch erstellte Pfarrchronik - historische Messgewänder aus dem Besitz der Kirche. Die silberbestickten Dalmatiken, die auch das Wappen der Familie von Hatzfeld tragen, sind etwa 350 Jahre alt.

Fakten, Texte, Fotos

Recherchiert und verfasst wurde die Pfarrchronik von einem Team engagierter Mitglieder der Gemeinde St. Severin. Margot Mocken, Pfarrer Franz-Josef Wynen, Norbert Hoersch und Manfred Schepp, der die Idee zu dem Büchlein hatte, haben mehr als ein Jahr lang Fakten, Texte und Fotos zusammen getragen und daraus einen informativen Überblick geschaffen. Gastbeiträge informieren zudem über die von 1971 bis 2010 eigenständige Gemeinde St. Johann Baptist Hücheln und über die „ökumenischen Nachbarn”, die Evangelische Gemeinde und ihre Auferstehungskirche auf dem Gelände der Weisweiler Burg. Grußworte von Pfarradministrator Josef Wienand, Franz-Josef Wynen, Norbert Crampen und Hermann Graf Hatzfeldt runden das Werk ab.

Bis zu den Kelten

Die Geschichte von St. Severin, so erläuert Manfred Schepp, reicht vermutlich bis in die Zeit der Kelten zurück. Schon lange Zeit vor Christi Geburt soll es auf dem Kirchenhügel ein keltisches Heiligtum gegeben haben. Für die Zeit der Karolinger gilt die Existenz einer kleinen fränkischen Kirche als gesichert. Die Autoren der Chronik gehen davon aus, dass die Altarplatte des heutigen Sakramentsaltars unter dem Tabernakel aus dieser Zeit noch vor dem Jahr 1000 stammt. Sie wäre damit das älteste Stück der Kirche.

Gesichert ist die Existenz der Kirche für das Jahr 1000, bezeugt durch eine 1820 entdeckte Gravur in einem Balken. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1282. Bereits viele Jahrhunderte lang hängen drei der Glocken in dem Turm von St. Severin. Sie wurden in den Jahren 1447, 1451 und 1530 gegossen. Eine dieser Glocken hatte in der Nazi-Zeit eingeschmolzen werden sollen, sie kam aber unversehrt 1947 zurück.

Die Kirche hat, das listet die Chronik auf, oft schwere Zeiten mitgemacht. Bei einem Erdbeben 1755/56 wurde sie beschädigt, im 2. Weltkrieg fast zerstört. Bei Plünderungen und in jüngster Zeit durch Einbrüche und Diebstähle kamen wertvolle sakrale Gegenstände abhanden.

Wiederaufbau

Ein ausführlicher Beitrag in der Chronik befasst sich mit der Nachkriegszeit, den ersten Jahren des Wiederaufbaus, als in der ebenfalls stark beschädigten Schützenhalle der Bruderschaft St. Sebastianus eine Notkirche eingerichtet worden war. Die Autoren stützen sich dabei auf eine vom damaligen Pfarrer Wilhelm Hoffmans geschriebene Chronik.

Dabei wird besonders des damaligen Kaplans Otto Goldmann gedacht. Er muss ein bemerkenswerter Mensch gewesen sein. Kurzzeitig war er sogar von den Alliierten als Bürgermeister eingesetzt worden. Goldmann verpflichtete Leute zur Trümmerbeseitigung und Straßenräumung, „er stellte eine Polizei auf und jagte selbst hinter Dieben her, die aus benachbarten Orten mit Pferd und Wagen kamen, um herrenlose Möbel aufzuladen”. Er war aber nicht nur Geistlicher und Diebsverfolger, er war auch Schriftsteller, Liederdichter und Schauspieler. Ein Foto in der neuen Pfarrchronik zeigt ihn bei Passionsspielen im Jahr 1949 in der Rolle des Jesus. Und das Severinuslied, das am Sonntag in der Messe von allen Gläubigen gesungen wurde, hat Otto Goldmann geschrieben.

Viele Fotos in den Bändchen zeigen Gegenstände und Details, die ein Besucher der Kirche in Weisweiler so genau gar nicht erkennen kann - sofern sie nicht ohnehin, wie die wertvollen Messegewänder, unter Verschluss gehalten werden.

Im Bild vorgestellt werden zum Beispiel die Pietà, die aus dem 16. oder 17. Jahrhundert stammt, das Edelstein-Hängekreuz für den Sakramentsaltar, die holzgeschnitzten Figuren der heiligen Brigida und des heiligen Severin; auch das Totenschild des Grafen Wolfgang Theobald Antonius von Hatzfeldt ist abgebildet.

Für die Autoren der Chronik gab es am Sonntag in der Messe eine besondere Auszeichnung. Hubert Reinartz überreichte ihnen namens der Pfarre Plaketten mit dem Bild des Pfarrpatrons St. Severinus. Franz-Josef Wynen, der 31 Jahre lang Pfarrer von St. Severin war, und Norbert Crampen erhielten bereits eine Woche vorher bei der Weihe eines neuen Kelchs diese Plakette.

Die neue Chronik von St. Severin soll zum Beispiel bei Geburtstagen betagter Gemeindemitglieder verschenkt werden. Es gibt sie aber auch zu kaufen. Für 5 Euro ist sie im Pfarrbüro von St. Severin erhältlich.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert