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Christian III. startet mit grandioser Proklamationsfeier

Von: Rudolf Müller
Letzte Aktualisierung:
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Christian III. ist der neue, umjubelte Eschweiler Prinz.

Eschweiler. Wenn es nach Prinz Christian geht, wird Eschweiler in Kürze kaum noch wiederzuerkennen sein: Mit den „Pänz“ wird ab sofort nur noch Platt gesprochen, die Luft ist von Karnevalsliedern erfüllt, in allen passenden Fastelovendsveranstaltungen sitzen Kinder in der ersten Reihe, die Bürokratie hört auf, dem Brauchtum immer neue Steine in den Weg zu werfen, Vandalismus und Komasaufen gibt‘s nicht mehr, die Inde wird zum sauberen Vorzeigeflüsschen, alte Baukultur wird erhalten und nur noch dann ein Fall für den Bagger, wenn zuvor ein Bürgervotum dies beschlossen hat, und Straßenbaustellen, die bis dato unter dem Motto „In der Ruhe liegt die Kraft“ betrieben werden, werden zügig und transparent abgewickelt.

Und was das Rauchverbot in Kneipen und Sälen betrifft, so gilt: „Raucher, steht dat durch! Lauft nicht raus! Jeder Auftretende auf unseren Bühnen verdient einen voll besetzten, schmucken Saal!“ Last not least appellierte er an alle, sich zu Eschweiler zu bekennen: „Traurig, wer den Mut nicht hat, stolz zu sein auf unsre Stadt!“

Lauter Jubel und Applaus begleitete Christians Verlesung seiner Regierungserklärung. Dem vorausgegangen war ein geradezu triumphaler Empfang der künftigen Tollität in der Dürwisser Festhalle: Körbeweise gelbe und rote Rosen unters närrische Volk werfend, bahnte sich Christian Leuchter seinen Weg zur Bühne, wo Abordnungen aller KGs mit dem geschäftsführenden Karnevalskomitee an der Spitze ihn erwarteten. Zuvor hatte Komiteepräsident Norbert Weiland von hier aus die Massen im Saal begrüßt, darunter Vertreter aus der regionalen und Landespolitik ebenso wie Freunde aus Wattrelos und Reigate & Banstead. Frank Lersch, Zeremonienmeister des neuen Prinzen, hatte sich dann bei der Ankündigung des designierten Narrenherrschers kurz gefasst: „Es gibt Tage, die sind zu einmalig, um durch schnöde Worte entweiht zu werden...“

Gute 15 Minuten dauerte Christians Einzug in den Saal. Wiederum 15 Minuten später war er offiziell proklamiert: zum Prinzen Christian III, ausgestattet mit Mütze, Pritsche und Stern. Norbert Weiland hatte in launigen Reimen den Werdegang des Prinzen und seines „Zerm“ Revue passieren lassen, der es trotz niederländischer Herkunft in der Familie Lersch zu etwas gebracht habe. Und Bürgermeister Rudi Bertram überreichte Tollität den Stadtschlüssel: „Mit dem Schlüssel übergebe ich auch ein Stück Verantwortung. Wenn auch ich samt Rat und Verwaltung dem Prinzengespann zur Seite stehen, sind es doch die Beiden, auf die Stadt und Region jetzt schauen. Geht Euren Weg und nehmt alle mit!“

Den ersten Prinzenorden überreichte Christian seinem Freund und Zerm Frank: „Trage ihn mit Stolz; er wird uns auch nach Aschermittwoch wohl ein Leben lang verbinden. Er hat so‘n bisschen was von einem Ehering...“

Auf den Tag genau vor elf Jahren hatte Narrenzünftler Tobias Wienands seinen ersten Auftritt als Hofnarr bei einer Proklamation. Und auch diesmal hielt er der Stadt den Spiegel vor, übte Kritik, sparte aber auch nicht an Lob. Mit einer zündenden „Dorfklatsch“-Rede begeisterte Stefanie Bücher bei ihrer Premiere auf großer Bühne das Publikum. „Die Breimull va Bersch“ meisterte ihre Aufgabe mit Bravour. Und dies gilt nicht minder für die rund 30 Tänzerinnen und Tänzer der Showtanzgruppe „Op Zack“. Was die jungen Damen und Herren von der Bergrather Prinzengilde da unter dem Motto „Bergrather Oscar-Nacht“ auf die Bühne brachten, das war, wie Christian und Frank unisono und völlig zu Recht konstatierten, „der absolute Hammer!“ Die Filmthemen ihrer perfekten Show mit einzigartigen Kostümen der und „wahnsinniger Choreographie“ von Trainerin Beate Mansfeld reichten von Dirty Dancing über Top Gun und König der Löwen bis zu James Bond und Titanic.

Musik ganz anderer Art bot das traditionsreiche Scharwach-Septett, in verständlicher Ermangelung ihres musikalisch führenden Mitglieds Christian Leuchter zum Sextett geschrumpft. Die Herren um Ex-Scharwach-Präsident Dr. Heinz Jansen brachten leisere Töne zu Gehör: von Liedern aus der Feder Christian Leuchters über die Scharwach-Hymne „Alt ist die Scharwach, jung ist ihr Herz“ bis hin zu einem Potpourri kölscher Leedcher. Und sie ernteten dafür tosenden Applaus.

Hunderte von Karnevalsliedern und Liedern in Eischwiele Platt hat Christian Leuchter verfasst. Lieder, von denen viele nicht nur für Leuchters eigene „Boy-Band“, die Indesingers, oder die befreundeten „Kröetsch“, sondern auch für weit über Eschweiler hinaus bekannte Mundartgruppen zu Hits wurden. Ganz auf Leuchter-Lieder zurückgegriffen hatte deshalb auch die Mariechengruppe des Komitees, als das runde Dutzend Tänzerinnen, sonst samt und sonders Solokünstlerinnen, diesmal als ein Ganzes miteinander ihr Können zeigten.

Dass er nichts von seinem Können verlernt hat, das bewies auch Scharwächter Dr. Christoph Herzog, der in seiner traditionellen Rolle als „Steiger“ sein Comeback in der Bütt feierte. Herzog, 2006/07 selbst Tollität in Eschweiler, begeisterte mit zündenden Witzen, blei denen ab und zu auch ein wenig Mitdenken nicht schaden konnte, seine Zuhörer.

Für eine Überraschung, die vor allem „Zerm“ Frank vom Stuhl riss, sorgte dann eine ganz spezielle „Boygroup“: fünf singende Wirte, darunter Franks Vater „Äu“, die hier live den Song ihrer ersten CD präsentierten, die es ab sofort in den beteiligten Gaststätten, Kneipen und Kaschemmen zu erwerben gibt. Titel – weniger überraschend: „Prost! Hurra!“ Text und Musik – wie könnte es anders sein: Christian Leuchter.

Gratulationen ans Prinzengespann gab es auch von Seiten der Ex-Prinzen und -Zeremonienmeister, dargebracht von Wolfgang Mertens und Matthias Delhey, bei deren Ansprache die Ex-Prinzen und -Zerme im Saal aufgestanden waren. „Hier stehen 60 Jahre Zeitgeschichte unserer Heimatstadt!“, unterstrich Delhey.

Für den furiosen Schlussakkord unter ein zu keiner Zeit langatmiges Programm sorgte „Mutter Scharwache“. Die war unter Führung ihres Präsidenten Georg Woepke, ihres Kommandanten Simon Hendriks und ihres Feldwebels Michael Birfeld komplett angetreten und präsentierte zu Ehren Seiner Tollität neben dem traditionellen „Stippeföttchen“ den tollen Tanz ihres neuen Tanzpaars Eva Gruppe und Sebastian Plönnes. Was folgte, war eine lange Nacht: in „Äu‘s“ Prinzenhofburg.

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