Chor-Beweger, Detektiv, Arrangeur: Jószef Àcs

Von: jope
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Die über 20-jährige Tradition der von József Ács ins Leben gerufenen „Karfreitags-Musiken“ erfährt mit der Totenmesse von Leoncavallo einen Höhepunkt. Foto: I. Röhseler

Eschweiler. Franz-Xaver Süßmayr kennen nur Insider. Wolfgang Amadeus Mozart ist einem breiten musikalischen Publikum bekannt. Doch Franz-Xaver Süßmayr ist es zu verdanken, dass Mozarts letztes großes Werk – das „Requiem“ – nicht unvollendet blieb und damit der Nachwelt verloren ging. Ein zumindest ähnliches Verdienst bezüglich einer anderen nicht unbedeutenden Komposition kommt József Ács zu.

Der unermüdliche Kirchenmusiker – „nebenbei“ musikalischer Leiter der Franz-Liszt-Gesellschaft Eschweiler und virtuoser Pianist – vollendete das Requiem (die Totenmesse) von Ruggero Leoncavallo (1857-1919). Nach Aufführungen von internationalem Rang in Leoncavallos Wahl-Heimat Schweiz sowie in Ungarn findet nun am Karfreitag, 29. März, 20 Uhr, in St. Peter und Paul die deutsche Erstaufführung des Werkes statt.

Die über 20-jährige Tradition der von Ács ins Leben gerufenen „Karfreitags-Musiken“ erfährt dadurch einen Höhepunkt. Die Besetzungsliste der Künstler kann sich sehen lassen. Neben der anerkannten Sopranistin Violetta Palatinus wirken auch Asse aus dem Ausland mit: der ungarische Tenor Béla Mavrák, der niederländische Bariton Frans Kokkelmans, der italienische Klarinettist Maurizio D´Allesandro und der Dirigent des Philharmonischen Chores Budapest Mátyás Antal als Gesamtleiter.

Doch die wichtigste Vorarbeit hat Ács schon vorher mit seinem Kirchenchor St. Peter und Paul geleistet. Da er jedoch den Orgelpart übernimmt, muss ein anderer ans Dirigentenpult. „Damit sich die guten Einzel-Puzzle zu einem guten Ganzen fügen, müssen wir in den letzten drei Tagen vor Karfreitag intensiv proben“, so Ács. Dass die Sänger um Chorvorsitzende Gertrud Strobel und Àcs-Assistent Winfried Effenberg das mit Begeisterung durchziehen, sagt einiges über Motivation und erworbenes Können der „Amateur“-Sänger aus. Doch wer die Reise-Strapazen des Projektes „Vatikanische Version von Liszts Graner Festmesse“ nach Budapest und Rom überstanden hat, wird auch keine Befürchtungen vor dieser neuen Herausforderung haben. Ein Heimspiel eben, wenn auch ein besonderes ...

Wie Mozarts Requiem ist die Totenmesse von Leoncavallo eine Auftragsarbeit, wenngleich mit weniger Geheimnissen behaftet. Denn bei dem Italiener liegt es klar auf der Hand: Er sollte eine Totenmesse als Erinnerung an den bei einem Attentat getöteten König Umberto I. liefern. Doch nicht der Tod wie bei Mozart, sondern mangelnde Ausdauer (oder zu geringe Bezahlung?) hinderten Leoncavallo an der Fertigstellung. Immerhin: Die Kompositionsskizze lag vor, zudem waren einzelne Stücke (Requiem, Kyrie, Benedictus, Einleitung zum Dies irae) auskomponiert.

„Aufgrund der Kompositionsskizze ist erkennbar, dass es ein monumentales Werk ähnlich dem Verdi-Requiem werden sollte“, bricht Ács eine Lanze für einen Komponisten, der im Schatten seines berühmten Kollegen Puccini stand. Beim Studium der Opern Leoncavallos war Àcs einige Male „gepackt“. Da entdeckte er in „König Ödipus“ ein Stück, das er guten Gewissens als „Dies irae“ (Tag des Zorns, d.h. des Jüngsten Gerichts) in den Requiem-Torso einfügen konnte. „Kein Zweifel, es setzt wie die vorhandene Einleitung ein und wird in der Tonsprache des geistlichen Werkes fortgeführt“, sagt Àcs.

Ähnlich wie andere Komponisten verwendete Leoncavallo Einfälle für geistliche Werke später höchst wirkungsvoll in Opern. Der Eintritt ist wie immer frei(willig). Doch gute Kunst ist nicht umsonst zu haben. Auf Vermittlung des Kunstvereins sprang die Kulturstiftung der Sparkasse in die Bresche. Bei der Projekt-Vorstellung in der Sparkasse gab es von Gertrud Strobel für Gastgeber und Geschäftsstellenleiter Klaus Wohnaut ein herzliches „Merci“.

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