Eschweiler - Chemieunfall! Jetzt darf nichts schiefgehen

Chemieunfall! Jetzt darf nichts schiefgehen

Von: Irmgard Röhseler
Letzte Aktualisierung:
Großeinsatz im Städtischen G
Großeinsatz im Städtischen Gymnasium: Feuerwehrleute aus der Region und der Berufsfeuerwehr Köln arbeiten Hand in Hand bei einem imaginären Chemieunfall. Foto: I. Röhseler

Eschweiler. Wankend schleppt sich ein Lehrer aus dem Gebäude des Städtischen Gymnasiums. Mit letzter Kraft wählt er die 112, dann gleitet ihm sein Handy aus der Hand und er bricht mitten auf dem Schulhof zusammen.

Glücklicherweise sind auch noch andere Kollegen im Dienst. Einer von ihnen beobachtet, was mit dem Kollegen auf dem Schulhof passiert. Er erkennt sofort die Lage und die Verletzungen des Chemielehrers und ruft ebenfalls um Hilfe: „Bitte kommen Sie schnell, mein Kollege ist mit einer chemischen Substanz in Verbindung gekommen. Seine Hände sind verätzt. Bitte beeilen Sie sich”, fleht der Lehrer und beruhigt gleichzeitig den Verletzten. Der geschockte Pädagoge weiß zu diesem Zeitpunkt nicht, dass sich eine weitere Verletzte im Schulgebäude befindet.

In der Leitstelle greift bereits ein Zahnrädchen ins andere: Hier ist blitzschnelles Handeln angesagt. Der diensthabende Mitarbeiter eröffnet einen Einsatz mit dem Alarmstichwort GSG-2. Zwischenfälle mit gefährlichen Stoffen und Gütern stellen die Einsatzkräfte immer wieder vor eine große Herausforderung.

Hier ist eine akribische Zusammenarbeit mit der örtlich zuständigen Feuerwehr, den CBRN-Einsatzkräften der Städteregion Aachen, der CBRN-Fachbereitschaft sowie zwischen der Analytical Task Force (ATF) Köln gefragt. CBRN steht für die chemische, biologische, radioaktive und nukleare Gefahrenabwehr.

In diesem Fall handelte es sich glücklicherweise nur um eine gemeinsame Übung der CBRN-Einsatzkräfte der Städteregion Aachen, der Feuerwehr Eschweiler und der Analytical Task Force der Berufsfeuerwehr Köln. Um eine sichere Zusammenarbeit zu gewährleisten, proben die Feuerwehrleute mehrmals im Jahr solche Einsätze. Was war passiert?

Am Freitagnachmittag kommt es während des Nachhilfeunterrichts im dem Gebäude des Städtischen Gymnasiums an der Gartenstraße zu einem Zwischenfall. Beim Transport von Gefäßen mit Chemikalien aus dem Vorbereitungsraum des Chemiesaals stürzen mehrere Flaschen zu Boden, einige zerbrechen, eine fängt der Chemielehrer auf und kontaminiert sich dabei die Hände. Die Flasche nimmt er mit nach draußen. In dem Gebäude gibt es somit Bereiche, an denen sich Gase, Dämpfe und Stäube ausbreiten.

Nachdem also der angebliche „Notruf” am Samstag kurz vor 17 Uhr in der Leitstelle aufläuft, bereiten sich die Einsatzkräfte auf den „Ernstfall” vor. Um solche Gefahrensituationen effektiv und erfolgreich in den Griff zu bekommen, muss alles koordiniert und aufeinander abgestimmt werden. Und zwar schnell. Hier zählt jede Sekunde. Im Rahmen einer Übung können die Retter feststellen, wo es „hakt” und mit welchen unterschiedlichen Fragen die Retter konfrontiert werden.

Nur Minuten später ist also die Eschweiler Feuerwehr unter Leitung von Ralf Latz vor Ort. Drei Feuerwehrmänner machen, ausgestattet mit Chemikalien-Schutzanzügen, Sauerstoffgeräten und Atemschutzmasken, schnell die Unfallstelle aus und finden dort eine weitere Verletzte am Boden liegend vor. Die Mitarbeiterin der Hausmeisterei hat Verätzungen im Gesicht und am Arm. Zwei Retter bringen die Frau ins Freie und direkt unter eine Dekontaminierungsdusche.

Hier stehen schon weitere Helfer, ebenfalls in Schutzanzügen, bereit und übernehmen die Verletzte. Währenddessen entnehmen die anderen Kollegen eine Probe des unbekannten freigesetzten Gefahrstoffes. Mittlerweile rollt auch die Analytical Task Force aus Köln auf den Schulhof. Köln ist einer von bundesweit sieben Standorten zur Bekämpfung von großen Chemieunfällen und Terroranschlägen mit chemischen Waffen.

Das top-ausgestattete mobile Labor kann nicht nur in kurzer Zeit den Gefahrenstoff analysieren, sondern ortet auch per ausfahrbarem Fernerkunder eine Gefahrstoffwolke bis zu fünf Kilometer. Ein Infrarotgerät spielt die Daten in ein Videobild der Umgebung ein. Innerhalb von Sekunden sehen die Einsatzkräfte auf einem Monitor, um welche Substanz es sich handelt und wie sich die giftige Wolke ausbreitet. „Da diese Ferndetektion außerhalb der Gefahrenzone stattfindet, verringert sich das gesundheitliche Risiko für die Einsatzkräfte erheblich”, erklärt ein ATF-Mitarbeiter.

Nach drei Stunden rücken die ersten Fahrzeuge wieder ab. Die Verletzten sind außer Lebensgefahr. Die Substanz wurde analysiert und erfolgreich beseitigt. Die Einsatzkräfte haben bestens kooperiert. Beteiligt waren die Feuerwehr Eschweiler, Messeinheiten aus Eschweiler, Herzogenrath und Simmerath, der Atemschutz-Gerätewagen aus Würselen, die ATF aus Köln, Einheiten zur Dekontamination aus Herzogenrath und die Fachberater-Bereitschaft.

Das Deutsche Rote Kreuz brachte die zwei Verletzten-Darsteller mit und einen Container für die Dekontamination.
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