Chemie-Unfall in AWA-Halle schnell im Griff

Von: Rudolf Müller
Letzte Aktualisierung:
Nur in Vollschutzanzügen näh
Nur in Vollschutzanzügen nährten sich die Wehrleute der Halle auf dem Deponiegelände. Foto: Roeger

Eschweiler. Karl Rambadt, der Technische Leiter der Abfallwirtschaft Kreis und Stadt Aachen GmbH, kurz AWA, sah es gelassen: „Wir hatten hier ein kleines Problem”, fasste er das in sechs Worte, was gestern Vormittag ein Aufgebot an Wehreinsatzkräften nach Warden lockte, das einem Kreis-Feuerwehrtag zur Ehre gereicht hatte.

65 Einsatzkräfte eilten zur Mülldeponie, an die 20 Fahrzeuge blockierten den Eingangbereich des Geländes, auf dem es gegen 11 Uhr 15 zu einem Chemie-Unfall gekommen war. Dort war in einer Halle ein Reinigungsmittel mit Schwefelsäure in Berührung gekommen.

Um 11 Uhr 22 hatte der Hilferuf aus der Deponie die Hauptwache der Wehr am Florianweg erreicht. Und löste Großalarm aus: Bis auf einen Löschzug war alles in Marsch gesetzt, was Eschweiler an Wehrkräften zu bieten hat. Verstärkt wurden die Trupps durch Kollegen aus Herzogenrath und die Messeinheit der Städteregion.

Menschliches Versagen?

Harald Pütz, Stadtbrandinspektor und Leiter des Großeinsatzes: „In einer 8 mal 8 Meter großen Halle der Deponie, die durch eine Auffangwanne gesichert ist, waren etwa 100 Liter ,Antispumin, ein Mittel, das zur Entschäumung von Behältern nach stark Schaum bildenden Reinigungsläufen, mit 200 Litern 96-prozentiger Schwefelsäure in Verbindung gekommen.” Beide Stoffe gehören zu den in der Deponie immer wieder genutzten Betriebsstoffen.

Wie es dazu kam, dass sie in Kontakt miteinander kamen, muss noch genau untersucht werden, betont Karl Rambadt. Bislang scheint man bei der AWA von menschlichem Versagen auszugehen.

Nur unter Vollschutz samt umluftunabhängigen Atemgeräten machten sich insgesamt sechs Trupps von Wehrmännern daran, die Lage zu sondieren und zu bereinigen. Was sie vorfanden, war eine schwarze, zähflüssige Masse, die zuvor unter heftiger Hitzeentwicklung Schwefelwasserstoffgas und Kohlenmonoxid gebildet hatte. Die schwarze Masse war allerdings in der Sicherheitswanne verblieben - und die Gasbelastung der Umgebungsluft, anfangs deutlich oberhalb des Grenzwertes, lag schon nach kurzer Zeit wieder im grünen Bereich, wie Hartmut Prast, Chemie-Fachberater der Wehr, betont. „Explosionsgefahr hat zu keiner Zeit bestanden, und eine Gefährdung der Bevölkerung durch möglicherweise ätzende Gase war ebenfalls auszuschließen.”

Zwei Stunden nach der Alarmierung lag die Schwefelwasserstoffbelastung der Luft in der Umgebung der Deponie bei weniger als 1 ppm (parts per million). Gemessen von einem ABC-Erkundungsfahrzeug, das die Luftwerte außerhalb des Deponiegeländes ständig überwachte.

In der Sickerwasserreinigungsanlage selbst, dem eigentlichen Ort des Geschehens, räumten Wehrmänner die Umgebung des durch die thermische Reaktion demolierten Behälters und packten die aus dem Chemie-Cocktail hervorgegangene feste Masse in spezielle Gefahrgutbehälter. Die verbliebene flüssige Masse wurde mit Sand gebunden und dann ebenfalls in Sicherheitsbehälter verfüllt. Bei der derzeitigen Witterung ein überaus kräftezehrendes Unterfangen für die Männer im Vollschutzanzug.

Nicht nur deshalb sah AWA-Pressesprecher Michael Uhr am Nachmittag allen Anlass, den Einsatzkräften von Feuerwehr wie auch Polizei nach dem Großeinsatz seinen Dank auszusprechen: „Die Zusammenaerbeit war auch diesmal wieder ganz hervorragend!”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert