Caritas-Werkstätten kürzen die Löhne

Von: Daniel Gerhards und Patrick Nowicki
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Sie sollen für ihre Arbeit bald weniger Geld bekommen: die behinderten Mitarbeiter der Caritas-Werkstätten. Foto: Irmgard Röhseler

Städteregion/Eschweiler. Bei Lohnkürzungen regt sich naturgemäß Widerstand. Erst recht, wenn Menschen betroffen sind, die eine besondere Unterstützung benötigen. Vielen Mitarbeitern der Caritas-Behindertenwerkstätten droht im nächsten Jahr ein deutlich geringeres Einkommen.

Betroffen sind allerdings nur die 1091 Behinderten in den Werkstätten zwischen Imgenbroich und Alsdorf. Dies teilte die Geschäftsführung der gemeinnützigen Gesellschaft nicht nur den Beiräten, sondern auch den Mitarbeitern mit.

Geschäftsführer Michael Dörsch aus Eschweiler nennt als Hauptgrund die geringere Ertragslage des Unternehmens. Das Einkommen der Mitarbeiter ist nämlich am Arbeitsergebnis gekoppelt. 70 Prozent des Gewinns wird an die Menschen mit Behinderung ausgeschüttet, die übrigen 30 Prozent bleiben der GmbH als Rückstellung für Investitionen. Dies ist gesetzlich vorgeschrieben. Auch der Grundlohn der Behinderten liegt fest: 75 Euro im Monat. Unabhängige Wirtschaftsprüfer untersuchen in jedem Frühjahr den Abschluss des Vorjahres. Die Kontrolleure gehen nicht nur nach dem Handels-, sondern auch nach dem Sozialgesetzbuch vor.

Aktuell wird in dem gemeinnützigen Unternehmen eine bisher gängige Praxis zum Problem: Der Bonus wurde mit dem Monatsgehalt ausgezahlt – und zwar im Voraus. „Jetzt stellen wir fest, dass wir bereits zu viel ausgeschüttet haben, weil unser Ertrag deutlich unter dem Vorjahresergebnis liegt“, sagt Michael Doersch. Deswegen greife man im Moment auf die Rücklagen zurück. In zwei Schritten soll die Bonuszahlung nun gekürzt werden.

Auch an anderer Stelle macht sich der veränderte Kurs des Unternehmens bemerkbar: Der Umbau der Gebäude an der Aachener Straße in Eschweiler wurde verschoben und auf mehrere Jahre verteilt. Im nächsten Jahr sollen nun die Handwerker anrücken.

„Ich kann den Aufschrei der Betroffenen verstehen, Kürzungen sind nicht schön“, sagt Caritas-Geschäftsführer Michael Doersch. Allerdings bliebe der Caritas keine Wahl. Vor einigen Jahren sei die Finanzierung der Behindertenwerkstätten durch den Landschaftsverband ausgesprochen gut gewesen, das habe sich jetzt geändert. Zudem sei die Auftragslage schwieriger: „Nicht die Anzahl der Aufträge sinkt, aber die Preise sind im Keller“, sagt Doersch im Gespräch mit unserer Zeitung.

Jeder Behinderte hat einen Anspruch auf einen Platz in einem Werk. So stieg die Zahl der behinderten Mitarbeiter in den Caritas-Werkstätten von 827 im Jahr 2007 auf 1091 – Stand Montag. „Der Ertrag wuchs aber nicht im gleichen Maße wie die Zahl der Menschen mit Behinderung“, berichtet Doersch.

Hinzu komme, dass die Zahl der Schwerst-Mehrfach-Behinderten nachweislich zugenommen habe. Diese Menschen könnten nicht den gleichen Beitrag leisten wie andere, obwohl sie eine intensivere Betreuung benötigen. Die Werkstätten führten daher ein Punktesystem ein, nach dem jeder Mitarbeiter von Betreuern bewertet wird. Das Ergebnis dieser Bewertung legt fest, wie hoch der Bonus jedes einzelnen ist.

Doersch äußert die Hoffnung, dass im kommenden Jahr wieder ein Bonus an die Mitarbeiter gezahlt wird. Die Caritas-Behindertwerk-GmbH schreibt schließlich nach wie vor schwarze Zahlen – diese sind allerdings kleiner als noch vor Jahren. Die weitere Entwicklung der gemeinnützigen Gesellschaft ist für Doersch auch abhängig von den politischen Rahmenbedingungen: „Wir wissen noch nicht, wie sich die Inklusion auf die Werkstätten auswirkt.“

135 Betroffene in Imgenbroich

Betroffen von der Veränderung ist auch das Werk 5, angesiedelt seit 11 Jahren im Gewerbegebiet Imgenbroich. 22 Mitarbeiter der Caritas sind hier in Begleitung, Betreuung und Produktion beschäftigt. Die Werkstatt für Behinderte unter Leitung von Karl Wertz gibt 135 Menschen mit Behinderungen aus dem Bereich der Nordeifel einen gesicherten Arbeitsplatz, auch wenn sie jetzt Abstriche hinnehmen müssen.

Für den Caritas-Standort Imgenbroich bedeutet die neue Struktur keinerlei Veränderung, betonte die Caritas-Geschäftsführung: Hier seien hinreichend Kapazitäten und Auslastung vorhanden.

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