Camp CO2 Zero und Bürgerwald rücken näher

Von: Patrick Nowicki
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Die Facetten des Propsteier Walds: Die Munitionsbunker (oben) erinnern an die Vergangenheit als Militär-Camp. Der Vorsitzende des Fördervereins, Eberhard Büttgen (rechts), weist aber auch auf zahlreiche naturbelassene Orte hin. Davon konnten sich auch die Teilnehmer der ersten Ferienspiele (unten) überzeugen. Foto: privat/Nowicki

Eschweiler. Noch ist der Eingang mit Ketten und Schlössern verriegelt. Hinweisschilder warnen: „Eintritt verboten!“ Wer in den Propsteier Wald möchte, kommt nicht weit. Das kann sich bald ändern. Die Eigentümerin des Forstes, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIma), und die Stadt Eschweiler einigten sich jetzt auf eine Rahmenvereinbarung.

Beide wollen den Wald wieder für die Bürger öffnen und das Camp CO2 Zero vorantreiben. Mit im Boot sitzt der Förderverein Propsteier Wald. Es fehlt nur noch die Zustimmung des Stadtrates, die aber in zwei Wochen erfolgen wird.

Damit bekommt der Prozess neue Dynamik. Das mit dem Bundesnaturschutzpreis 2011 ausgezeichnete Projekt schien lange zu stocken. Ursprünglich sollte eine Bürgergenossenschaft den Wald erwerben. Bei den Verhandlungen lagen die finanziellen Vorstellungen von BIma und Vertretern des heutigen Fördervereins Propsteier Wald jedoch weit auseinander. Die weiteren Gespräche verliefen zwar konstruktiv, aber zu einem konkreten Ergebnis kamen sie nicht.

Vor wenigen Wochen gelang der Durchbruch wohl auch, weil sich auch das Land Nordrhein-Westfalen einschaltete. Am Montag wird sich der NRW-Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, Johannes Remmel, den Propsteier Wald anschauen. Der Grünenpolitiker wurde durch den Landtagsabgeordneten Stefan Kämmerling (SPD) auf das Projekt aufmerksam. Remmel kennt die Erfolge einer Waldgenossenschaft aus Remscheid, an der auch die Landespolitikerin Jutta Velte beteiligt ist. Dort lautet der Titel des Projekts „Wald 2.0“.

Auch wenn die Genossenschaft in Eschweiler noch nicht erreicht ist, sieht der Vorsitzende des Fördervereins Propsteier Wald, Eberhard Büttgen, die Entwicklung als Erfolg: „Entscheidend ist, dass wir den Wald für die Menschen wieder erlebbar machen und er nicht in die Finger eines Forstunternehmens gerät.“ Zudem sei mit dem Kooperationspapier zwischen Stadt und BIma keineswegs ein Schlussstrich unter die Bestrebungen gezogen, dass eine Genossenschaft einmal das Areal zum Teil erwerben soll.

Für die Stadt Eschweiler saß der Technische Beigeordnete Hermann Gödde mit am Verhandlungstisch. Die Kommune möchte vor allem die Flächen, wo noch die Militärgebäude zu sehen sind, als Wissenschaftsstandort entwickeln. Unter dem Titel „Camp CO2 Zero“ steht die Kommune seit über drei Jahren in engem Kontakt zu verschiedenen Institutionen wie die RWTH, Fachhochschulen, aber auch Instituten und Stiftungen. „Das Schöne ist doch, dass alle bei der Stange geblieben sind, weil sie auch glauben, dass man im Prop­steier Wald gute Voraussetzungen für Freiflächenforschung vorfindet“, sagt Hermann Gödde.

Der 495 Hektar große Propsteier Wald wurde bis 1995 als Militärgelände von den belgischen Streitkräften genutzt. Noch heute sind die Hinterlassenschaften dieser Zeit zu erkennen. Die Munitionsbunker, Hallen und Gebäude sind noch vorhanden, allerdings in einem sehr schlechten Zustand. Ob und wo sich noch Kampfmittel befinden, muss noch geklärt werden. Dies übernimmt die BIma. Auch die Altlastenermittlung und -beseitigung wird von der Bundesanstalt in Auftrag gegeben. Die Stadt kümmert sich im Gegenzug um die planerischen Voraussetzungen für eine Entwicklung. Alle weiteren Schritte regelt eine Arbeitsgruppe, der Vertreter von BIma, Stadt und Förderverein angehören.

Wie die Zukunft des Waldes aussehen kann, zeigte der Förderverein in den Sommerferien: Bei den Ferienspielen erlebten Kinder den Forst als Lern- und Freizeitort. Allerdings war die Nutzung des Waldes eingeschränkt. Noch ist nicht sicher, wo sich noch Sprengmittel im Boden befinden. Den Prop­steier Wald als außerschulischen Lernort zu nutzen, ist eines der Ziele der Kooperation zwischen Stadt und BIma. Der Wald soll auch bewirtschaftet werden, allerdings nach den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit. „Die Zeiten der Fichte sind vorbei, es werden vor allem heimische und hochwertige Hölzer gepflanzt“, erläutert Eberhard Büttgen.

Die Grobplanung für das Camp CO2 Zero zeigt die Besonderheit des Forschungsstandortes. „Die Gebäude richten sich nicht nach den Straßen, sondern nach den Grünzügen“, sagt Reiner Fey vom Förderverein Propsteier Wald. Die Natur entwickelt sich dort nämlich hervorragend, so lassen sich seltene Pflanzen und Tierarten entdecken. Allerdings wollen treten der Förderverein und die Stadt etwas auf die Euphoriebremse. Die Kooperationsvereinbarung ist nur ein erster Schritt zur Öffnung des Waldes. Aber ein wichtiger.

Ein intensiver Kontakt zum Land Nordrhein-Westfalen kommt wie gerufen. Ist der Kontrakt unterschrieben, kann man schließlich die Planungen des Camps CO2 verfeinern. Bei der Entwicklung eines solch außergewöhnlichen Forschungsstandorts kann das Wissenschaftsministerium helfen. Doch zunächst schaut sich am kommenden Montag der Umweltminister Johannes Remmel im ehemaligen Camp Astrid um.

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