Buntes Programm für Besucher der „Nacht der offenen Kirchen“

Von: Andreas Röchter
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Licht durchdrang die Nacht nicht nur in der Pfarrkirche St. Marien. Foto: Andreas Röchter
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Mit Symbolen aus der Schatzkiste auf der Suche nach dem Sinn der Zehn Gebote: Auch für Kinder hatte die „Nacht der offenen Kirchen“, hier in der Gemeinde St. Antonius Bergrath, viel zu bieten. Foto: Andreas Röchter
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Großes Interesse: Mit einem von Gesang geprägten ökumenischen Taizegottesdienst begann die „Nacht der offenen Kirchen“ in Weisweiler. Zahlreiche Besucher nahmen die außergewöhnliche Atmosphäre in sich auf. Foto: Andreas Röchter
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„Und die Nacht ist voller Gesang“: Die bereits 1985 ins Leben gerufene Musikgruppe St. Marien säte mehr als nur ein Senfkorn Hoffnung. Foto: Andreas Röchter
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Der Blick auf das Wesentliche mit dem Auge als Symbol für die Gegenwart Gottes: Künstlerin Monika Jonas zeigte in der Kapelle des St.-Antonius-Hospitals meditative Bilder, deren Wirkung durch visuell-akustische Meditationen verstärkt wurde. Foto: Andreas Röchter
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„Klang. Raum. Erleben.“: Saxophonist Chris „Cripo“ Possmann faszinierte die Zuhörer zu vorgerückter Stunde in der Pfarrkirche St. Peter und Paul mit Jazz pur. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Sieben Gemeinden, zehn Standorte, ein Erfolg: Die erste „Nacht der offenen Kirchen“ in Eschweiler stieß bei den Indestädtern auf starke Anteilnahme. Zahlreiche Menschen nutzten am Montagabend, also wenige Stunden vor dem Reformationstag, das ökumenische Angebot der verschiedenen Standorte.

Mit dabei waren die Pfarren Heilig-Geist (Pfarrkirche St. Marien Röthgen und Gemeinderaum St. Antonius Bergrath) und St. Peter und Paul (Pfarrkirchen St. Peter und Paul sowie St. Bonifatius Dürwiß, Kapelle des St.-Antonius-Hospitals), der GDG Eschweiler-Nord mit der Gemeinde und Pfarrkirche St. Severin Weisweiler, den Evangelischen Kirchengemeinden Eschweiler (Dreieinigkeitskirche) sowie Weisweiler-Dürwiß (Auferstehungskirche), der Freien Evangelischen Gemeinde Eschweiler (Kopfstraße) sowie der Agapegemeinde (Kaiserstraße).

Das breitgefächerte Programm bot unter anderem die Gelegenheit zur Stille, zur Begegnung, zum Gespräch. Musik aktiv oder passiv in unterschiedlichsten Formen zu erleben, gehörte ebenso zum Repertoire wie die Meditation, das Betrachten von Kunst oder das Eintauchen in die Geschichte.

Zentrum der Spiritualität

„Wir erleben heute Abend ein ökumenisches Ereignis“, begrüßte Wolfgang Theiler, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Weisweiler-Dürwiß, zahlreiche Teilnehmer in der katholischen Pfarrkirche St. Severin, wo die Nacht der offenen Kirchen mit einem gesanglich geprägten Taizé-Gottesdienst ihren Anfang nahm. Nach 500 Jahren könne es kein besseres Zeichen geben. Denn: „Es verbindet uns viel mehr als uns trennt“, so der Geistliche, der als Beispiel eben den Gesang nannte.

Die Kommunität von Taizé sei ein Zentrum der Spiritualität, ein Ort, der gestiftet worden sei, damit Menschen zusammenkommen und gemeinsam für eine bessere Welt kämpften. „Wir singen zwölf Lieder. Für jeden Apostel eines, auf dass unsere Stimmen zum Himmel steigen“, lud Wolfgang Theiler die Kirchenbesucher ein. Dies hatte drei Stunden zuvor ebenso der neugegründete Familienkreis der Pfarrgemeinde Heilig Geist mit Gemeindereferentin Angela Pohl, Monika Erz, Susanne Goerres-Momma, Nicole Nelles und Ivonne Münstermann in Richtung von Familien und vor allem deren Kindern getan.

Und auch im Gemeinderaum der Gemeinde St. Antonius Bergrath freuten sich die Organisatoren über regen Zuspruch. So machten sich Kinder und Erwachsene auf die Suche nach einer Schatztruhe, in der sich „Edelsteine“ in Form der Zehn Gebote befanden. „Gott hat uns diese Edelsteine geschenkt, damit wir sie in unser Leben einbauen“, gab Angela Pohl den jüngsten Teilnehmern der Nacht der offenen Kirchen mit auf den Weg.

Unter der Überschrift „Die Nacht ist voller Gesang“ empfing die Musikgruppe St. Marien eine große Zahl von Neugierigen mit Liedern, die Hoffnung spendeten. Die „Renew Brass Band“ mit Fats von Gerolstein an der Spitze ließ die Besucher im wahrsten Sinne des Wortes „Kirche einmal anders“ erleben. „Ich bin vollkommen begeistert, wie gut diese Premiere angenommen wird“, zeigte sich Pfarrer Hannokarl Weißhaupt sichtlich berührt von den vollbesetzten Stühlen in „seiner“ Pfarrkirche.

„Nicht wenige Gesichter sehe ich hier zum ersten Mal“, unterstrich er erfreut, bevor Ulrich Dreiner die Zuhörer mit Gedichten und Geschichten sowohl zum Schmunzeln, als auch zum Nachdenken brachte. So sei das Martin Luther zugeschriebene Zitat „Wenn ich wüßte, dass morgen die Welt unterginge, dann würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“ von beträchtlicher Aktualität. „Es betont die Pflicht unseren Kindern gegenüber, uns für eine lebenswerte Welt einzusetzen, in der nicht der Profit das Ziel ist, sondern das Wohlergehen aller Menschen“, so Ulrich Dreiner.

Meditative Bilder der Künstlerin Monika Jonas, die das Mitgefühl in den Fokus stellen, bildeten den Mittelpunkt der Nacht der offenen Kirchen in der Kapelle des St.-Antonius-Hospitals. „Das Auge mit dem Blick für das Wesentliche symbolisiert die Gegenwart Gottes, der uns Menschen ohne Vorbehalte annimmt“, erklärte die Malerin, deren Präsentation und Meditation von der Klarinettistin Barbara Lietz musikalisch begleitet wurde.

Dass der Blick der Ökumene auch über den rein christlichen Tellerrand hinausblicken und -wirken kann, wurde in der Dreieinigkeitskirche in der Moltkestraße deutlich, in deren unmittelbarer Nähe bis zum 9. November 1938 die Eschweiler Synagoge gestanden hatte. „Gäbe es sie noch, wäre sie vielleicht als offene Synagoge Teil dieser Premiere“, hatte Pfarrer Thomas Richter bereits vor wenigen Wochen bedauert.

Dass Gott sei Dank dennoch jüdisches Leben in Deutschland existiert, zeigte die Präsentation von Klezmer-Musik, die in der Dreieinigkeitskirche ihren außergewöhnlichen Geist ausbreitete, bevor der Handglockenchor „Bells of Glory“ die Zuhörer verzauberte. Ergänzt wurde die Nacht der offenen Kirchen in der Dreieinigkeitskirche durch die Dokumentation „Evangelisch in Eschweiler“.

„Klang. Raum. Erleben.“

„Klang. Raum. Erleben.“ lautete die Losung in der Pfarrkirche St. Peter und Paul, in der Kristofer Kiesel Improvisationen an der Bach-Orgel hören ließ, der Projektchor der Pfarre mittelalterliche Musik präsentierte und der großartige Saxophonist Chris „Cripo“ Possmann mit Jazz in puristischer Form faszinierte.

In der Agapegemeinde genossen die Besucher die „Zeit der Stille“, in der Freien Evangelischen Gemeinde begaben sie sich per Bibellesung auf die „Suche nach dem gnädigen Gott“, während in der Dürwisser Pfarrkirche St. Bonifatius das Leben Martin Luthers in Film und anschließender Diskussion im Mittelpunkt stand.

Und das Fazit der ersten inde-städtischen „Nacht der offenen Kirchen“? „Man sieht, was für die Kirchen möglich ist, wenn sie Angebote machen“, so ein Besucher des tatsächlichen „Ereignisses“, das auch (und mindestens) in den beiden kommenden Jahren stattfinden wird. Die Messlatte wurde durchaus hoch gelegt. Für die folgenden Nächte der offenen Kirchen. Und für den kirchlichen Alltag.

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