Eschweiler - Bunter Liebesbeweis unter dem Fenster

Bunter Liebesbeweis unter dem Fenster

Von: Benjamin Jansen
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Mit Maiherzen kennt sich Flori
Mit Maiherzen kennt sich Floristin Heike Flüggen aus. Foto: B. Jansen

Eschweiler. Die Farben des Jahres? Heike Flüggen wirft einen flüchtigen Blick in ihre kleine Werkstatt und nickt: „Ganz klar: aubergine und rosa.” Mehr als 20 Maiherzen hat die junge Floristin in den vergangenen Tagen angefertigt. Sie liegen verstreut im Raum herum, und warten darauf, abgeholt zu werden.

Ein flüchtiger Blick reicht tatsächlich aus, um zu sehen, dass die aubergine- und rosafarbenen Krepprollen besonders strapaziert wurden. „2009 und 2010 war rot sehr beliebt. In diesem Jahr ist die Farbe der Liebe aber nicht der Renner”, sagt die 24-Jährige und lacht.

Akkordarbeit

Seit acht Jahren arbeitet Flüggen im Blumenfachgeschäft von Martin Thelen. Den Spaß an der aufwendigen Produktion hat sie in dieser Zeit nie verloren - obwohl die Bastelei regelmäßig in Akkordarbeit endet, je näher der 1. Mai rückt. „Am letzten Tag stehen wir hier erfahrungsgemäß mit vier Mitarbeitern und drehen Röschen”, sagt Flüggen, während sie die Krepp-Außenränder auf ein Styroporherz steckt. Schließlich sollen auch die Kurzentschlossen ihren Liebsten eine Überraschung machen können. Aber warum werden überhaupt Maiherzen verschenkt? In welcher Verbindung stehen sie zu Maibäumen? Und warum werden sie ausgerechnet am 30. April an Häusern, Laternen und Garagen angebracht?

Man muss in den Geschichtsbüchern weit zurückblättern, um den Ursprung des Maibrauchtums zu finden. Zum Schutz vor Hexen war es im Mittelalter üblich, in der Walpurgisnacht, der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai, Vieh und Gebäude durch Kreuze oder durch Besprengen mit gesegnetem Wasser zu schützen. Die jungen Burschen des Dorfes zündeten Maifeuer an und veranstalteten Lärm, um böse Geister zu vertreiben.

Die Kreuze wurden schon bald durch Maibäume ersetzt, der erste seiner Art soll 1225 in Aachen gesehen worden sein. Eine bunt geschmückte Birke, die die Öcher Junggesellen motiviert haben soll, ihren Mädchen ebenfalls einen prachtvollen Baum vor das Fenster ihres Schlafgemachs zu setzten. An dieser Tradition hat sich bis heute nichts geändert - sie hat sich nur auf zahlreiche Städte, vor allem im Rheinland, ausgedehnt.

Auch in Eschweiler werden in der Mainacht Jahr für Jahr Birken gefällt und bunt geschmückt. Damit diese „Trophäen” nicht illegal im Stadtwald erbeutet werden, stellt die städtische Försterei 600 Maibäume zur Verfügung, die von vier Forstwirten fachmännisch geschlagen wurden. „Man darf nämlich nur Birken schlagen”, sagt Revierförsterin Susanne Gohde. „Einige Birken bieten nämlich Frostschutz für Eichen und Buchen, die sich darunter befinden. Diesen Schutz darf man ihnen nicht nehmen.”

Den größten Baum hat die Försterin dem Technischen Hilfswerk zurücklegen lassen. Eine zehn Meter hohe Birke, geschmückt mit blauen, roten und gelben Bändern, wurde am Freitag in der Neustraße aufgestellt, direkt gegenüber der Dreieinigkeitskirche.

Am Sonntagabend wird die Zahl der Bäume deutlich zunehmen - spätestens dann, wenn Daniel Asara und die Mitglieder vom Mai-Club Röhe 1969 um die Häuser ziehen. Vorher will der 1. Vorsitzende jedoch die „Tanz in den Mai”-Veranstaltung des Vereins, die in der Mehrzweckhalle in Röhe stattfindet, gut über die Bühne bringen. Dort traten in den vergangenen Jahren Schlagerstars wie Jürgen Drews, Michael Wendler oder Andrea Berg auf. In diesem Jahr setzt Axel Fischer („Traum von Amsterdam”) die prominente Reihe fort, unterstützt von Marta Rosinski, Marcus Luca und Marco Kloss. Neben diesen musikalischen Highlights freut sich Asara vor allem auf die Krönung des Königspaares (Jacqueline Pfennings und Benno Bosch) sowie auf den traditionellen Maiumzug. der am Sonntag um 14 Uhr an der Gaststätte „Zum Hirsch” in Röhe startet.

Dort wird man mit Sicherheit auch das eine oder andere Maiherz sehen, das Heike Flüggen hergestellt hat. Denn manche haben einen extrem hohen Wiedererkennungswert, zum Beispiel das Herz mit Playboyhasen-Motiv oder das Marienkäfer-Bild. Aber auch die Herzen von „Natalie” und „Sabrina” wird man kaum übersehen können: Beide sind ungefähr 1,20 Meter groß.Vor etwa 20 Jahren hat sich im Rheinland die Tradition eingebürgert, dass Männer ihrer Liebsten in der Mainacht statt des Maibaums ein Herz schenken - woher dieser Wandel rührt, weiß aber niemand so genau.

Dass nicht jedes Herz von Heike Flüggen an der Haustüre oder der Laterne landet, liegt nicht daran, dass es den Auftragstellern nicht gefällt. „Manche haben ihr Herz schon früh bestellt, sich dann aber von ihrer Freundin getrennt”, berichtet die 24-Jährige. Deshalb setzen viele auf den Last-Minute-Kauf. Kein Problem für Heike Flüggen: Den aubergine- und rosafarbenen Krepprollenbestand hat sie schließlich wieder aufgefüllt.
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