Bundeswehr: Die Herausforderungen in Mali sind groß

Von: Andreas Röchter
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Teile seine Erfahrungen zur außergewöhnlichen Herausforderungen, die im Einsatzland Mali zu bewältigen sind: Major Thomas Holz. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Die Herausforderungen sind groß und vor allem außergewöhnlich: Die Außentemperatur steigt oft über 50 Grad Celsius, Sandstürme gehören zum Alltag, Regen fällt nur selten, aber wenn, dann versickert das Wasser nicht, sondern verdunstet langsam aber sicher.

Darüber hinaus sind Schlangen, Skorpione und auch die gewöhnungsbedürftige Kamelspinne nach Hereinbrechen der Dunkelheit ständige Begleiter der Soldaten. Und in Sachen Transportwege hält das flächenmäßig im Vergleich zur Bundesrepublik Deutschland vier Mal so große Einsatzland lediglich rund 22.500 Kilometer Straße (Deutschland verfügt über 645.000 Kilometer) bereit.

So weit einige der Bedingungen, die Major Thomas Holz vorfand, als er im Juli des vergangenen Jahres im Auftrag des Bundesamts für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Deutschen Bundeswehr das Camp Castor in Gao im westafrikanischen Mali für einen fünfmonatigen Einsatz im Rahmen der UN-Friedensmission „Minusma“ erreichte.

Nicht, um dort den Dienst an der Waffe zu leisten, sondern als Leiter des „Bau-Koordinierungsbüros Camp Castor“ seiner Tätigkeit als Bauingenieur nachzugehen.

Über seine persönlichen Erfahrungen berichtete der Offizier nun unter der Überschrift „Infrastruktur im Einsatz“ im Rahmen des „Donnerberger Gesprächskreises“ vor zahlreichen Zuhörern in der Donnerberg-Kaserne.

„Schon die Anreise verlief nicht ganz unkompliziert“, berichtete Major Thomas Holz, der vor Mali bereits Auslandseinsätze im Kosovo und in Afghanistan absolvierte, zu Beginn seines Vortrags. Vom Startpunkt Bonn aus ging es zunächst mit dem Auto nach Hannover. Es folgte der Flug über Istanbul nach Niamey, der Hauptstadt des Mali-Nachbarlandes Niger. Dort betreibt die Bundeswehr einen Lufttransportstützpunkt. Die nächste Etappe führte den Infrastrukturstabsoffizier in die malische Hauptstadt Bamako, bevor das Endziel Gao anvisiert werden konnte.

„Die Landebahn des Flughafens Gao besteht auf Grund der hohen Temperaturen aus gerissenem Beton“, machte der Referent, der 30 Stunden nach dem Start am Ziel angekommen war, seinen Zuhörern deutlich. „Mali, dessen Lebensader vor allem entlang des Flusses Niger verläuft, ist besonders stark im Süden und Südwesten besiedelt. Doch zwei Drittel des Landes sind Wüstenfläche. Und Gao gehört dazu“, erklärt Thomas Holz.

Allerdings sei die Hitze dort trocken und damit besser zu ver- und ertragen als extreme Temperaturen in Deutschland, „wo hohe 30er Grade ja kaum auszuhalten sind“. Trotzdem habe die Devise „trinken, trinken, trinken“ gelautet. Unmittelbar nach der Ankunft im 450x600 Meter großen Camp Castor nahm der Offizier dann seine Arbeit auf.

Unter anderem galt es, Flugbetriebsflächen herzurichten. Doch nicht zuletzt die Kooperation mit den Verantwortlichen der Vereinten Nationen (UN) habe sich als wenig effizient erwiesen. „Wir hatten es immer wieder mit unterschiedlichen Ansprechpartnern zu tun.

E-Mails blieben unbeantwortet. „Generell waren die Entscheidungswege sehr lang“, bemängelte der Major. Und von einem Straßennetz könne in Mali auch nicht gesprochen werden. „Alle Baumaterialien mussten aus dem Ausland, meistens aus Deutschland angeliefert werden.

Die 1200 Kilometer lange Route von Bamako nach Gao ist eine sandige Piste, auf der die Fahrzeuge zwischen fünf und zehn Tage lang unterwegs waren“, schilderte Thomas Holz. Doch gebe es auch eine ganze Reihe von positiven Aspekten zu berichten. „Dazu zählt die Zusammenarbeit mit den niederländischen Kameraden, mit denen grundsätzlich eine Kooperation auf kurzem Wege möglich war.“

Dazu habe auch der niederländische Pragmatismus in Sachen Problemlösung beigetragen. „Während wir konsequent den Weg der Genehmigung durchlaufen mussten, haben die Niederländer eigenständig entschieden, wenn Rückmeldungen der UN-Mitarbeiter wieder einmal lange ausblieben“, erklärte der in Mecklenburg-Vorpommern geborene Bauingenieur. Auch das gemeinsame Arbeiten mit den einheimischen zivilen Firmen habe bestens funktioniert.

„Ich konnte auf gute Ingenieure zurückgreifen, die handwerkliche Ausführung war im Vergleich zu Afghanistan wesentlich besser. Es herrschte ein respektvoller Umgang, es gab keine Ausfallzeiten. Die Arbeitsleistung insgesamt war gut“, lautete das Fazit von Thomas Holz, der das Camp Castor Anfang Dezember 2016 wieder verlassen hat.

Zwei Tage vor seinem Rückflug erlebte der Offizier dann, warum „Minusma“ zu den gefährlichsten UN-Friedensmissionen gehört: „Kämpfer der Terrororganisation Al-Qaida griffen am 30. November mit zwei Sprengstoff-beladenen Fahrzeugen den Flughafen in Gao an“, sagte er. Dennoch kam Major Thomas Holz unverletzt zurück nach Deutschland.

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