Bürgerstiftung Eschweiler: Vollmundige Versprechen und minimale Erträge

Von: Rudolf Müller
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Sie versuchten, die gute Idee „Bürgerstiftung“ mit Leben zu erfüllen: der ehrenamtliche Geschäftsführer Reinhard Gawlak, Bürgermeister Rudi Bertram und Gründungs-Geschäftsführer Heinz Rehahn (von links), hier in unserer Ausgabe vom 31. Januar 2008. Das Vorhaben scheiterte.

Eschweiler. Da helfen, wo andere dies nicht tun, und fördern, wo offizielle Quellen versiegen – dies ist der Sinn einer Bürgerstiftung. Rund acht Jahre ist es her, dass Bürgermeister Rudi Bertram sich mit dieser Idee an den Stadtrat wandte – und offene Türen einrannte.

Am 13. Juni 2006 kam das Thema zum ersten Mal in den Rat: unter Anfragen und Mitteilungen, als 25. und letzter Punkt der Tagesordnung. Ziemlich genau ein Jahr später war die Bürgerstiftung geboren – mit Rudi Bertram als „Vater“ und Hauptamtsleiter Heinz Rehahn als Geburtshelfer.

Wo die öffentliche Hand gezwungen ist, den Gürtel immer enger zu schnallen, da muss privates Engagement helfen, lautete Bertrams Credo. Losgelöst von Rathaus, Ausschüssen und Ämtern sollte die Bürgerstiftung dort helfen, wo es auf „offiziellen“ Wege keine Hilfe gab. Bei der Finanzierung einer von den Kassen nicht getragenen Therapie für ein schwer krankes Kind, nannte Bertram damals Beispiele. Bei der Ausbildung eines musikalisch hoch begabten Jugendlichen, dessen Eltern sich den weiteren Unterricht nicht leisten können. Bei der Ermöglichung von Schüleraustauschen oder Sportbegegnungen über Grenzen hinweg. Und, und, und...

„Bürgerstiftungen sind ein wirksamer Katalysator zivilgesellschaftlichen Engagements. Auf Grund ihrer finanziellen und politischen Unabhängigkeit sind sie wie kaum eine andere Institution in der Lage, eine große Vielfalt gemeinnütziger Aufgaben auf lokaler Ebene zu förder“, sagte Bertram damals.

„Zweck der Stiftung ist es, im Stadtgebiet Eschweiler das Ehrenamt, Bildung und Erziehung, Wissenschaft und Forschung, Jugend- und Altenhilfe, Kunst und Kultur, Umwelt- und Naturschutz, Landschafts- und Denkmalpflege, Brauchtums- und Heimatpflege, den Sport, die Völkerverständigung sowie die Gleichberechtigung von Frauen und Männern nachhaltig zu fördern und zu entwickeln“, hieß es in der Satzung.

Finanziert werden sollte dies durch Spenden und die Erträge des Stiftungsvermögens, das dabei selbst unangetastet bleiben musste.

Um die Arbeit aufnehmen zu können, hatten die Initiatoren ein Minimum von 50.000 Euro Stiftungsvermögen angepeilt. Kein Problem, war sich Rudi Bertram ziemlich sicher, nachdem ihm in Vorgesprächen von Firmenvertretern Stiftungssummen zwischen 20.000 und 50.000 Euro avisiert worden waren. Um dabei zu sein, waren solche Summen gar nicht nötig: Jeder konnte mit einem Einsatz von 500 Euro Gründungsstifter werden; juristische Personen ab 1.500 Euro.

Rudi Bertram schrieb 300 Firmen an, warb in seiner Neujahrsansprache für die Stiftung, veröffentliche Broschüren samt Verpflichtungserklärung auf der Internetseite der Stadt. Vergebens. Aller vorherigen Versprechen zum Trotz kam das Minimum von 50.000 Euro nicht zusammen. Daran änderte auch das Engagement von Reinhard Gawlak nichts, dem bestens vernetzten ehemaligen Geschäftsführer des Caritas-Behindertenwerks, der 2008 ehrenamtlich die Geschäftsführung der Bürgerstiftung übernahm.

Denn nun kam zur unzureichenden Stiftungseinlage ein neues Problem hinzu: die mit der Finanzkrise in den Jahren 2009 und 2009 eingetretene Zinswende. Die EZB senkte den Leitzinssatz drastisch, was sich natürlich auch negativ auf die Tagesgeldzinsen ausgewirkt hat. Lagen die Mitte 2008 noch bei durchschnittlich etwa vier Prozent, so liegt der Durchschnitt heute gerade noch bei 1,30 Prozent.

„Hatten wir die Bürgerstiftung zunächst mangels Kapital auf Eis gelegt, so machen die heutigen Niedrigzinsen den Stiftungszweck, der ja nur aus Zinserträgen finanziert werden darf, unerfüllbar“, bedauert Rudi Bertram. „Mir sagen auch immer wieder Leute, sie spenden lieber an bestimmte Hilfsorganisation, da dort direkter geholfen werde.“ Reinhard Gawlak hat sich in den Ruhestand zurückgezogen. Und Rudi Bertram setzt auf bessere Zeiten: „Wir hoffen immer noch, dass sich da etwas tut.“

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