Bücher als Wegweiser zur Kinderseele

Von: Michael Cremer
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Lust am Buch: Das Lesen ist nicht nur für die Kinderentwicklung wichtig, es gibt Eltern auch wichtige Hinweise. Foto: imago/imagebroker

Eschweiler. „Zum Glück oder Unglück Eures Kindes könnt Ihr nicht allzu viel beitragen. Eins aber könnt Ihr tun: Ihr könnt ihm zeigen, wo Trost zu finden ist, wenn es traurig ist, und wo Freude und Schönheit zu finden sind, wenn das Leben ihm grau erscheint.” Dieses Zitat von Astrid Lindgren ist ein flammender Appell an alle Eltern, ihren Kindern möglichst früh den Weg zum Buch zu ebnen.

„Kinder brauchen Bücher”: Diese Erkenntnis war auch Titel einer Fortbildungsveranstaltung, zu der Angelika Henn vom Jugendamt und Bibliotheksleiterin Christine Rohe als Gastgeberin etwa 30 Tagesmütter und Erzieherinnen in der Stadtbücherei begrüßte.

Als Referentin hatte das Jugendamt die Eschweiler Fachbuchautorin Elke Schlösser gewinnen können, die sich durch ihre Veröffentlichungen zum Thema (integrative) Sprachförderung im Elementarbereich bundesweit einen Namen gemacht hat.

Elke Schlösser bricht eine Lanze für das gedruckte Wort und Bild: „Trotz E-Book und Hörbücher ist ein - alleine oder zusammen - in die Hand genommenes Buch etwas Besonderes und in seiner Verwendung unersetzlich.” Wenn Eltern ihren Kinder vorlesen, Geschichten erzählen und gemeinsam mit ihnen Bilderbücher erkunden, legen sie mit etwas Glück den Grundstein für eine lebenslange Liebe zum Buch und zum Lesen.

Bücher wiederum seien für die Sprach- und Persönlichkeitsentwicklung des Menschen von unschätzbarem Wert. Elke Schösser zitiert in diesem Zusammenhang den Kinderbuchautoren James Krüss: „Wer für Kinder schreibt, der schreibt für das offenste und neugierigste Publikum der Welt. Aber er schreibt auch - und das ist ein ganz besonderer Reiz - für die Erwachsenen von morgen.”

Wenn man Kinder schon früh zielgerichtet bei der Entwicklung ihrer Lesekompetenz begleitet, dann spricht man in Pädagogen-Kreisen von „Early-Literacy-Erziehung”, ein Begriff, der sich nur schwer ins Deutsche übersetzen lässt und für den es -zig Definitionen gibt.

Die erfolgreiche Entwicklung hin zu solchen „Literacy”-Fähigkeiten wie Lesen, Vorlesen, Erzählen, einen Text zu erfassen und sich schriftlich zu äußern, lasse sich schon früh am Verhalten der Kinder ablesen, sagt Elke Schlösser. Dies sei zum Beispiel der Fall, „wenn ein Kind mit einem Buch seiner Wahl zu ihnen kommt und sie bittet vorzulesen oder wenn es mit dem Fingern den Zeilen der Schrift folgt, als ob es liest, obwohl es dies noch gar nicht kann”.

Alltägliches Werkzeug

Die gelernte Sozialarbeiterin nennt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, wie Eltern ihren Kindern bei der Entwicklung oben genannter Fähigkeiten behilflich sein können, wie sie bei ihnen die Lust auf Lesen wecken und ihnen das Buch als selbstverständliches, alltägliches Werkzeug nahebringen können.

Wichtig sei etwa anekdotisches Erzählen: „Zuhause waren wir als Kinder immer heilfroh, wenn ein Familienfest war und wir noch nicht ins Bett geschickt wurden”, erinnert sich Elke Schlösser. Kinder lauschen eben gerne mit, wenn die „Großen” gemütlich beisammen hocken und mit Anekdötchen aufwarten. Und Kinder wollen solche Anekdoten unbedingt hören, manchmal immer und immer wieder: „Mama, erzähl doch nochmal, wie du Papa kennen gelernt hast.” Ebenso bedeutsam sei das Vorlesen, auch und gerade dann, wenn das Kind bereits selbst lesen lernt.

Natürlich kennt Elke Schlösser eine Reihe von reich illustrierten Bilderbüchern, darunter auch ältere, die ihre beiden mittlerweile erwachsenen Söhne durch Phasen ihrer Kindheit begleitet haben, die helfen können, die Lesekompetenz der Kinder zu wecken. Anhand dieser Beispiele erläutert sie, dass sich Bilderbücher meist einem in sich geschlossenen Aspekt, also einem bestimmten Thema widmen.

Das kann der Umgang mit Gefühlen sein, Ängste, aber auch Freundschaft oder das Streiten und Sich-wieder-Vertragen. Wenn Kinder sich ein bestimmtes Buch eine Zeitlang immer und immer wieder wünschen, dann könne das ein Hinweis darauf sein, dass sie gerade selbst mit diesem Thema innerlich beschäftigt sind. Bilderbücher können also gezielt eingesetzt werden; das setzt voraus, dass Eltern ihr Kind „und seine derzeitige Entwicklungsphase und seine aktuelle Entwicklungssituation gut kennen”, drückt Elke Schlösser es aus.

Diesen Aspekt hat auch Astrid Lindgren aufgegriffen: „Habt Ihr guten Kontakt zu Eurem Kind? Oder kapselt es sich in einer eigenen Welt ab, zu der Ihr keinen Zutritt habt? Wünscht Ihr mitunter, Ihr wüsstet ein wenig mehr darüber, was in ihm vorgeht? Zusammen mit Eurem Kind müsst Ihr lustige oder auch traurige Bücher lesen, egal welche. Ihr werdet bald entdecken, dass diese Bücher das beste Verbindungsglied sind, das es gibt.”
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