Eschweiler - Buch des Geschichtsvereins: Viele Anekdoten aus Bergraths Historie

Buch des Geschichtsvereins: Viele Anekdoten aus Bergraths Historie

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
Letzte Aktualisierung:
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1960, so berichtet das neue Buch über Bergrath, wurde die Antoniuskapelle aufgebrochen und verwüstet. „Das schlechte Gewissen trieb die Übeltäter, sich unerkannt zu melden und alle Schäden zu beheben. So kam das Kapellchen zu einer neuen Antoniusfigur.“ Diese Figur sei Pastor Rindermann aber „zu wertvoll“ für das Kapellchen gewesen, er tauschte sie kurzerhand gegen die Antoniusfigur aus der Pfarrkirche aus. Hier sind sie beide: Die Figur des heiligen Antonius, die heute in der Bergrather Kirche steht... Foto: Ebbecke-Bückendorf
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...und die schlichtere Figur aus der Kapelle. Foto: Ebbecke-Bückendorf
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Noch druckfrisch: Die ersten Exemplare von „Bergrather Geschichte und Geschichten“ wurden am Freitag überreicht. Von links: Bürgermeister Rudi Bertram, Günter Winden als Leiter des Arbeitskreises Stadtteilforschung Bergrath, der Ehrenvorsitzende des Eschweiler Geschichtsvereins Simon Küpper und Wilfried Nellessen von der Sparkasse Aachen. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Sechs Jahre Arbeit stecken in dem Buch „Bergrather Geschichte und Geschichten“. Am Freitag wurde es im Pfarrsaal des Ortes der Öffentlichkeit vorgestellt. In einer Woche, am 28. November, soll es im Eschweiler Buchhandel erscheinen.

In der Geschäftsstelle der Bergrather Sparkassen-Filiale wäre nicht genug Platz gewesen für die vielen Besucher, die das Ergebnis der sechsjährigen Arbeit anschauen wollten. Deshalb hatten der Eschweiler Geschichtsverein als Herausgeber und die Sparkasse Aachen als wichtigster Sponsor in den Pfarrsaal der St.-Antonius-Kirche eingeladen.

Günter Winden, Leiter des Arbeitskreises 10 „Stadtteilforschung Bergrath“ des Geschichtsvereins, wies bei der Begrüßung der Gäste gleich darauf hin, dass das 234 Seiten starke Buch über den Ort ein Gemeinschaftswerk sei, zusammengetragen und verfasst von allen Mitgliedern des Arbeitskreises, unter intensiver Mithilfe vieler Bergrather Bürger, die mit Erinnerungen, Erzählungen, Bildern und Dokumenten zu dem Werk beigetragen haben.

Wettbewerb gibt Anstoß

Den Anstoß zu der Forschungsarbeit hatte der Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ gegeben, den der Kreis Aachen 2008 ausgeschrieben hatte, berichtete Günter Winden. Bei einem solchen Wettbewerb geht es nicht nur um die schönsten Vorgärten, sondern auch um das Gemeinschaftsleben und die Entwicklung eines Ortes.

Das muss natürlich recherchiert und dokumentiert werden. Bergrath kam damals auf einen der vorderen Plätze. „Motiviert durch dieses Gemeinschaftserlebnis“, so Winden, haben dann 15 Bergrather Bürger beschlossen, die Arbeit weiterzuführen, als Arbeitskreis innerhalb des Eschweiler Geschichtsvereins.

Dieser habe sich natürlich über diese Initiative gefreut, erinnerte sich am Freitag Ehrenvorsitzender Simon Küpper, der bei der Buchvorstellung den Vorsitzenden Kurt Manthey vertrat und die Arbeit der Heimatforscher würdigte. Wie Winden dankte auch er den vielen Ortsvereinen und Bürgern, „die ihre Archive und Fotosammlungen geöffnet und so zu diesem Werk beigetragen haben“. Küpper: „Ich wünsche und hoffe, dass der Arbeitskreis sich jetzt nicht auflöst, sondern für sein Heimatdorf Bergrath weitermacht.“

Das Buch bietet nicht nur eine Geschichte des Ortes, der 1250 erstmals urkundlich als „Berg in Rode“ erwähnt wurde. Nachzulesen ist auch die Geschichte jeder Straße, bei historischen Straßen sogar der einzelnen Häuser. Selbst die Besitzerwechsel sind dokumentiert, oft über mehr als hundert Jahre hinweg.

Damit wird auch das Schicksal einzelner Familien nachvollziehbar. Ergänzt und angereichert wird das alles durch sorgsam dokumentierte Erzählungen Bergrather Bürger. „Uns ging es ganz einfach um die Erhaltung von Wissen, unsere Heimat betreffend“, schreibt Mitautor Peter Gartzen in seinem Nachwort zu „Bergrather Geschichte und Geschichten“.

Eigene Kapitel widmen sich zum Beispiel der Geschichte der Landwirtschaft, den Kindergärten und Schulen, der Kirche St. Antonius samt der Antoniuskapelle, die auch auf dem Titel des Buches abgebildet ist, nebst einem Luftbild des Ortes. Ausführlich und auch mit vielen alten Fotos werden die Bergrather Vereine vorgestellt.

Als Gast-Autor ist Stadtarchivar Horst Schmidt mit einer Beschreibung des Lebens von Heinrich Hubert Koch vertreten. Seit 2014 ist ein Weg im Zentrum des Ortes nach diesem katholischen Priester und Lokalhistoriker benannt.

Ein weiteres Kapitel schildert die NS-Zeit von 1933 bis 1945 und enthält auch Erinnerungen Bergrather Bürger an diese Zeit. Erinnert wird auch, gleich an mehreren Stellen des Buches, an Pfarrer Radeke, der von ortsansässigen Nationalsozialisten als Regimegegner verraten und ins Konzentrationslager Buchenwald gebracht worden war. Auch der später in Bergrath tätige Pastor Rindermann hatte ein Konzentrationslager der Nazis überlebt.

Besonders für alteingesessene Bergrather steckt das Buch voller Erinnerungen und Anekdoten. Zum Beispiel wird berichtet, dass in der Zeit, als ein Fernsehgerät noch eine Besonderheit war, ein solches Gerät im Pfarrjugendheim stand. Es war eigens für die Jugend angeschafft worden.

Allerdings stand es unter Verschluss und durfte nur in Beisein von Erwachsenen bedient werden. Stattdessen wurden im Jugendheim vom Hausmeister-Ehepaar Saatkartoffeln zum Vorkeimen abgestellt. Da wundert es wenig, dass es diese Jugendorganisation heute nicht mehr gibt.

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