Bronzemodell enthüllt: Alt-Eschweiler zum Sehen und Tasten

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Das Gedränge war groß, und jeder hatte etwas zu zeigen auf dem frisch enthüllten Bronzemodell. Dargestellt ist die Eschweiler Altstadt im Zustand von 1954. Foto: Ebbecke-Bückendorf
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„Da war früher Vöcking!“ Das Bronzemodell an der Ecke Marktstraße/Indestraße zeigt den Zustand der Altstadt um 1954. Hier ein Blick in die Judenstraße.

Eschweiler. Wer in Eschweiler aufgewachsen ist, der kann gar nicht die Finger davon lassen. Schon beim Aufbau war das Bronzemodell der Altstadt, das jetzt an der Ecke Marktstraße/Indestraße steht, von Passanten umlagert. Jetzt wurde es offiziell enthüllt.

Es stellt die Innenstadt von Eschweiler im Zustand von 1954 dar, mit den Straßen und Häusern, die in den 60er und 70er Jahren weggerissen wurden. Als tastbares Modell ist es auch mit Blindenschrift versehen.

„Der Erfolg hat viele Väter“, versicherte der Vorsitzende des Eschweiler Geschichtsvereins Kurt Manthey bei der Enthüllung des Modells. Und auch viele Mütter. Private Spenderinnen und Spender trugen tausende Euro zusammen, der Lenkungsausschuss der Stadt Eschweiler legte für jeden gespendeten Euro einen weiteren drauf, der Geschichtsverein selber beteiligte sich ohnehin – 30.000 Euro waren notwendig und kamen auch zusammen. Für die Pflege des Modells und die Versicherungsprämien bittet der Verein aber weiterhin um Spenden.

Der Erfolg hat viele Väter

Mit Sekt wurde auf das gelungene Werk angestoßen. Die reichlichen Dankesworte, die zu dem Anlass gesprochen wurden, hoben einige Personen besonders heraus. Etwa Franz-Josef Surges, Leiter des Arbeitskreises 6 „Baudenkmäler“ im Geschichtsverein, der bei der Planung des Projekts federführend war. Armin Gille, ebenfalls im Vorstand des Geschichtsvereins, der alle Details der Innenstadt dokumentiert hat und damit die Grundlagen für das Modell lieferte. Die beiden Künstler Egbert Brörken und sein Sohn Felix, die das Modell geschaffen haben. Bergbau-Ingenieur Holger Franken, der einen Findling aus dem Tagebau Inden ausfindig machte, der nun Sockel des Bronzemodells ist. Sie und viele andere, die mit geholfen haben, zeigten sich stolz auf das Stadt-Modell.

Während ein heftiger Regenschauer das trockene Bett der Inde auf dem frisch enthüllten Bronzemodell mit Wasser füllte, richtete Franz-Josef Surges mahnende Worte an Stadtplaner und Kommunalpolitiker, „sorgsam mit alter Bausubstanz umzugehen“. An dem Modell könne man die negativen Auswirkungen einer allzu forschen Stadtplanung nachvollziehen. Das jetzt aufgestellte Modell habe nicht nur eine historische, sondern auch eine kulturelle Bedeutung. Kultur sei „der Schmierstoff für die Seele“ – das Bronzemodell der Innenstadt könne man so durchaus als einen Tropfen von diesem Schmierstoff verstehen.

Auch „Kratze Büdche“ fehlt nicht

Der Standort des Modells ist mit Bedacht gewählt. Die Einmündung der Marktstraße in die Inde-straße ist der von Fußgängern am häufigsten passierte Punkt der Innenstadt. Zugleich ist es eine Stelle, an der die Stadt sich besonders drastisch verändert hat. Dass dort vor einigen Jahrzehnten noch die Einmündung der Judenstraße in die Marktstraße war, wird nun sichtbar und fühlbar. Markierungen auf den Dächer weisen auf die Grenzen der damaligen Kahlschlag-Sanierung hin: Dieses Haus wurde abgerissen, das daneben steht noch.

Viele Details lassen das damalige Leben der Stadt lebendig werden. Auf den Schienen der Straßenbahn sind die Waggons zu sehen. Zwei Autos auf dem Marktplatz machen deutlich, dass der Markt lange noch ein Parkplatz war – Bürgermeister Rudi Bertram erinnerte sich an die heftigen Diskussionen, als die Stadt bei der ersten großen Sanierung des Marktes damit Schluss machte: „Das war etwas wie Weltuntergang für manche Leute“. Und der frühere Landrat Hans Günter Bömeke ging mit dem Zeigefinger noch einmal die Wege nach, die er als Kind gegangen war, und erinnerte sich an jede Frittenbude auf diesem Weg. Denn selbst die Imbissbuden der 50er Jahre sind auf dem Modell zu erkennen. Und wer in einem Anfall von Nostalgie nach dem „Kratze Büdche“ sucht: Auch das ist in dem Bronzemodell der Altstadt nachgebildet.

Der Andrang bei der Enthüllung des Modells war groß und hatte unerwartete Folgen. An der Ampel in Höhe der Einmündung Marktstraße fuhr ein Lieferwagen auf einen bei Rot haltenden Kleinwagen auf. Offenbar hatte der Fahrer interessiert geschaut, was denn dort auf dem Bürgerstein für ein Trubel sei, und dabei das Fahrzeug vor ihm nicht mehr beachtet. Verletzt wurde niemand, aber der Sachschaden war erheblich.

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