Eschweiler - Brodelnde Mixtur aus de Hips, de Hops, de Wudka

Brodelnde Mixtur aus de Hips, de Hops, de Wudka

Von: ran
Letzte Aktualisierung:
Musik Schlagzeug
Da geht doch gleich „der Post ab“ und „der Stimmung durch die Decke“: Pawel Popolski verschmolz im Talbahnhof zu einer energetisch aufgeladenen Polka-Symbiose mit seinem Koffer-Schlagzeug, der sogenannten „Schießbude“, dem eindeutig wichtigsten Instrument in der Geschichte der Popmusik. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. „Das wissen der Wenigste?“ Na, keine falsche Bescheidenheit bitte! Inzwischen dürfte es sich auch bis in die hinterste Ecke der Musikwissenschaft herumgesprochen haben, dass die Geschichte der gesamten Popmusik umgeschrieben werden muss und das Epizentrum dieses Genres nirgendwo anders als im inzwischen weltberühmten zwölften Stock der übersichtlichen Plattenbausiedlung im polnischen Zabrze liegt, wo vor mehr als hundert Jahren Piotrek Popolski mit seinen Kompositionen die Grundlage für 128.000 spätere Top-Ten-Hits legte.

Um auch dem letzten Nichtwissenden diese unumstößliche Wahrheit mitzuteilen, hat sein Enkel Pawel Popolski nicht nur die Wohnzimmereinrichtung, sondern auch sein Kofferschlagzeug, eine sogenannte „Schießbude“, ein Piano sowie unzählige Flaschen mit feinstem polnischen (natürlich schwarzgebranntem) „Wudka“ eingepackt und sich auf den Weg von Zabrze aus in die Welt gemacht.

Am Dienstagabend gastierte das Schlagzeuggenie in der „Polka-City“ of Eschweiler auf der Bühne der wunderschönen Mehrzweckhalle Talbahnhof und teilte den elektrisierten Zuschauern und -hörern zu Ehren seines Opas unerhörte Geschichten mit. Was hatte die Geburt von Piotrek Popolski eigentlich mit Literaturnobelpreisträger Günter Grass zu tun? Wie entstand der Welthit „Living next door to Elvis“? Und warum existiert eigentlich „der bekloppste Fis“?

Doch zuallererst hieß es natürlich zu kontrollieren, ob Regel eins für einen außergewöhnlich gelungenen (also gewöhnlichen) „Popolski-Abend“ bereits im Vorfeld umgesetzt worden war. „Das Publikum hat hackedicht zu sein und ich bin absolut verblufft´, wie fantastisch die erste Reihe ausgerüstet ist“, gab es Lob aus berufenem Munde, bevor Pawel Popolski neben dem technologischen Herzstück des Abends, einem Kassettenrecorder der polnischen Firma Sonytzki, seine „Schießbude“ als „heißes Geschoss“ vorführte.

Leider das einzige heiße Geschoss des Abends, denn „Kusinetschka“ Dorota hatte die „Polka-Grippe“ niedergestreckt, so dass ihr langersehnter Trip in die Polka-City of Eschweiler, wo die 14-malige Miss Zabrze definitiv den Mann fürs Leben gefunden hätte, ausfallen musste.

Sei’s drum! Pawel nutzte die Gelegenheit, um noch einmal kurz auf den 8. Januar 1888 zurückzublicken. Der Geburtstag von Piotrek Popolski, der an diesem Tag mit einer erstaunlich starken Stimme das Licht der Welt erblickt habe, die Tonleiter bis zum hohen C habe erklingen und so die eine oder andere Flasche „Wudka“ zerspringen lassen.

„Dieses Ereignis muss sich auch bis Danzig herumgesprochen haben. Denn Ähnlichkeit mit der Geschichte eines gewissen Oskar Matzerath, für die Günter Grass den Literaturnobelpreis erhielt, ohne in der Dankesrede meinen Opa Piotrek zu erwähnen, sind keinesfalls zufällig“, bemerkte Pawel nicht ganz unkritisch an.

Und erst der „bekloppste Fis“, vor dessen Nutzung Opa Piotrek immer gewarnt habe. „Ist immer irgendwie unschön, siehe Mefisto oder Fiskus.“ Einzige Ausnahmen seien die Filmmusiken zu den polnischen Horrorklassikern „Psychek“ und „Der beige Hai“.

Natürlich habe Großvater Piotrek aber auch Auslandsluft geschnuppert. Per Containerschiff, auf dem ein klein wenig „Wudka“ von Danzig in Richtung New York geschmuggelt worden sei, habe er sich auf den Weg in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten gemacht und während der Überfahrt in einem vollkommen abgedunkelten Raum die besten sechs Wochen seines Lebens verbracht.

In Übersee sei er dann von Cousin Igor Popolski, dessen Sohn später als Iggy Pop eine gewisse Berühmtheit erlangt habe, empfangen und in dessen Polkamusikschule eingeladen worden, wo ihm ein junges Talent mit einem erheblichen Frisurproblem über den Weg gelaufen sei. „Dem siebenjährigen Jungen mit Vornamen Elvis hat mein Opa dann eine tolle Tolle verpasst und ihm einige Lieder, darunter ´Lovermetender´, hinterlassen.“

Dafür sei Elvis derart dankbar gewesen, dass er Piotrek zu dessen 88. Geburtstag einen Besuch in der Plattenbausiedlung in Zabrze abgestattet und ernsthaft darüber nachgedacht habe, gegenüber einzuziehen. Opas Song dazu: „Living next door to Elvis!“

Generell müsse aber gesagt werden, dass die Kompositionen von Piotrek Popolski insgesamt „nach der Strich und der Faden verhunzet“ worden seien. „Ich behaupte, dass ein gewisser Michael Jackson gar nicht kapiert hat, dass das Hauptthema des von ihm abgekupferten Songs Billige Jeans´ die von meinem Opa heiß geliebte Cordhose ist“, wagte sich Enkel Pawel weit aus dem Fenster, bevor er noch kurz die Entstehungsgeschichte der von seinem Großvater erfundenen „Raps-Musik“ unter dem Jubel der Fans auch an der Schießbude bildlich und klanglich darstellte.

Wie weit verzweigt aber die Verwandtschaftsverhältnisse der Familie Popolski sind, wurde erst während der Zugabe deutlich, als die bisher noch kaum in Erscheinung getretenen „Trommelheroen“ Burkhard und Sven Popolski von Pawel aus der ersten beziehungsweise der letzten Publikumsreihe auf die Bühne geholt wurden, wo sie unter dem lautstarken Applaus ihrer Zuhörer die „Schießbude“ mehr oder weniger „in der Grund und der Boden“ kloppten. Für alle drei Schlagzeugvirtuosen des Abends galt: „I´ve got the Polka“. Der wissen eigentlich alle!

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