Eschweiler - Britin Ellen Muriel bringt Flüchtlingshilfe auf die Bühne

Britin Ellen Muriel bringt Flüchtlingshilfe auf die Bühne

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Führt ihr Solo-Theaterstück auf: Die Schauspielerin Ellen Muriel (23) in der Bischöflichen Liebfrauenschule. Foto: Annika Thee

Eschweiler. In der Kapelle der Bischöflichen Liebfrauenschule ist es still. Die Englischkurse der Oberstufe hören der jungen Schauspielerin Ellen Muriel (23) gebannt zu. In Latzhose und barfuß führt die Engländerin mit wenigen Requisiten ihr Solo-Theaterstück auf, in dem sie zwischen Monologen, Schattenspiel, Gesang, Puppenspiel und Erzählungen abwechselt.

Das selbst geschriebene Theaterstück „You, me and the distance between us“ veranschaulicht das Leben von Flüchtlingen und Helfern (sogenannten „Volunteers“) in Lagern wie Calais und Idomeni und beschreibt die Erfahrungen als Helferin vor Ort.

Auf ihrer Tournee durch Großbritannien, Deutschland, Dänemark und die Tschechische Republik führt die 23-Jährige das Stück auch in zehn Schulen und Fachhochschulen der Region auf. Für Muriel sei die Vorführung in Eschweiler etwas ganz Besonderes, da das Publikum so jung sei und sie sich besonders über die Rückmeldung der Schüler freue.

Für die Zuschauer ist das Stück schwere Kost, denn es erzählt von den grausamen Erfahrungen der Geflüchteten in ihren Heimatländern, von getöteten oder ertrunkenen Menschen, von ISIS, Menschenschmugglern und ständigem Ausharren an geschlossenen Grenzen, aber auch von der nicht schwinden wollenden Hoffnung auf eine besser Zukunft. Gleichwohl schafft es die junge Engländerin trotz aller Tragik auch immer wieder, lustige und selbstironische Momente ins Stück einzubauen.

Ein wichtiger Aspekt, den Muriel mit ihrem Stück den Zuschauern vermitteln möchte, sei die Verschiedenheit der Geflüchteten und der Helfer in den Flüchtlingslagern. „Jeder Geflüchtete hat seine eigene Geschichte und nicht jeder Volonteer leistet vor Ort auch wirklich konstruktive Hilfe. Es ist nicht alles schwarz und weiß, sondern kompliziert“, betont sie.

Die junge Frau aus Brighton beschloss nach ihrem Theater-Studium, im Oktober 2015 nach Lesbos aufzubrechen, um den dort angekommenen Flüchtlingen zu helfen. Für Heimweh sei keine Zeit geblieben, und auch als sie sechs Monate später in ihr Elternhaus zurückkehrte, habe sie die heile Welt dort kaum ertragen. Die Schauspielerin habe dann beschlossen, wieder aufzubrechen und in dem Flüchtlingscamp von Calais zu helfen.

Danach gründete sie mit vier weiteren Freiwilligen die Bewegung „SolidariTea“. Mit einem Campingwagen fuhren sie von Deutschland aus entlang der Balkanroute über Idomeni bis nach Thessaloniki. Sie hielten an verschiedenen Flüchtlingscamps und verteilten heißen Tee an kalten Tagen

„Schließlich, nach Monaten in den Camps und ohne Pause war ich ausgebrannt und musste wieder nach Hause. Ich war gezwungen, mich mit den gemachten Erfahrungen auseinanderzusetzen“, gestand die Schauspielerin. Allerdings sei es ihr schwer gefallen, ihre Erlebnisse mit Freunden und Familie zu teilen, weshalb sie das Theaterstück schrieb. In nächster Zukunft werde Ellen Muriel die Camps nicht mehr besuchen.

„Für unabhängige freiwillige Helfer gibt es so gut wie keinen Platz mehr, da die großen und professionellen Hilfsorganisationen die Leitung der Flüchtlingslager übernommen haben“, sagt Muriel. „Das ist einerseits gut, weil alles systematischer abläuft. Andererseits fehlt aber das Herzblut, das die freiwilligen Helfer mitbringen, sowie das Verständnis für die individuellen Bedürfnisse verschiedener Flüchtlinge“, erklärt die junge Engländerin den aufmerksamen Schülern.

Nach ihrer Theater-Tournee möchte Ellen Muriel nach Dresden ziehen und dort Theater-Workshops für Geflüchtete anbieten. Denn auch, wenn es die Flüchtlinge nach Europa geschafft hätten, stünden sie vor großen Herausforderungen wie Arbeitslosigkeit und gesellschaftlicher Isolation. Das nächste Projekt von Muriel soll das Leben der Geflüchteten in Deutschland behandeln und die Spannung zwischen Integration und Wahrung der eigenen Identität widerspiegeln.

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