Brigitte Liepe hilft der Feuerwehr als Reptilien-Expertin

Von: Annika Thee
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Die Hobby-Züchterin Brigitte Liepe (52) mit ihren ausgewachsenen roten Regenbogenboas und dem handzahmen Nachwuchs. Foto: Brigitte Liepe
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Die rote Regenbogenboa von Brigitte Liepe ist 1,80m lang und hat vor vier Monaten 17 Junge zur Welt gebracht. Foto: Annika Thee

Eschweiler. Brigitte Liepe (52) ist ein wandelndes Lexikon, wenn es um Schlangen und andere Reptilien geht. Seit Jahrzehnten hält sie Schlangen als Haustiere in selbstgebauten Terrarien. Bei ihr zu Hause teilen sich diverse Schlangen ein Haus mit zwei Dackeln, einer Katze, zwei Kois, sechs Wasserschildkröten und einem 23-jährigen Karpfen.

Die meisten tierischen Bewohner haben bei der Eschweilerin ein neues Zuhause gefunden, weil ihnen sonst das Tierheim drohte oder sie ausgesetzt werden sollten. Die Schlangen nehmen allerdings einen besonderen Platz im Herzen und im Haus der Reptilien-Expertin ein.

Die ersten Schlangen kaufte sich Brigitte Liepe bereits vor über 30 Jahren. Sie sei schon damals von diesen ganz speziellen Reptilien fasziniert gewesen. Zu Beginn kaufte sie sich zwei Kornnattern, eine Art, die besonders pflegeleicht und unkompliziert zu halten sei. „Das sind quasi die Meerschweinchen unter den Schlangen“, scherzt Liepe.

Bis heute hat die Tierliebhaberin viele verschiedene Arten von Schlangen gehalten, die auch von Zeit zu Zeit Jungtiere bekommen haben.

Nachwuchs gab es im Hause Liepe erst vor ein paar Monaten wieder: Die rote Regenbogenboa hat nach einer ungewöhnlich langen Tragzeit von 7 Monaten 17 Jungtiere zur Welt gebracht. Das Besondere dabei: Boas sind eine der wenigen Schlangenarten, die keine Eier legen, sondern lebendgebären.

Der Nachwuchs ist bereits im Alter von vier Monaten 60 Zentimeter groß und frisst einmal pro Woche ein tiefgefrorenes Ratten- oder Mäusebaby. Die Hobbyzüchterin lege viel Wert darauf, dass die neuen Besitzer verantwortungsvoll mit den Tieren umgehen und alle Regularien wie Haltungsgenehmigungen und Herkunftsnachweise eingehalten würden.

Zudem müssten die neuen Halter bereits über Fachkenntnisse im Umgang mit Schlangen verfügen und mit den Bedürfnissen der Tiere vertraut sein. Denn: jedes Reptil benötige andere Nahrung. „Einige Schlangen fressen überwiegend Insekten, andere Mäuse oder Ratten, wieder andere sogar junge Kaninchen“ erklärt die Schlangen-Expertin.

Das Terrarium müsse mit Belüftung und Temperaturregler richtig ausgestattet sein und regelmäßig gesäubert werden. Außerdem müssen die Terrarien über Heizmatten und ein Wasserbecken verfügen, die es den Schlangen erleichtern, sich regelmäßig zu häuten.

„Schlangen sind weder Kuscheltiere noch Statussymbole“, stellt die Reptilienkennerin klar. Besonders die bei Schlangenliebhabern häufig anzutreffende, angriffslustige Teppichpython, die eine Länge bis zu zwei Metern erreichen kann, sowie alle Würgeschlangen wie Boas, Phythons und Anakondas, die länger als 2,50 Meter sind, können für Säuglinge oder Kleinkinder lebensgefährlich sein. „Diese Schlangen können durchaus als Waffe eingesetzt werden“, mahnt Brigitte Liepe.

Für Giftschlangen und andere gefährliche Arten brauche man deshalb einen Sachkundenachweis. Gefährlich sei auch, dass auf großen Börsen die Auflagen teils sehr locker gehandhabt würden, so dass nicht alle Tiere amtlich gemeldet oder Sachkundenachweise verlangt würden. „Wenn solch eine Schlange mal aus einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus ausbüxt, kann das sehr gefährlich werden“, kritisiert Liepe scharf.

Gefahr für Kinder

Dies gelte besonders für Würgeschlangen ab drei Metern Länge, für Giftschlagen und für Trugnattern. Das Gift von letzterer sei weniger stark, als das von Giftschlangen, könne aber ebenfalls für Kleinkinder äußerst gefährlich sein. Die Schlangen-Expertin warnt, dass die Tiere bis zu ein Jahr lang ohne Futter auskommen könnten, indem sie ihren Stoffwechsel runterfahren. „Wenn eine Schlange einmal entflohen ist, löst sich das Problem also nicht von selber. Von ihnen kann häufig eine Gefahr für die Bürger ausgehen“.

Dank ihrer besonderen Expertise und des breiten Wissens über Reptilien, das sich die 52-Jährige über viele Jahre hinweg theoretisch und praktisch angeeignet hat, arbeitet sie eng mit der Eschweiler und der Stolberger Feuerwehr zusammen. Beim Fund eines Reptils in der Stadt wird Brigitte Liepe sofort verständigt, um das Tier zu bestimmen und dann fachmännisch einzufangen.

„Geschützte Arten“

„Wenn es sich bei den Fundtieren um geschützte Arten handelt, wie beispielsweise der Ringelnatter, fange ich die Schlangen ein und setzte sie wieder in der Natur aus“. Wenn es sich um andere Reptilien handele, nehme die Schlangen-Liebhaberin die Tiere auf, setzte sie bei sich zu Hause in ein Quarantäne-Becken und suche für die Tiere später neue fachkundige Besitzer, wenn sich die bisherigen Eigentümer nicht melden würden. Bei meldepflichtigen Tieren arbeite die Schlangen-Expertin eng mit den zuständigen Ämtern zusammen. Für solche Fälle, in denen Brigitte Liepe ein gefundenes Tier mit zu sich nach Hause nimmt, steht im Haus der Schlangenkennerin immer ein leeres Terrarium bereit.

Bisher habe die Eschweilerin bereits unzählige Schlangen, aber auch schwarze und grüne Leguane bei sich beherbergt, sowie eine Bartagame die kurz nach ihrem Einzug Nachwuchs bekam. Eins steht fest: Im Haus von Brigitte Liepe wird es so schnell nicht langweilig.

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