„Breedmuhl van Bersch“: Stefanie Bücher unterhält die Jecken

Von: Tobias Röber
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Stefanie Bücher, an den KArnevalstagen oft als „Breedmuhl van Bersch“ unterwegs, gibt einen Einblick in ihre Erlebnisse als Büttenrednerin. Foto: Thomas Weiland, Tobias Röber

Eschweiler. Derzeit heißt es für Stefanie Bücher: arbeiten, umziehen und ab auf die Bühne. Die 36-Jährige ist seit vier Jahren als „Breedmuhl van Bersch“ auch auf den Karnevalsbühnen Eschweilers und der Umgebung zu Hause. Im Interview verrät sie, wie sie zu diesem Hobby überhaupt gekommen ist und dass sie unmittelbar vor einem Auftritt auch schon aufgefordert wurde, mal nach den Klos zu schauen.

 

Wie haben Sie sich denn mit dem „Virus Karneval“ infiziert?

Bücher: Ich wurde da rein geboren. Mein Opa ist seit mehr als 50 Jahren im Ehrenrat der Nothberger Burgwache, mein Onkel war 30 Jahre lang Jugendleiter. Ich war in Tanzgruppen aktiv und stets bei der Kinderhitparade der Nothberger Burgwache dabei. Mein großes Vorbild war übrigens Marie-Luise Nikuta. Ein Leben ohne Karneval kenne ich gar nicht. Ich bin mit den drei „K“s aufgewachsen.

Drei „K“s?

Bücher: Kirche, Karneval, Kirmes waren von Anfang an feste Bestandteile meines Lebens. Mit Kirmes meine ich das Schützenfest, das ich als Kind immer besucht habe. Bei den Schützen bin ich nach wie vor inaktives Mitglied. In unserer Pfarre habe ich den Firmunterricht übernommen, heute bin ich im Sachausschuss „Jugend in Nothberg“ tätig.

Gab es nie den Gedanken: „Mit Karneval möchte ich nichts zu tun haben?“

Bücher: Wenn aus dem Plisseerock ein Faltenrock wird, möchte man vielleicht nicht mehr unbedingt Uniform tragen. Dennoch kam für mich nie in Frage, dem Karneval den Rücken zuzukehren. Ich kann mir auch nicht vorstellen, in der Karnevalszeit in Urlaub zu fahren.

Was war Ihr erstes Kostüm? Vielleicht ein Klassiker wie Prinzessin?

Bücher: Das habe ich noch genau vor Augen: Hawaiimädchen. Ich war nicht so der Prinzessinnentyp. Mir haben auch Barbies nicht so viel Freude bereitet.

Inzwischen stehen Sie regelmäßig als „Breedmuhl van Bersch“ in der Bütt. So lange sind Sie noch gar nicht aktiv. Wie kam‘s zu dieser Karriere?

Bücher: Ich hatte vor vier Jahren quasi meinen ersten Auftritt. Mein Opa hat seinen 80. Geburtstag gefeiert und ich habe eine Rede gehalten. Das habe ich hin und wieder mal bei Familienfesten getan. Anschließend habe ich den Satz zu hören bekommen: „Du wörs jett für in de Bütt ze jonn.“ Als Alfred Wings Prinz war, habe ich mit ihm telefoniert und mich erkundigt, wie es so ist, in der Bütt zu stehen. Kurz danach hatte ich dann einen Auftritt bei den Mullejaanen. Dort werden neue Redner vorgestellt und sie können vor einem fachkundigen Publikum auftreten.

Hand aufs Herz: Wie nervös waren Sie vor dem Auftritt?

Bücher: Ich war nicht nervös. Für mich war das nett. Nach meiner Rede stand der ganz Saal auf. Da habe ich gemerkt, dass es nicht so schlecht war. Norbert Weiland hat mich dann gleich zur Proklamation von Prinz Christian I. und Zerm Frank eingeladen. Das war mein erster großer Auftritt.

Schreiben Sie die Reden komplett selbst?

Bücher: Ja, ich denke, das ist auch wichtig. Ich muss ja hinter dem stehen, was ich auf der Bühne erzähle.

Gibt‘s jedes Jahr eine neue Rede?

Bücher: Ja, das muss sein. Man muss dem Publikum etwas bieten.

Machen Sie dann überhaupt mal Karnevalspause?

Bücher: Im Grunde gilt der Satz: Nach dem Karneval ist vor dem Karneval. Gut, direkt nach den närrischen Tagen mache ich eine kleine Pause, aber immer, wenn mir etwas einfällt, schreibe ich es auf einen Zettel.

Erklären Sie uns mal die „Breedmuhl van Bersch“.

Bücher: Ich verkörpere auf der Bühne die Dorftratsche, die immer da ist, wo sie nicht sein soll.

Testen Sie Ihre Witze vor der Familie und Freunden?

Bücher: Auch. Mein Büttenpate ist Alfred Wings und mit ihm bespreche ich meine Ideen. Außerdem gehe ich zur Rednerschule, die unter anderem von Michael Henkel geleitet wird.

Was muss ein guter Büttenredner mitbringen?

Bücher: Man muss auf jeden Fall authentisch sein. Das Publikum nimmt einem die Rolle sonst nicht ab.

Muss eine Büttenrede in Platt gehalten werden?

Bücher: Ich denke schon. Vieles ist sonst gar nicht so lustig.

An welche kuriosen Erlebnisse erinnern Sie sich besonders?

Bücher: (lacht) Ich kann mich noch gut an einen Elferrat erinnern, der plötzlich laut hinter mir anfing zu diskutieren, ob die Currywurst mit Fritten mit oder ohne Majo bestellt werden.

Und wie haben Sie reagiert?

Bücher: Ich habe mich rumgedreht und gesagt: „Ich tät se mit Majo nehmen.“

Was machen Sie, wenn Sie einen Blackout haben?

Bücher: Man lernt, wie man sich Brücken baut, beispielsweise etwas aus einer alten Rede erzählt, um wieder reinzukommen.

Sind Ihnen Auftritte besonders im Gedächtnis geblieben?

Bücher: Ich bin in Hehlrath bei der letzten Damensitzung überhaupt aufgetreten. Das ist schon ein besonderer Moment. Oder wenn ich in Altenheimen oder vor Menschen mit Handicap auftrete, geht das schon unter die Haut. Wenn dann beim Ausmarsch 200 Leute aufstehen und mir die Hand schütteln wollen, kann ich nicht einfach gehen. Das ist sehr emotional. In einem Altenheim hatte ich auch mal ein lustiges Erlebnis.

Das müssen Sie erzählen...

Bücher: Teil meiner Rede war die Wallfahrt in Nothberg und ich habe erzählt, dass viele Menschen nur an der Wallfahrt teilnehmen, weil sie dann in den Genuss der Prummetaat kommen. Plötzlich stand eine Frau auf und schrie laut: „Dat stimmt, wat die sacht.“ Sie war aus Nothberg, ich hatte sie nur vorher nicht gesehen. Ein anderes Mal stand ich vor einem Auftritt zum Einmarsch bereit vor dem Saal. Plötzlich kam eine Frau und sagte: „So weit ist es schon gekommen. Gucken Sie doch lieber mal nach den Klos.“

Stichwort Prummetaat. Sie vermitteln in VHS-Kursen Kindern auch Eischwiele Platt. Wie sind Sie dazu gekommen?

Bücher: Die Kurse finden in Kooperation mit dem Eschweiler Geschichtsverein statt, dessen Arbeitskreis Mundart übrigens in diesem Jahr 40 Jahre alt wird. Leo Braun hat mich damals angesprochen und ich musste nicht lange nachdenken.

Wie wichtig sind Ihnen diese Kurse?

Bücher: Ich finde das sehr wichtig. Ich bin im Dorf aufgewachsen und da wurde viel Platt gesprochen. In Arbeitskreisen etwa war das ganz normal. Ich erlebe aber immer öfter, dass unsere Sprache verloren geht. Es gibt ja durchaus den Satz, den Kinder zu hören bekommen: „Sprich die schöne Sprache.“ Und damit ist dann nicht der Dialekt gemeint. In meiner Generation spricht längst nicht jeder Platt. Ich erkenne aber auch ein Umdenken.

Inwiefern?

Bücher: Gerade Leute in meinem Alter ermutigen mich, sagen mir, dass sie es gut finden und dass das Platt nicht verloren gehen darf.

Was bringen Sie den Kindern bei?

Bücher: Sie sollen in erster Linie Wörter in Platt lernen und es kommt auch vor, dass die Kinder ihr frisch erworbenes Wissen testen, indem sie etwa in die Bäckerei gehen und sagen: „Isch hätt jern zehn Knüppele.“

Bekommen die Kinder dann auch das, was sie gerne möchten?

Bücher: Es gibt durchaus Verkäuferinnen, die nicht direkt wissen, was die Kinder möchten. Aber die Übersetzung von Kollegen „Der Jung will e paar Brütchere han“ hilft dann natürlich weiter. Aber zurück zu den Kursen. Die Kinder lernen auch Redensarten wie „Mir jonn övver de Rennbahn.“ Das kennen die meisten ja gar nicht mehr.

Haben Sie ein Lieblingswort in Eischwiele Platt?

Bücher: So richtig nicht. Aber Prummetaat oder Schwazze Flaam sind schon schöne Wörter.

Haben Sie Vorbilder?

Bücher: Als Kind fand ich das Süper-Duett immer toll. Ansonsten habe ich keine Vorbilder.

Wo würden Sie gerne mal in die Bütt gehen?

Bücher: Ich muss sagen, als Eschweiler bei der Prinzenproklamation aufzutreten, hat schon einen sehr hohen Stellenwert. Generell habe ich keine Ziele, wo ich mal auftreten möchte. Ich will mich als Büttenrednerin erstmal etablieren.

Gibt es ausreichend Nachwuchs für die Bütt?

Bücher: Neue Redner tauchen immer wieder mal auf, aber ich wünsche mir, dass mehr Frauen darunter sind. Wenn ich zu Auftritten fahre, treffe ich meistens auf Männer. Ich bin da in eine Männerdomäne gerutscht.

Woran liegt das?

Bücher: Schwer zu sagen. Vielleicht fehlt einigen der Mut...

Das ist das Gegenteil zu Ihrem Beruf als Erzieherin, in dem fast ausschließlich Frauen tätig sind. Wünschen Sie sich da mehr Männer?

Bücher: Das wäre in jedem Fall wünschenswert.

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