Eschweiler - Botschafter Vilovic besucht den „Donnerberger Gesprächskreis“

Botschafter Vilovic besucht den „Donnerberger Gesprächskreis“

Von: ran
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 Ranko Vilovic
Sieht in der Europäischen Union vor allem eine Wertegemeinschaft: Ranko Vilovic, Botschafter Kroatiens. Er forderte in seiner Rede beim Donnerberger Gesprächskreis jedoch die Politiker auf, das Gefühl zahlreicher Menschen, keinen Einfluss auf die Entscheidungen in Brüssel zu haben, ernst zu nehmen. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Gut zwei Wochen ist es nun her, dass sich eine knappe Mehrheit der britischen Bevölkerung, beziehungsweise der Menschen, die den Weg an die Wahlurne fanden, dafür aussprach, der Europäischen Union den Rücken zu kehren. Das Kunstwort „Brexit“ ist also weiterhin in aller Munde.

Am Donnerstag war nun auf Einladung des Europavereins „Gesellschaftspolitische Bildungsgemeinschaft“ (GPB) mit dem außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter Ranko Vilovic ein hochrangiger Vertreter eines Landes beim „Donnerberger Gesprächskreis“ im vollbesetzten Offizierheim der Donnerberg-Kaserne zu Gast, das vor drei Jahren den umgekehrten Weg beschritt und der Gemeinschaft beitrat: Kroatien ist seit dem 1. Juli 2013 das 28. Mitglied der Europäischen Union.

Gemeinschaft der Werte

Und der Großteil der Bevölkerung sei nach wie vor stolz darauf, nun einer Gemeinschaft anzugehören, die für Frieden, Prosperität, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit stehe, so der Diplomat. „Die Europäische Union darf keinesfalls nur als eine Wirtschaftsvereinigung verstanden werden, sondern als eine Gemeinschaft der Werte, in der die Bürger das wichtigste Element darstellen“, so der Botschafter zu Beginn seines Vortrags.

Diese Werte würden aktuell durch Vertreter politischer Strömungen in Frage gestellt, die die konkret vorhandenen Krisen (Flüchtlinge, Griechenland, Euro, Brexit) nutzen wollten, um eigene Ziele zu verwirklichen.

Doch die vor einigen Jahren durchgeführten Referenden in den Niederlanden und Frankreich hätten ebenfalls Krisen ausgelöst, die vor allem durch den Dialog gelöst worden seien.

„Krisen innerhalb der EU hat es immer gegeben. Aus jeder Krise ist die EU bisher gestärkt herausgegangen. Allerdings ist es unabdingbar, dass die europäischen Politiker das Gefühl zahlreicher Menschen, keinen Einfluss zu haben auf die Entscheidungen, die in Brüssel und Straßburg getroffen werden, sehr ernst nehmen“, so die Forderung von Ranko Vilovic.

In seinem Land, in dem vor 25 Jahren 94 Prozent der Kroaten für die Unabhängigkeit stimmten, sei bereits damals der Wille, „ein Teil Europas zu sein“, parteiübergreifend vorhanden gewesen. Ein Wille, der 2001 mit der Bewerbung zur EU-Mitgliedschaft zum Ausdruck gebracht und 2013 mit dem Beitritt vollzogen worden sei.

„Und wie sind Europa und die EU in der Bevölkerung angenommen worden?“, lautete eine von zahlreichen Fragen aus dem Plenum. „Beim Referendum im Jahr 2012 stimmten 66 Prozent der Wahlteilnehmer für den Beitritt. Diese Zahl hat sich kaum verändert“, antwortete der 59-jährige, der seit September 2013 sein Land in Berlin vertritt.

Beitritt realistisch bewertet

In anderen neuen Mitgliedsstaaten verspürten größere Teile der Bevölkerung nach wenigen Jahren der Mitgliedschaft Enttäuschung, da die Erwartungen zu hoch seien. Die Kroaten hätten den Beitritt dagegen realistisch bewertet.

„Das ehemalige Jugoslawien war zwar sozialistisch, befand sich aber niemals hinter dem Eisernen Vorhang.Deshalb können Kroaten seit mehr als 50 Jahren auch in Deutschland tätig sein. Sie wissen, dass man hier sehr gut leben kann, wenn man hart genug dafür arbeitet. Und sie sind sich auch darüber bewusst, dass die Resultate des EU-Beitritts Schritt für Schritt sichtbar werden“, begründete Ranko Vilovic den nach wie vor mehrheitlich positiven Blick seiner Landsleute.

In gesellschaftlicher Hinsicht sei Kroatien nun fester Bestandteil einer Wertegemeinschaft, wirtschaftlich kämen Kroatien Fördermittel zugute, die sowohl die Industrie als auch die Infrastruktur stärkten, vor allem aber Bildung und Wissenschaft voranbrächten.

Dennoch seien Probleme vorhanden, vor denen niemand die Augen verschließen dürfe: „Die Arbeitslosigkeit sinkt zwar, tut dies aber nur langsam und liegt im Bereich der jungen Menschen bei über 30 Prozent nach wie vor inakzeptabel hoch!“

Auch der Verlust von 50.000 Menschen, die im Jahr 2015 ausgewandert seien, tue weh. „Unsere gut ausgebildeten jungen Menschen finden leicht gut bezahlte Arbeitsplätze in West-Europa. Doch gerade diese Bevölkerungsgruppe benötigen wir, um Kroatien voranzubringen“, verdeutlichte der Botschafter.

Der richtige Weg, die Lage zu verbessern, sei, die insgesamt positive wirtschaftliche Entwicklung zu beschleunigen. „Die beste Medizin dafür sind Investitionen unserer Partner, von denen beide Seiten profitieren. Kroatien hat nämlich viel zu bieten“, rührte der Diplomat abschließend noch einmal die Werbetrommel für sein Land und die Europäische Union.

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