Boden mit Schwermetall soll in Indeauen bleiben

Von: Patrick Nowicki
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Kostspieliges Nachspiel eines Unfalls: Inzwischen ist das Indegeländer erneuert, aber der mit Schwermetallen belastete Aushub lagert noch in einem Naturschutzgebiet. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Zunächst war von Pfusch am Bau die Rede, nun rufen die Hinterlassenschaften der Baustelle am Indeufer Umweltschützer auf den Plan. Was als einfache Erneuerung eines Geländers an der Inde gedacht war, entpuppte sich für den Wasserverband Eifel-Rur als kompliziertes und auch kostspieliges Unterfangen.

Noch immer sind nicht alle Probleme gelöst, denn das Material, das die Bauarbeiter im Frühjahr abtransportieren wollten, ist unter anderem mit Schwermetallen belastet. Eine endgültige Beseitigung in einer Deponie ist erst dann möglich, wenn es gesiebt wurde. Für viele Bürger unverständlich: Das Material lagert bis dahin mitten in einem Naturschutzgebiet in Nothberg.

Vor einigen Wochen erläuterte Franz-Josef Hoffmann vom Wasserverband Eifel-Rur das Problem in der Ratssitzung, nachdem die FDP nachgefragt hatte. Die Liberalen reagierten damit auf Hinweise von Bürgern, dass Material auf einer Wiese abgelagert worden sei. Hoffmann räumte ein, dass das Material belastet sei.

Eine Analyse habe ergeben, dass vor allem der Anteil an Schwermetallen sehr hoch sei, es aber auch organische Bestandteile enthalte. Diese Kombination erschwert eine Entsorgung laut Wasserverband deutlich. Die Deponie in Hürtgenwald-Horn würde zwar den Aushub mit den gemessenen Schwermetallwerten aufnehmen, allerdings muss die Weiterverwertung gesichert sein. Die sogenannten „Organikwerte“ verhindern jedoch eine Verarbeitung dort.

Sogenanntes Geschwemmsel

Das Umweltamt der Städteregion ist über die Vorgehensweise des Wasserverbands Eifel-Rur informiert. „Bei dem Aushubmaterial am Indeufer im Landschaftsschutzgebiet bei Nothberg handelt es sich um sogenanntes Geschwemmsel – Material, das im Rahmen von Gewässerinstandhaltungsmaßnahmen dem Indebett entnommen wurde“, teilt der Pressesprecher der Städteregion, Detlef Funken mit. Dem Umweltamt wurde die Bodenanalyse des Wasserverbandes vorgelegt.

Bedenken, dass kontaminierte Material in einem Naturschutzgebiet zwischenzulagern, hat das Umweltamt der Städteregion nicht. „Eine Auswaschung der Schwermetalle über zum Beispiel Niederschläge in den Untergrund und somit ins Grundwasser kann gemäß der vorgelegten Analysen ausgeschlossen werden“, sagt Funken. „Eluatuntersuchungen“ haben gezeigt, dass das Material nicht abgedeckt oder umgelagert werden muss.

Noch nicht klar ist hingegen, wie weiter damit verfahren wird. „Aufgrund des hohen organischen Anteils ist eine Deponierung nahezu ausgeschlossen“, teilt die Städteregion mit. Zur Klärung der Frage, inwieweit das Geschwemmsel auf den Flächen der benachbarten und seinerzeit umgestalteten und mit Schwermetallen belasteten Indeaue bleiben könne, habe Ende Mai ein Termin vor Ort mit dem Wasserverband und dem Umweltamt der Städteregion stattgefunden.

„Dabei wurde zunächst vereinbart, dass die Zuwegung zur derzeitigen temporären Ablagerung mittels Poller oder Wasserbausteine zu unterbinden ist“, heißt es. Darüber hinaus sei eine Siebung des Materials erforderlich. Die Fremdbestandteile wie Plastik, Holzreste und mehr müssen dann entsorgt werden. „Für das restliche Bodenmaterial ist seitens des WVER eine Erlaubnis zur Umlagerung beim Umweltamt der Städteregion Aachen zu beantragen“, sagt Funken.

Dieser Antrag liegt derzeit zur Prüfung vor. Es ist wahrscheinlich, dass das Material in den Indeauen bleiben kann. Funken hierzu: „Vorbehaltlich der derzeitigen Prüfung des vorgelegten Antrags ist eine Umlagerung grundsätzlich möglich, da das umzulagernde Material die gleiche Vorbelastung aufweist, wie das seinerzeit dort im Rahmen der Renaturierung aufgeschüttete Bodenmaterial.“ Damit werde dem sogenannten Verschlechterungsverbot der Bundesbodenschutzverordnung Rechnung getragen. Funken rechnet damit, dass die Angelegenheit unmittelbar nach den Sommerferien abgeschlossen ist.

Genaue Untersuchungen

Zwischen der Brücke Bergrather Straße und dem Eschweiler Schlachthof war das Geländer nach einem Unfall defekt. Die Reparatur stellte sich allerdings als schwierig heraus. Laut Wasserverband habe man nach genaueren Untersuchungen festgestellt, dass die Metallkonstruktion beim Bau im Jahr 1968 nicht ordnungsgemäß befestigt worden sei. Man habe sie nicht in den Beton eingelassen, sondern sei in Mörtel gesetzt.

„Dies ist natürlich nicht vorschriftsmäßig“, schilderte Hoffmann. In den Plänen sei dies nicht zu erkennen gewesen. Bei den Untersuchungen habe man auch bemerkt, dass das Gelände in der Vergangenheit mehrfach geflickt worden war. „Es muss schon vorher Unfälle dort gegeben haben“, meinte Hoffmann vor dem Beginn der Bauarbeiten.

Rechenspiele sind egal

Eine einfache Reparatur war damit nicht mehr möglich: 245.000 Euro sollen die Arbeiten kosten, das Geländer auf einer Länge von 240 Meter zu erneuern. Allerdings ist in der Kalkulation noch nicht die Entsorgung des schwermetallbelasteten Aushubs enthalten.

Dem Autofahrer, der mit dem Unfall erst die Sanierung des Geländers in Gang gesetzt hat, können diese Rechenspiele egal sein. Hoffmann kündigte bereits im Mai an, dass auf einen Anspruch der Versicherung des Fahrzeugführers verzichtet werde. Die Begründung: Die Verankerung des Ufergeländers habe auf der ganzen Länge nicht den gültigen DIN-Normen entsprochen.

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