Blutendes Pferd entsetzt Zug-Zuschauer

Von: Rudolf Müller
Letzte Aktualisierung:
blutendes Pferd
Mit blutendem Maul im Rosenmontagszug: Der Anblick dieses verletzten Pferdes sorgte bei zahlreichen Zuschauern für Empörung. Viele fordern jetzt ein Verbot von Pferden im Umzug. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Dass das Tier Schmerzen litt, war unübersehbar. Immer wieder warf der Schimmel den Kopf zur Seite, zog ihn fast bis zum Boden, während sein Maul an der rechten Seite, da, wo die Trense anliegt, blutete. Dennoch musste das verletzte Pferd den gesamten Rosenmontagszugweg hinter sich bringen. Niemand sah es als erforderlich an, das Tier zu schonen.

Nicht wenige Zuschauer entlang der kilometerlangen Zugstrecke sahen das mit Entsetzen. Und etliche von ihnen machen der Karnevalsgesellschaft Onjekauchde, in deren Reihen die Reitergruppe unterwegs war, heftige Vorwürfe. Der Vorstand der KG allerdings bekam auf seinem Wagen von den Geschehnissen gar nichts mit, erfuhr erst nach dem Umzug davon.

Komitee-Präsident Norbert Weiland gesteht ein: Das verletzte Tier hätte aus dem Zug genommen werden müssen. Auch wenn der Halter des Tieres die Verletzung als eher harmlos darstellt: „Kurz nach Beginn des Umzugs habe jemand dem Pferd eine Möhre gegeben, dabei habe das Tier sich auf die Lippe gebissen“, zitiert Weiland den Halter.

Dass das Mitführen von Pferden im Rosenmontagszug grundsätzlich an Tierquälerei grenze, kann Norbert Weiland nicht unterstreichen: „Als diese Diskussion vor Jahren zum ersten Mal aufkam, haben wir uns an das Veterinäramt des Kreises beziehungsweise der Städteregion gewandt und um eine Beurteilung gebeten. Damals wurde uns gesagt, man werde die Sache im Auge behalten. Wir haben nie irgendeine kritische Anmerkung des Veterinäramts erhalten. Ich weiß zudem, dass das Veterinäramt jahrelang kurz vor dem Umzug die Tiere gründlich untersucht hat. Beanstandungen hat es nie gegeben.“

Von Seiten des Komitees werde von jedem Reiter (in diesem fall handelte es sich um einer Reiterin) der Nachweis über eine bestimmte Anzahl von Reitstunden gefordert, und auch jeder Zügelführer, der im Zug neben dem Tier geht, müsse seine Befähigung nachweisen, das Pferd unter diesen besonderen Umständen führen zu können.

Die drei Gesellschaften, die mit Pferden im Zug unterwegs seien, gingen grundsätzlich sehr verantwortungsvoll mit den Tieren um: „Zu Beginn des Zug herrschte ein frischer Wind. Die Reiter waren sich einig, die Tiere nicht in den Zug zu bringen, sollte der Wind weiter auffrischen“, berichtet Weiland. Dennoch gibt es nun – auch angesichts der Unfälle mit Pferden in den Zügen von Köln und Bonn – nun wieder heftige Proteste gegen das Mitführen von Pferden am Rosenmontag.

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Melanie M. hat eine Petition ins Internet gestellt, gerichtet an das Veterinäramt der Städteregion und die Stadtverwaltung Eschweiler: „Die Vorfälle in Köln und anderen Städten sprechen Bände. Doch leider bot sich auch hier in Eschweiler ein schreckliches Bild. Ein Pferd blutete bereits am Anfang des Zuges aus dem Maul und lahmte auch. Dennoch hielt es der Reiter/Besitzer nicht für nötig, zu handeln und das Pferd aus der Situation herauszunehmen. Bis zum Ende des Zuges ist das Pferd mitgelaufen. Das wollen wir 2018 nicht mehr sehen und den Pferden zumuten! Karneval ist ein Fest der Freude, nicht des Leids.“ Binnen weniger Stunden hatten am Dienstag schon über tausend Menschen die Petition unterschrieben.

„Ich finde es sinnlos, dass Tiere an solchen Veranstaltungen teilnehmen“, kommentiert Jessica Richter. „Pferde haben im Rosenmontagszug nix zu suchen!!“, schreibt Anja Schröder. „Habe das Leid selber gesehen; es ist schrecklich, und ich habe mich echt hilflos gefühlt, nicht direkt helfen zu können!“, fügt Michelle Münchberg an, und Ruth Delhey schreibt: „Sedierte Pferde, die meist von Anfängern geritten werden, ist das schaurige Bild in den Karnevalszügen! Wer braucht das? Tiere haben für mich generell in Festumzügen nichts verloren!“ Annika Neuss schreibt, „dass viele Reiter noch nicht mal ihr eigenes Pferd nehmen, weil es zu schade dafür ist. Sie bekommen zum Teil Pferde, für die es der letzte Weg vor dem Schlachter ist.“

„Das ist purer Stress für die armen Tiere. Ich bin schockiert über diese Bilder und Nachrichten“, kommentiert Daniela Keller, und Luisa Katharina betont: „Mir liegt das Wohl der Tiere mehr am Herzen, als dass die Tiere zur Belustigung des Menschen leiden!!! Wir sind der Meinung, dass wir auch ohne Pferde am Karneval glücklich sein können ! Kein Tier braucht für uns zu leiden !“

Die betroffene Karnevalsgesellschaft hat auf ihrer Facebook-Seite Stellung zu den Vorwürfen bezogen: „Liebe Tier- und Karnevalsfreunde. Zunächst noch mal vielen, vielen Dank für einen friedlichen Rosenmontagsumzug, bei doch noch fabelhaftem Wetter. Auch besonderer Dank ebenfalls an die aufmerksamen Tierfreunde, welche besorgt gesehen haben, dass eins unserer Pferde am Maul geblutet hat.

Das Pferd ist nach Rücksprache mit dem Reiter und dem Halter wohlauf! Die Blutung entstand nicht durch unsachgemäße Handhabung, sondern dadurch, dass sich das Pferd beim Kauen einer Möhre auf die Lippe gebissen hat! Während mehrfacher Kontrollen innerhalb des Zuges war die Teilnahme des Pferdes zu keinem Zeitpunkt gesundheitsgefährdend. Auch für Karnevalsfreunde steht die Gesundheit von Tieren an oberster Stelle!“

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