„Blues meets Rock“: Finne Ben Granfelt begeistert mit seiner Band

Von: psi
Letzte Aktualisierung:
13980332.jpg
Der finnische Gitarrist und Sänger Ben Granfelt und Bassist John „Groovemeister“ Vihervä unterhielten zusammen mit ihrem Schlagzeuger das Publikum im „Rio“ Foto: Santosi

Eschweiler. Ben Granfelt dürfte einigen Musikliebhabern als ehemaliges Mitglied der Leningrad Cowboys bekannt sein. Was ein paar Dutzend Livemusikfans am Dienstag abend im „Rio“ jedoch mit dem Bluesrock-Trio des singenden und gitarrespielenden Finnen sahen und hörten, war komplett jenseits des Parodie-Rocks der skurrilen Einhorn-Toupet-Legenden aus den 90er Jahren.

Das Publikum erlebte eine gut zweistündige Show mit eingängigen und teilweise radiotauglichen Songs dreier bestens aufgelegter Musiker.

Melodiös bis locker-flockig sind die in der Mehrzahl US-amerikanischen und britischen Bands bei „Blues meets Rock“ nur selten. Da stieß Granfelt wohltuend mit seinem Programm in eine recht unterhaltsame Lücke.

Bluestexte müssen auch nicht zwangsläufig aus der Liebeskummer- , Motorrad- und Whisky-Ecke kommen. In „Shine like the sun over me“, einem Song über einen verstorbenen Freund, zeigte Ben Granfelt, dass man auch mal ein transzendentes Thema mit interessanten Gitarrenlicks versehen kann. „Sonne“ sei überhaupt ein gutes Stichwort, erzählte Granfelt dem Publikum. Davon bekomme man in seiner finnischen Heimat sechs Monate im Jahr eher weniger zu sehen.

So wie auf der dreizehnstündigen Autofahrt, die das Trio soeben auf der Fahrt zwischen Budapest und Eschweiler zurückgelegt hatte. Trotz dieser Anstrengung rockten die drei Finnen am Dienstag mit klarem Klang, großer Wucht und viel Spielfreude. Da war zwischendurch auch mal Raum für eine Improvisation oder ein charmantes Gespräch mit dem Publikum.

So etwa über die Einflüsse des Bandleaders, der sich in der Tradition von Jeff Beck und anderen Gitarristen sieht. Ben Granfelt ließ viel Raum zwischen seinen Noten, erlaubte auch mal seinem Bassisten ein Solo an unerwarteter Stelle. Wie etwa im Zugabenteil mit „Little Wing“. John „Groovemeister“ Vihervä spielte ein außerordentlich einfühlsames Solo über den Hendrix-Klassiker mit seinem Rickenbacker-Bass. So etwas ist in der Regel eine Domäne eitler Frontmänner und vom Tieftöner der Band nur selten zu hören.

Was Ben Granfelt gar nicht mag, sind Musik-Puristen jeglicher Form. Ihn interessiere nun wirklich nicht, ob Jimi Hendrix an welchem Tag zu welcher Sekunde auf welchem Instrument welchen Ton gespielt habe, teilte er mit. Auch der Kategorisierungs- und Benennungs-Wahnsinn vor allem in der modernen Metal-Szene gehöre doch wohl eher in die sprachliche Slapstick-Abteilung. Für ihn gebe es prinzipiell nur zwei Sorten Musik: „Gute und Schlechte.“ Damit sei alles gesagt.

Ben Granfelt hat auch in der Zeit nach den Leningrad Cowboys seinen Sinn für Humor nicht verloren.

Wie um alles in der Welt kommt ein finnischer Gitarrist sonst dazu, einem mehrheitlich rheinischen Publikum mitten in der Karnevalszeit ein paar Takte des Klaus-und-Klaus-Hits „Klingelingeling, hier kommt der Eiermann“ vorzusingen? Skandinavische Musiker sind offensichtlich sensible und lustige Menschen. „Home“ intonierten die drei nordischen Bluesrocker als zweite Zugabe zum Abschluss ihres stark beklatschten Konzertes.

Und irgendwann mussten die Leute ja auch mal nach Hause gehen, selbst wenn viele Besucher gerne noch etwas mehr Musik gehört hätten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert