„Blues meets Rock“: Die Band „The XPerience“ spielt im Rio

Von: psi
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Vereint mindestens ein halbes Dutzend Sänger und Gitarristen in einer Person: Will Pütz, Frontmann von „The Xperience“. Foto: Santosi

Eschweiler. Das war mal ein ganz anderer Ansatz bei „Blues meets Rock“. Vor leider nicht ganz so gut gefülltem Haus spielten am Dienstagabend die regionalen Helden von „The Xperience“ im Rio in der Schnellengasse ihre über zweistündige Auswahl von Rock-Klassikern der vergangenen Jahrzehnte.

Will Pütz (Gesang, Gitarre), Dieter Mainz (Keyboards), Robbie Leinesser (Bass) und Olli Lutter (Schlagzeug) verstehen sich zwar selbst nicht als „reine Coverband“, belegen aber mit ihrer Songauswahl deutlich ihre Vorlieben für eine vergangene Ära, in der Musik vermeintlich direkter und ehrlicher des Weges kam.

Mit „Fanfare for the common man“, das unter anderem von Emerson, Lake & Palmer in den Siebzigern rockig aufgefrischt wurde, eröffneten die Vier ihr erstes Set und zeigten, wie man mit enormer musikalischer Erfahrung angeblich Altes wie neu klingen lässt. Mit nur vier Mann hauchten die Jungs dann Paul McCartneys legendärer James-Bond-Titelmelodie „Live and let die“ derart viel Dichte und Dynamik ein, das es einem schon mal die Sprache verschlagen konnte.

Das unterscheidet „The Xperience“ tatsächlich von vielen anderen Coverbands, wenn auch das Grundrezept ein ähnliches bleiben mag. Die folgenden Nummern blieben geschmackvoll, an Golden Earrings „Radar Love“ reihten sich unter anderem auch Hendrix-Nummern wie „Voodoo Chile“ und „All along the watchtower“. Will Pütz wusste geschickt, sein Gitarrenspiel mit den abwechslungsreichen stimmlichen Klangfarben der Originale zu verschmelzen. Lutter und Leinesser bilden ein Rhythmus-Fundament, das sichtlich nichts aus der Ruhe bringen kann und die Tasteninstrumente von Dieter Mainz verleihen Songs wie „A whiter shade of pale“ oder „Fly like an eagle“ die notwendige Authentizität.

Exzellenten Fähigkeiten

Das Schwergewicht der Stückeauswahl am Dienstagabend lag eindeutig bei Klassikern aus der Feder von Bands wie Deep Purple und Santana. Dem gebührt Respekt, denn das muss man in der Verschiedenartigkeit dieser Kompositionen erstmal gekonnt auf die Reihe bringen. Einige Besucher bemerkten allerdings, dass das Programm mit kurzen, knackigen Stücken eindeutig vorteilhafter klang, als in den langausholenden Passagen.

Natürlich bewiesen die Musiker ihre exzellenten Fähigkeiten als Instrumentalisten, aber offensichtlich hat sich auch das Hörverhalten vieler Musikfans trotz des nostalgischen Faibles für 70er, 80er und 90er in Richtung von Kürze und Knappheit entwickelt. Der Auftritt von „The Xperience“ mag auch ein geeigneter Anstoß sein, die in jüngster Zeit wogende Welle von Cover- beziehungsweise Tributebands zu betrachten. Im benachbarten belgischen Spa fand erst vergangene Woche ein dreitägiges Festival ausschließlich mit Tributebands vor nahezu 30 000 Zuschauern statt.

Sieht man mal von den teilweise an Straßenraub grenzenden Ticketpreisen für große Veranstaltungen mit Weltstars ab, ist es denn dann nicht viel besser, seine Lieblingsmusik im Kopf per eigener Stereoanlage mit Originalkünstlern zu genießen? Im Fall von „The Xperience“ und anderen Bands mit Niveau lässt sich das nicht unbedingt bejahen. Das direkte Klanggefühl von Livemusik, mit all der notwendigen Lautstärke und der Möglichkeit, enthusiastischen Künstlern live bei der Arbeit zuzuschauen, kann einfach keine wie immer geartete, gut produzierte Konserve toppen. „The Xperience“ hat dem Rio-Publikum am Dienstagabend über zwei Stunden allerbeste Live-Unterhaltung geboten gemäß der immer noch gültigen Formel: es ist nicht ganz so wichtig, was Du spielst, sondern wie Du es spielst.

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