Eschweiler - Blockheizkraftwerk: Der „Dachs“ macht‘s im Haus mollig warm

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Blockheizkraftwerk: Der „Dachs“ macht‘s im Haus mollig warm

Von: Nils Assmus
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Gestatten, Dachs: So heizt das mit Rapsöl betriebene Blockheizkraftwerk von Günter Barten. Foto: Nils Aßmus
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Nachwachsender Rohstoff: Mit Öl aus Rapspflanzen betreibt die St. Jöriser Familie Barten ihre Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage. Foto: stock/Chromorange

Eschweiler. Seit 25 Jahren lebt Günter Barten mit seiner Frau Renate in St. Jöris. Dem Domizil des Ehepaares sieht man dabei von außen überhaupt nicht an, dass es mit Sicherheit eines der bemerkenswerteren Häuser im Stadtgebiet ist. Denn seit etwa zwei Jahren produzieren die Bartens beinahe ihren gesamten Strom und ihr Warmwasser eigenständig mit einem eigenen Blockheizkraftwerk sowie einer Photovoltaikanlage und einer Brauchwasserwärmepumpe.

Der 1942 in Mariadorf geborene gelernte Starkstromelektriker hat sich ganz seiner persönlichen Energiewende verschrieben. Die längste Berufszeit verbrachte der heute noch in der Pfarre St. Georg aktive Mann in Diensten des Bistums Aachen. Dort kam er auch im Rahmen des Bistumstages des Jahres 1996 mit dem Thema Umweltschutz als Bewahrung der Schöpfung in Berührung.

Damals arbeitete er in der Themengruppe „Schöpfung bewahren ist Gottesdienst“. Auch nach dem Abschluss des Bistumstages ließ ihn die Idee, konkrete Umsetzungsmöglichkeiten zu diesem Thema zu finden, nicht mehr los. Barten startete seine persönliche Energiewende und hat seitdem die Energieversorgung seines Hauses stetig weiterentwickelt.

Der erste Schritt des St. Jöriser Ehepaars war die Installation einer Brauchwasserwärmepumpe. Mit der Funktionsweise des Gerätes, das teilweise die Energie des Stromnetzes benötigt, war Günter Barten jedoch nicht vollkommen zufrieden, und so folgte vor rund zwei Jahren ein energetischer Neuanfang. 35000 Euro investierte Barten in die nachhaltige Energieversorgung seines Hauses.

Für etwa 12.000 Euro schaffte er eine Photovoltaikanlage an, die er auf dem Süddach anbrachte. Für 5000 Euro ersteigerte er bei Ebay ein gebrauchtes Blockheizkraftwerk der Firma Senertec und ließ dieses für die gleiche Summe bei einer bayrischen Firma, die sich auf Pflanzenölmotoren spezialisiert hat, generalüberholen. Der Rest der 35000 Euro Investition ging vor allem in die fachgerechte Installation des kleinen Biokraftwerkes im Keller der Bartens.

Das Blockheizkraftwerk, das genauer bezeichnet eine Kraftwärmekopplung ist, hört auf den Namen „Der Dachs“. Das ist aber nicht auf eine liebevolle Taufe durch den Hausherren zurückzuführen, sondern der tatsächliche Name des Gerätes, das mit einem Einzylinder-Sachsmotor betrieben wird.

Dieser Motor kann in verschiedenen Versionen mit unterschiedlichen Treibstoffen befeuert werden, treibt einen Stromgenerator an und übernimmt die Erhitzung des Warmwassers für den Haushalt. Dabei leistet „der Dachs“ maximal fünf Kilowatt elektrische und mehr als zehn Kilowatt thermische Leistung, die von dem Haushalt genutzt werden kann.

Günter Barten nutzt als Treibstoff Rapsöl – und das aus ökologischen Gründen. Zum einen ist der Raps ein nachwachsender Rohstoff. Zudem ist die CO2-Bilanz bei der Verwendung von Rapsöl positiv. Wenn man den Ausstoß der Ernte- und Transportfahrzeuge außen vorlässt, bindet die Rapspflanze nämlich während ihres Wachstums ebenso viel des klimaschädlichen Gases wie beim Verbrennen in Form des Pflanzenöls wieder freigesetzt wird. In Sachen Nachhaltigkeit setzt Barten sogar noch den i-Punkt auf seinen Biokraftstoff: Er bezieht das Rapsöl aus regionalen Mühlen, die Raps von regionalen Anbauern weiterverarbeiten.

Günter Barten strebt mit seinen Bemühung eine möglichst große Unabhängigkeit an. „Dabei soll die Unabhängigkeit aber keinesfalls zu Isoliertheit führen“, sagt er. Barten steht für Dezentralität. Einen großen Vorteil seines eigenen kleinen Kraftwerks sieht er auch im hohen Wirkungsgrad seiner Strom- und Warmwassererzeugung.

„Der Dachs hat laut Herstellerangaben einen Wirkungsgrad von knapp 90 Prozent, was bedeutet, dass nur ein Zehntel der Energie bei der Umwandlung in Strom und Wärme verloren geht, also beispielsweise als Abwärme die Umgebungsluft erwärmt.“ Der Wirkungsgrad größer Kraftwerke sei deutlich geringer, sagt Barten.

Darüber, dass er die Energie für seine Kraftwärmekopplung mit Rapsöl aus einem Lebensmittel bezieht ist sich Barten bewusst. Kritikern hält er jedoch entgegen, dass in Deutschland ein extrem hoher Anteil der Lebensmittel gar nicht verzehrt, sondern weggeworfen wird. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sprach im vergangenen Jahr von rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel, die in Deutschland im Müll landen.

Wärmepumpe im Sommer

Durchbrüchen in der Motorentechnologie oder auf dem Gebiet der Energieträger sieht Günter Barten gespannt entgegen: Er wolle sich nicht auf zukünftige Möglichkeiten verlassen, sondern in der Gegenwart aktiv handeln. „Ich tue das, was ich jetzt tun kann“, sagt er und setzt so in den Sommermonaten eine Wärmepumpe anstelle des Blockheizkraftwerkes ein, denn dann hält „der Dachs“ seine Sommerruhe. Dennoch rechnet sich die Anlage (siehe Box) in den Augen Günter Bartens.

Solche Zahlenspiele interessieren Barten weniger. Fest im christlichen Glauben verwurzelt, geht es ihm darum, die Schöpfung für die nächsten Generationen zu bewahren. Aus dieser Überzeugung heraus sieht er auch heute schon einen Verbesserungsbedarf seinem Haus. Eine Speicherbatterie könnte in der Zukunft den tagsüber erzeugten Strom speichern, um ihn abends noch verfügbar zu machen.

Neugierig auf diese Form der Energieversorgung geworden? Interessierten steht Günter Barten für Informationen zur Verfügung, empfiehlt jedoch die Beratung durch den Heizungsinstallateurs des Vertrauens.

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