Eschweiler - „Blitz-Marathon”: 30 km/h sind nun mal kein Schritttempo

„Blitz-Marathon”: 30 km/h sind nun mal kein Schritttempo

Von: Rudolf Müller
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Zeit zum Pläuschchen auf der
Zeit zum Pläuschchen auf der Marienstraße: Zu Spitzenzeiten herrscht in der verkehrsberuhigten Zone ein Vielfaches an Verkehr. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Michael Weidenfeldf ist Feuerwehrmann. Also jemand, der sich schon Berufs wegen für die Sicherheit seiner Mitmenschen einsetzt. Dass die fast unmittelbar vor seiner Haustür - in der Marienstraße - immer wieder durch viel zu flotte Fahrzeuge gefährdet wird, ist ihm ein Dorn im Auge.

„Hiersind manche mit 50 und mehr Stundenkilometern unterwegs!” Erlaubt sind ganze 7. Die Marienstraße ist als verkehrsberuhigter Bereich ausgeschildert. Hier gilt nicht Tempo 30 - hier ist das Limit Schrittgeschwindigkeit. Heißt: 4 bis 7 km/h.

Michael Weidenfeld wandte sich an die Polizei mit der Bitte beim „Blitzermarathon” auch einmal ein Auge auf die Marienstraße zu haben. Dem kamen die Beamten Dienstagnachmittag nach. Eine halbe Stunde lang hatten sieben Polizisten ein waches Auge auf das Geschehen zwischen Rosenallee und Moltkestraße.

Auf Laserkanonen konnten sie hier verzichteten: Das Tempo normal gehender Fußgänger diente als Referenz. Wer deutlich schneller fuhr, musste damit rechnen, zur Kasse gebeten zu werden.

Fünf Fahrer mussten innerhalb von 30 Minuten tatsächlich die Scheckkarte zücken. Und eigentlich hätten die Beamten mindestens acht von zehn Fahrern vorübergehend aus derm Verkehr ziehen müssen, wäre dafür Personal und Platz genug gewesen. Die meisten Fahrer scheinen überzeugt zu sein, hier gelte Tempo 30.

Dafür, dass die Beamten ihre Lasermessgeräte im Wagen ließen, müssten etliche Fahrer ernsthaft dankbar sein. Bei einer Geschwindigkeitsübertretung um 100 Prozent nämlich ist der Führerschein fällig. Das hieße hier: Bei 14 km/h wird ein „Raser” zum Fußgänger.

Soweit wollten die Beamten aber nun doch nicht gehen. „Uns geht es darum, den Leuten deutlich zum machen, dass das Tempolimit hier aus gutem Grund besteht”, erläuterte Hauptkommissar Hans Moors. „Hier sind sehr viele Fußgänger gleichberechtigt unterwegs. Bei Tempo 7 hat ein Fahrzeug fast keinen Bremsweg, und auch bei einem Zusammenprall ist die Aufprallenergie so gering, dass ein Fußgänger sehr gute Überlebenschancen hat”, erklärte Moors einem zunächst uneinsichtigen Rollerfahrer.

In verkehrsberuhigten Bereichen wie der Marienstraße, durch blaue Tafeln markiert, dürfen Fußgänger die Straße in voller Breite benutzen, zudem dürfen Kinder überall spielen. Fahrer dürfen Fußgänger weder gefährden noch behindern; wenn nötig, müssen sie eben warten.

Insgesamt wertete Moors die Aktion als Erfolg: „Schon auf meiner Fahrt zum Dienst hatte ich den Eindruck, dass heute fast alle Verkehrsteilnehmer viel ruhiger unterwegs sind.” Dass zahlreiche Bürger das Angebot der Polizei, kritische Stellen zwecks Kontrolle zu benennen, nutzten, wertet Moors als Zeichen dafür, dass das Engagement der Beamten für mehr Sicherheit gegen überhöhtes Tempo als Killer Nummer 1 auf breite Akzeptanz stößt.
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