Blausteinsee: Kein Fass ohne Boden

Von: Rudolf Müller
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Still ruht der See. Doch der Schein trügt: 207 Liter Wasser pro Sekunde schießen aus Aldenhovener Brunnen in die Tagebaumulde, um die herum sich ein First-class-Freizeitangebot entwickelt. Foto: Rudolf Müller
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Noch ist er nicht ganz dicht, der Blausteinsee. Erst in einigen Jahrzehnten soll der Wasserstand selbstständig stabil sein.

Eschweiler. Bis zu 43 Meter ist er tief, der Blausteinsee. Ein Loch, das Platz für mehr als 80 Millionen Kubikmeter Wasser bietet. So hatten die Vertragspartner errechnet, als Rheinbraun (inzwischen RWE) Anfang Oktober 1994 damit begann, riesige Menge von Sümpfungswasser aus dem nahen Tagebau in das zum Freizeitsee auserkorene Restloch bei Dürwiß zu pumpen.

Vertragsgemäß sollte die Wasserzufuhr bis 2005 beibehalten werden. Doch als Ende 2005 bereits 86 Millionen Kubikmeter eingeschossen waren, war die Tagebau-Mulde immer noch nicht verfüllt. Und nach wie vor verliert der See Wasser. Bis heute sind insgesamt rund 120 Millionen Kubikmeter in den See geflossen – mit einem Mittelwert von rund 207 Liter pro Sekunde.

Würde die weitere Befüllung gestoppt, so bestünde die Gefahr, dass der See, obschon er bereits 2004 seinen vorläufig endgültigen Wasserstand erreicht hatte, in absehbarer Zeit zu einem morastigen Tümpel verkomme: Der Blausteinsee bedarf aufgrund der dauerhaften Versickerung von Seewasser in den Untergrund noch einige Jahrzehnte lang Ausgleichswasser, stellt die Ingenieurgesellschaft für Wasser-, Abwasser- und Energiewirtschaft Tuttahs & Meyer in einem von der Stadt Eschweiler in Auftrag gegebenen Gutachten fest.

Bereits seit 2009 stundet RWE den Mitgliedskommunen der finanziell klammen Blausteinsee-GmbH – Eschweiler, Stolberg, Alsdorf, Würselen und Aldenhoven – die Pumpkosten. Bisher sind dies mehr als 55.0000 Euro. Ein dicker Klotz am Bein der See-GmbH. Jetzt ist sie ihn losgeworden: Rund eineinhalb Jahre lang haben See-GmbH und RWE verhandelt – jetzt ist man sich einig: RWE erlässt der GmbH die bisher aufgelaufenen Pumpkosten. Und liefert weiter Wasser, ohne die Pumpleistungen in Rechnung zu stellen.

RWE zerreißt Rechnung

Bis zum Jahr 2031 stellt RWE Sümpfungswasser, das aus einer Brunnengalerie bei Aldenhoven kommt, kostenfrei zur Verfügung. Dann ist damit zwangsläufig Schluss: Mit dem Ende des Tagebaus Inden versiegen auch die Pumpen. Schon zuvor gehen RWE und See-GmbH davon aus, dass die verfügbare Menge an Sümpfungswasser generell zurückgeht, wobei die dem See zukommende Überschussmenge auch deshalb sinkt, da das Kraftwerk vorrangig bedient werden muss.

Rechtlich verpflichtet zur Wasserlieferung ist RWE nicht. Doch obschon Menge und Qualität künftig schwanken dürften, ist es Ziel von RWE, „im Rahmen der bestehenden betrieblichen Möglichkeiten auch zukünftig Sümpfungswasser in Menge und Qualität wie zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses zu Verfügung zustellen“, heißt es im Entwurf eines jetzt zu unterzeichnenden Vertrags zwischen RWE und See-GmbH. Dies bedeutet auch, dass RWE im Fall des Falles geeignete Maßnahmen ergreifen wird, um einen Anstieg der Eisenwerte im Seewasser zu verhindern.

Rurleitung ab Schophoven

Was passiert nach 2031? Das Ingenieurbüro geht davon aus, dass der See noch bis 2060/2070 Zuschusswasser braucht, ehe der Wasserstand auch ohne Ausgleichswasser durch Bodenverdichtung und stabile Grundwasserpegel beständig bleibt. Ein weiteres Versickern und damit die gefürchtete Eutrophierung (das biologische „Umkippen“) des Sees, so betont GmbH-Geschäftsführer Hermann Gödde, sei dann auszuschließen, wie Professor Dr.-Ing. Markus Schröder von Tuttahs & Meyer in seinem Gutachten festgestellt habe. Darin untersuchen Schröder und seine Kollegen auch ein rundes Dutzend Varianten, wie die Wasserversorgung des Sees nach dem Ende des Tagebaus sichergestellt werden könne – zum Beispiel durch Zuleitungen aus dem Rur-Staubecken Obermaubach, aus der Wehebachtalsperre, der Inde oder der Rur. Oder auch durch eine nachträgliche Abdichtung der Seesohle.

„Unser klarer Favorit ist eine Versorgung aus der Rur bei Schop-hoven“, erklärt Hermann Gödde. Diese sei aufgrund der Leitungslänge und damit verbundenen Pumpkosten zwar deutlich teurer als die Nutzung einer Leitung von der Inde bei Fronhoven zum See, dafür aber sei die Wassermenge beständiger und die Qualität deutlich besser. Die Leitungen werden vom RWE gestellt. Wieder ein Punkt für die Variante Schophoven: Die Leitung vom Pumpwerk Schophoven bis zum Kraftwerk Weisweiler ist erst 2011 fertiggestellt worden und dürfte sich auch anno 2031 noch in gutem Zustand befinden. Lediglich der Abschnitt zwischen Kraftwerk und See müsste neu gebaut werden.

Die Pumpkosten sind in jedem Fall von der See-GmbH zu tragen. Ob Fron- oder Schophoven – in beiden Fällen müssen Erstinvestitionen von rund 2,5 Millionen Euro getätigt werden. Die Betriebskosten belaufen sich bdei der Variante Fronhoven auf etwa 4,5 Millionen Euro in den 30 Jahren von 2031 bis 2061, bei der Variante Schophoven summieren sie sich auf 7 Millionen. Geld, das die GmbH zuvor aufgrund der jetzigen Verträge mit RWE eingespart hat.

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