Blausteinsee: Es hagelt weiter Kritik

Von: Von Tobias Röber
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Michael Crott (Vordergrund) und Markus Grobe waren am Sonntag im vier Grad kalten Wasser des Blausteinsees unterwegs. Foto: Tobias Röber
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Wasserproben aus verschiedenen Tiefen. An der Oberfläche (linke Probe) ist es recht klar, nach wenigen Metern ist die Trübung sichtbar. Am Grund des Sees befindet sich eine mehrere Zentimeter dicke Sedimentschicht, das Wasser ist trüb (rechte Probe).

Eschweiler-Dürwiß. Fische? Fehlanzeige. Die viel zitierte Armleuchteralge? Keine da! Klare Sicht? Von wegen! Das Urteil von Michael Crott und Markus Grobe fiel am Sonntag alles andere als gut aus. Die beiden Taucher sind seit längerer Zeit im Blausteinsee unterwegs. Ihr Fazit: Die Bedingungen haben sich rapide verschlechtert.

Michael Crott hat nach eigenen Aussagen jetzt seine siebte Jahreskarte gekauft, er kennt den See also schon ein wenig länger. „Früher bin ich zwei bis drei Mal pro Woche hier getaucht, bei diesen Bedingungen bin ich ein Mal pro Monat hier“, sagte Crott. Markus Grobe hatte eine etwas weitere Anreise hinter sich. 250 Kilometer sind es von Bingen aus bis Eschweiler. „Ich hatte überlegt, mir eine Jahreskarte zu kaufen. Aber bei diesen Bedingungen? Nee!“, sagte Grobe.

Michael Crott, der von Alsdorf eine nicht ganz so weite Anreise hat, hatte sich bei den Eschweiler Grünen gemeldet, um auf das Problem der schlechten Sicht unter Wasser aufmerksam zu machen. Am Sonntag gab es nun ein Treffen am See. Crott und Grobe tauchten ab, filmten unter Wasser und nahmen Proben.

Die Grünen Franz-Dieter Pieta (Fraktionssprecher), Dietmar Widell (stellvertretender Fraktionssprecher) und Fraktionsgeschäftsführer Joachim Röhrig beobachteten das Treiben. „Uns geht es nicht darum, hier etwas kaputt zu machen“, sagte Franz-Dieter Pieta. Und er ergänzte: „Wir glauben aber, dass die GmbH nicht mit genug Nachdruck diesem Thema nachgeht.“

Grenzwertiger Preis

Dass weniger Taucher den See nutzen, ist bekannt. Wie wir berichteten, nahm die Blausteinsee GmbH im Jahr 2012 im Vergleich zu 2006 knapp 77 000 Euro weniger aus dem Erlös der Tauchkarten ein. Eine Jahreskarte kostet 95 Euro, die Tageskarte 8,50 Euro. Als grenzwertig bezeichnet Crott diesen Preis. Es gebe Gewässer, an denen Taucher weniger bezahlen, unter Wasser mehr sehen und dazu auch warme Duschen und Toiletten in der Nähe einer Tauchbasis finden. Dass die fehlenden Parkplätze das Hauptproblem seien, glaubt Crott nicht. „Dass die Taucher nicht kommen, weil es keinen Parkplatz gibt, ist Unfug. Die Sichtweiten halten sie ab“, sagte Michael Crott.

Beim Tauchgang am Sonntag gab es für Crott und Grobe das seit einiger Zeit gewohnte Bild, wie sie sagen. Die Sicht betrug maximal drei bis vier Meter. Fische haben sie nicht gesehen, aber immerhin einen Krebs. „Früher gab es schon am Einstieg Schwärme“, sagte Markus Grobe. Dass dort nun keine mehr sind, kann Michael Crott nachvollziehen, immerhin ist der Taucheinstieg viel frequentiert. Allerdings seien auch ansonsten kaum Fische zu beobachten.

Ähnliches gelte für die Pflanzen. Bis zu einer Tiefe von fünf Metern gebe es noch ein paar grüne Stellen am Ufer, darunter nicht mehr. Die viel zitierte Armleuchteralge, die für eine sehr gute Wasserqualität steht, sei früher mehrere Meter hoch gewachsen. Taucher konnten regelrecht durch einen Wald schwimmen. Und jetzt? Die Armleuchteralge sei so gut wie verschwunden. „Die braune Pampe“, wie Michael Crott es ausdrückt, sei überall. Nicht nur am Einstieg, an dem naturgemäß viel Sediment aufgewirbelt wird. Auch Richtung Seebühne und Schwimmerbereich seien die Pflanzen von einer braunen Schicht überzogen.

Dass es die Armleuchteralge im See nicht mehr gibt, weist Hermann Gödde (Blausteinsee GmbH) zurück. „Trübungen sind zyklisch immer wieder mal vorgekommen“, sagte Gödde unserer Zeitung. Vom Eisengehalt gehe keine Gefahr für den See aus. Und gerade erst in der vorigen Woche habe er die Mitteilung bekommen, dass sich Berufstaucher den See für ihre Arbeit ausgesucht haben, sagte Gödde.

„Wir haben natürlich ein großes Interesse daran, dass die Sicht besser wird“, betonte Gödde. Es gebe regelmäßig Gespräche mit RWE Power bezüglich des eingeleiteten Sümpfungswassers. Da dieses nicht immer aus den selben Brunnen komme, sei die Qualität auch nicht immer gleich, so Gödde. „Wir müssen uns auch künftig auf unterschiedliche Zusammensetzungen des Wassers einstellen“, betonte Hermann Gödde.

Für Taucher gibt es neben Flora und Fauna noch mehr unter Wasser zu entdecken. So sind drei Lkw-Führerhäuser versenkt, es gibt einen Grillplatz mit Bänken, ein Fahrrad, ein Ruderboot, zwei Segeljollen und Röhren. „Es kann passieren, dass man an einer Segeljolle zwei Meter vorbeischwimmt und sie nicht sieht“, sagte Crott.

2009 als Wendepunkt

Über die Gründe wird natürlich eifrig spekuliert. Fest steht, und so betonen es die Eschweiler Grünen auch auf ihrer Internetseite: „Mit der hohen Fäkalkeimbelastung im Badebereich, die dem Blausteinsee bekanntlich ein ‚Mangelhaft‘ bei der amtlichen Badegewässerbewertung eingebracht hat, hat das neue Problem nichts zu tun.“ Die hohe Eisenkonzentration im Füllwasser aus dem Tagebau Inden wird von den Grünen als (eine) Ursache ausgemacht. Wie Holger Benend, Pressesprecher der Städteregion Aachen, auf Anfrage bestätigte, könne eingeleitetes Eisen tatsächlich zu einer Trübung führen.

Seit 2009 ist der Eisengehalt angestiegen. 2009 hat Michael Crott als Wendepunkt in Sachen Sichtverhältnisse unter Wasser ausgemacht. Seitdem sei die Sicht deutlich schlechter geworden. Laut Planfeststellungsbeschluss darf der Eisengehalt höchstens bei drei Milligramm pro Liter liegen. Im gesamten See liege er bei 0,3 bis 0,5 Milligramm, so Holger Benend. An der Stelle, an der das Tagebauwasser eingeleitet (jährlich 3,5 bis vier Millionen Kubikmeter Wasser) wird, lag der Wert sogar schon bei 30 Milligramm pro Liter. Hermann Gödde verweist in diesem Zusammenhang auf ein Gutachten, das besagt, dass das Wasser nicht gefiltert (was extrem teuer wäre) werden, sondern allenfalls beobachtet werden muss.

In einer Stellungnahme der Städteregion im Rahmen der Aufstellung des Landschaftsplans aus dem vorigen November heißt es: „Die in den Blausteinsee einfließenden Sümpfungswässer aus dem Braunkohlentagebau sind zwar nährstoffarm, führen jedoch erhebliche Feinsedimentstoffe, insbesondere Eisenoxid dem Gewässer zu.

Folge sind Trübungen und Beeinträchtigungen der Unterwasservegetation, sowie der dort lebenden Tiere. Aufgrund der Größe des Blausteinsees unterliegt er als Binnengewässer ebenfalls wie z. B. die Inde der EU-Gewässerrahmenrichtlinie, wobei die Sümpfungswässer in die Inde nur nach vorheriger Reinigung fließen, hingegen Sümpfungswässer ungeklärt in der Blausteinsee eingeleitet werden. Die Versorgung mit Sümpfungswässern ist zumindest noch für 20 Jahre sichergestellt. Die Einleitung soll daher hinsichtlich der Qualität überprüft werden.“

Auf eine bessere Qualität hoffen Michael Crott, Markus Grobe und sicher auch etliche andere Taucher. „Die einzigen, die hier bezahlen, sind Taucher, Surfer und Segler. Und was ist für diese Gruppen getan worden? Nix! Da muss was passieren. Es muss wieder Grünbewuchs in den See rein“, sagte Michael Crott.

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