Blausteinsee: Der Karpfen ist nach wie vor ein Problem

Von: Tobias Röber
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Im Blausteinsee gibt's einiges zu holen: Anglerin Claudia Krieg ist hier mit einer Forelle zu sehen.

Eschweiler-Dürwiß. Die Fluktuation der Angler ist am Blausteinsee groß. „Viele Angler sagen aus Frust, dass sie keinen Schein mehr möchten“, sagt Hans-Ulrich Tiepelt, Pächter und Fischereiberater für die Städteregion. Rund 40 Angler verlassen den See in Dürwiß jedes Jahr. Um Nachrücker braucht sich Tiepelt jedoch keine Sorgen zu machen.

Die Grenze von 250 ist stets schnell wieder erreicht, da die Warteliste lang ist. Was Tiepelt bei aller Kritik zum Fazit veranlasst: „Es geht in die richtige Richtung!“

Seit Mitte 2012 ist der See zum Angeln freigegeben, für Tiepelt zu spät. Das Fischereigesetz besagt, dass ein künstliches Gewässer nach seiner Entstehung drei Jahre nicht fischereilich bewirtschaftet werden darf, da sich in dieser Zeit Pflanzen und Fischnährtiere entwickeln. Allerdings sei in Dürwiß die Bewirtschaftung auf Grund von Gutachten um acht Jahre verzögert worden.

„In dieser Zeit haben sich bestimmte, nicht in das ökologische System passende Fischarten überdimensional vermehrt. Der Karpfen beispielsweise. Die Zahl der großen Karpfen im Blausteinsee, die fünf Kilogramm und mehr auf die Waage bringen, schätzt Hans-Ulrich Tiepelt auf 800 Stück. „Der Karpfen gehört nicht in den Blausteinsee“, sagt er. 250 Angler sollen dafür sorgen, dass der Karpfen entnommen wird.

Doch das ist gar nicht so einfach. Da sich die Angler den See mit Naturschützern und anderen Sportlern teilen, müssen Kompromisse eingegangen werden. Aus Anglersicht gibt es einige Schwierigkeiten bei der fischereilichen Bewirtschaftung. Nach wie vor muss Wasser in den See eingeleitet werden, das viel Eisen beinhaltet. Inwiefern dieses den Fischen schade, bleibe abzuwarten.

Zudem sei es problematisch, dass die Hälfte des Sees auf Grund des Naturschutzgebietes nicht vom Ufer aus befischt werden dürfe. Während der Wintermonate, November bis April, darf der See zudem nicht vom Boot aus befischt werden. Dies führe zu einer Reduzierung der Fischentnahme, da sich die Fische in den kalten Monaten in größere Tiefen zurückzögen und somit für die Angler kaum noch erreichbar seien.

„Leider wurde der Seeboden bei der Erstellung ähnlich einer großen Badewanne geformt. Eine Gestaltung mit einigen Flachstellen oder sogar einer Insel, zumindest im Naturschutzbereich des Sees, hätte enorme ökologische Vorteile gebracht. Meine Einwände zur damaligen Zeit sind leider auf taube Ohren gestoßen“, sagt Tiepelt.

Von Mitte 2012 bis Ende 2014 konnten dem See fast 2000 Kilogramm Biomasse entnommen werden, in erster Linie Fische. Karpfen, Rotaugen und Barsche wurden hauptsächlich gefangen. Im Gegenzug wurden 5000 Hechte und 6000 Schleien eingesetzt. Die Fleischqualität der Karpfen, auch der älteren Tiere, bezeichnet der Fischereipächter übrigens als sehr gut.

Hans-Ulrich Tiepelt äußert im Namen der Angler einige Bitten in Richtung der übrigen Seenutzer. Er bittet Hundebesitzer, ihre Tiere anzuleinen. „Obwohl seit 15 Jahren ein Anleingebot für Hunde besteht, wird das immer wieder missachtet. Der Hund kommt freudig auf den Angler zu, umkreist ihn einige Male, die ausgelegten Schnüre werden zu einem wilden Knäuel. Minuten später erscheint der Hundebesitzer mit der Aussage: Sie brauchen keine Angst zu haben, der Hund beißt nicht“, erzählt Tiepelt.

Zudem gebe es viele, die das Badeverbot außerhalb des ausgewiesenen Bereichs ignorierten. „Man kann sich vorstellen, wie hoch die Fangaussichten sind, wenn ein Badegast im verbotenen Bereich fünf Meter neben dem Angler ins Wasser springt“, sagt Tiepelt.

Dies seien Gründe, warum der eine oder andere Angler dem Blausteinsee den Rücken kehrt. Wobei Tiepelt die gute Unterstützung seitens der Behörden hervorhebt. Die Untere Landschafts- , die Untere Fischereibehörde und die Blausteinsee-GmbH hätten hätten den Anglern stets tatkräftig unter die Arme gegriffen.

Jeder Angler führt ein sogenanntes Fangbuch, in dem die Fänge genau festgehalten werden. Der Fischereipächter sammelt die Bücher einmal jährlich ein und wertet sie aus. Tiepelt ist zuversichtlich, dass die nächste Auswertung auf eine weiterhin positive Tendenz schließen lässt.

Das soll auch die nächste biologische Untersuchung bestätigen, die wohl im kommenden Jahr stattfinden soll. Die Gespräche mit der Unteren Landschaftsbehörde laufen. Außerdem soll ein weiterer Raubfisch bei der Herstellung des ökologischen Gleichgewichts helfen: Im Winter sollen Zander in den See eingesetzt werden.

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