Eschweiler - Blausteinsee-Cup: Ohne Helfer geht nichts

Blausteinsee-Cup: Ohne Helfer geht nichts

Von: Christina Handschuhmacher
Letzte Aktualisierung:
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Ihr Herz schlägt für die Rhenania: der Vorsitzende Hans Krahe, Geschäftsführer Rafael Wolff und der 2. Vorsitzende Willi Jansen (v.l.).
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Mittlerweile hat sich rumgesprochen, dass es beim Blausteinsee-Cup gutes Essen gibt. Zu verdanken ist das den bescheidenen Helferinnen in der Küche.

Eschweiler. Wer an diesem Abend in das Stadion am Blausteinsee will, muss an Hans Krahe vorbei. Krahe, grauer Schnauzbart, braune funkelnde Augen, buntkariertes Hemd, sitzt auf einer Biergarnitur am Stadioneingang und kassiert den Eintritt.

Drei Euro für Erwachsene, für Kinder und Rentner die Hälfte. „Biste keene Rentner, Jung?“, fragt er einen grauhaarigen Mann, der allein zum Fußballplatz am Ortseingang von Neu-Lohn gekommen ist. „Wie isset?“ lautet ansonsten die häufigste Frage.

Krahe, seit 1992 Vorsitzender von Rhenania Lohn, hat für jeden, der den Platz betritt, ein persönliches Wort übrig. Man kennt sich eben. Und ob Krahe nun an der Kasse sitzt oder den Platz bewässert, ist ihm eigentlich egal. Er tut eben – wie alle anderen auch –, was getan werden muss.

Wenn in dem kleinen Ort Neu-Lohn am nördlichen Zipfel des Eschweiler Stadtgebiets der Blausteinsee-Cup stattfindet, ist das nicht zu übersehen. Kleine Jungs in Fußballtrikots laufen durch die Straßen, rund um den Sportplatz parken die Fußballer ihre Autos dicht an dicht und vom Platz her hört man Anfeuerungsschreie und Torjubel. Wenn Blausteinsee-Cup ist, dann ist was los in Neu-Lohn.

Angefangen hat alles im Jahr 1997. „Wir haben damals einen Weg gesucht, um den Verein finanziell zu unterstützen“, erinnert sich der Vorsitzende. Schnell war die Idee eines mehrwöchigen Turniers geboren. Mit Peter Baumann und Elbertus Derksen rief Krahe den Blausteinsee-Cup ins Leben. Damit, dass der Cup zu einer derartigen Erfolgsgeschichte werden würde, hatte keiner der drei Männer gerechnet. Aber was macht den Blausteinsee-Cup so besonders? Krahe ist sich sicher: „Das ist das Flair hier, die Atmosphäre.“ Fest steht für ihn auch: Ohne die Helfer im Hintergrund wäre das Turnier wohl nur halb so attraktiv.

Ab neun Uhr morgens sind Krahe und viele seiner Mitstreiter in den zwei Wochen des Blausteinsee-Cups am Platz. Mittags haben sie sich kurz zu Hause ausgeruht. Nun ist es 18 Uhr. Nach Hause gehen, kommt nicht in Frage. Um 20.15 Uhr ist doch Ankick für „ihre“ Rhenania. Und da Krahe und sein Stellvertreter Willi Jansen eigentlich nie ein Spiel der Rhenania verpassen, bleiben sie selbstverständlich auf dem Platz.

Ein paar Meter weiter werden kiloweise Kartoffeln von ihrer Schale befreit. Zwölf Säcke – jeweils 25 Pfund schwer – haben die Frauen der Spieler und Vorstandsmitglieder den Nachmittag über geschält. Morgen soll es Reibekuchen geben. Und weil sich mittlerweile rumgesprochen hat, dass es beim Blausteinsee-Cup nicht nur was auf dem Platz zu sehen gibt, sondern auch das Essen gut ist, werden eben Portionen benötigt, die an eine Großkantine erinnern.

Inge Franken ist eine der engagierten Helferinnen. Ob Bratkartoffeln, Gyros, Schnitzel oder Bratrolle – die Frauen haben vieles in petto, um die hungrigen Gäste zu verköstigen. Die zum Vereinsheim gehörende Küche ist dementsprechend gut ausgestattet. Und die deftigen Mahlzeiten werden nicht etwa auf Papptellern serviert, sondern kommen auf Porzellangeschirr daher. Auch beim anschließenden Geschirrspülen sind die Frauen wieder im Einsatz. Kein Wunder, dass da für eine Sache nur noch wenig Zeit bleibt: „Wir kommen kaum dazu die Spiele zu gucken“, erzählt Inge Franken. „Wir haben immer alle Hände voll zu tun. Aber die Leute hier sollen ja gut versorgt werden.“

„Eigentlich sind alle Ehepartner beim Cup mit im Boot“, sagt denn auch Hans Krahe. Und viel anderes bleibt den Ehefrauen wohl auch nicht übrig, wenn sie ihre Männer in den zwei Wochen auch mal länger als fünf Minuten sehen wollen.“

Aber nicht nur Frauen können kochen, auch die Männer stehen beim Blausteinsee-Cup nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch hinter dem Herd beziehungsweise Pizzaofen. Wenn Blausteinsee-Cup ist, dann wird aus dem zweiten Vorsitzenden Willi Jansen nämlich Pepino. Diesen Spitznamen haben ihm die Lohner verpasst. Zum Pizzabacken kam er eher zufällig. „Ich habe eine Frittenbude in Dürwiß aufgekauft und die hatte auch einen Pizzaofen“, sagt Jansen. Pepinos Pizza ist bei den Lohnern begehrt – nicht nur bei den Fußballfans. Und deshalb hat er mittlerweile auch tatkräftige Unterstützung bekommen. Die Schwiegersöhne in spe rollen an diesem Abend den Teig aus und holen die fertigen Pizzen aus dem Ofen.

Für ein Mitglied des Rhenania-Vorstandes ist selbst nach dem letzten Spiel des Tages nicht Schluss. Schon im zweiten Jahr schlägt sich Beisitzer Wolfang Schwarzer auf dem Platz die Nächte um die Ohren. Klar, Getränke, Lebensmittel und die angeschafften Geräte sind wertvoll. Einbrüche in das Vereinsheim gab es schon, beim Cup will man auf Nummer sicher gehen. Morgens wird Schwarzer dann wieder von Hans Krahe, Willi Jansen und den anderen Vorständlern abgelöst.

Dann wässern die Männer – viele von ihnen sind Ruheständler – den Rasen, ziehen die Platzlinien mit weißer Farbe nach, kehren Grünschnitt zusammen oder erledigen Einkäufe. Irgendetwas ist immer zu tun.

Und wenn man es einmal genau betrachtet, ist so viel Engagement kaum verwunderlich. Denn das Leben von Hans Krahe ist untrennbar mit Rhenania Lohn verknüpft. 1959 – damals war er elf Jahre alt – hat er sich bei dem Verein angemeldet, bis 1980 hat er selbst aktiv in der Abwehr gespielt, anschließend war er Obmann und seit 1992 ist er nun Vorsitzender des Vereins. Und auch durch das Leben von Willi Jansen zieht sich die Verbundenheit mit dem Verein wie ein roter Faden: 1982 Eintritt in den Verein, erst aktiver Spieler, dann Trainer, seit 1996 stellvertretender Vorsitzender.

Was würde den beiden fehlen, wenn es den Cup nicht mehr geben würde? Stille. Dann ein verwundertes Lachen. Mit diesem Gedanken hat keiner der beiden je gespielt. „Wir leben mit dem Cup“, sagt Jansen. Ein Ende ist für ihn und Hans Krahe unvorstellbar.

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