Blausteinsee: Aus der Bitte wird jetzt ein striktes Fütterungsverbot

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Füttern verboten! Die Blausteinsee GmbH will das Verbot jetzt entschiedener durchsetzen. Vor allem der Kot der Wasservögel ist Schuld an der miserablen Bewertung des Blausteinsees als Badesee. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Der Dezernent betonte das Wort „strikt“. Mit einem „strikten“ Fütterungsverbot am Blausteinsee soll die Wasserqualität verbessert werden, betonte Hermann Gödde im Umweltausschuss der Stadt. Auch bisher schon ist es am Blausteinsee verboten, Enten, Gänse und Schwäne zu füttern. Doch das war lediglich als nette Bitte formuliert. Jetzt sollen neue, gut sichtbare Schilder aufgestellt werden.

Außerdem wird es im Bereich von Seebühne und Badestelle ein Hundeverbot geben, zusätzlich zu dem bereits geltenden Anleingebot im gesamten Seebereich.

Anlass der Informationen im Ausschuss für Planen, Bauen und Umwelt der Stadt war eine Anfrage der Grünen, Ursache war die miserable Wasserqualität. Als einziges Badegewässer in Nordrhein-Westfalen wird der Blausteinsee derzeit mit der Note „mangelhaft“ bewertet. Der Grund: Zu viel Kot im Wasser, und damit auch zu viele Fäkalkeime wie Enterokokken und Escherichia coli – Enterokokken können Infektionen der Harnwege auslösen, die Coli-Bakterien stammen vor allem aus menschlichen Fäkalien und sorgen unter anderem für Durchfallerkrankungen. Die nächste Stufe nach „mangelhaft“ hieße: Badeverbot.

Es wimmelt von Keimen

Der Blausteinsee ein Kack-See? Nicht überall, sagt Gödde: „Der See ist nach wie vor ein Gewässer mit guter Wasserqualität.“ Nur am Westufer, also an der Seebühne und der Badestelle, da wimmelt es von Keimen, und die kommen vor allem aus dem Bürzel der Enten. Hunderte Wasservögel sind Dauergäste am See. Weshalb? Weil unvernünftige Menschen die Tiere regelmäßig füttern. Trotz des Verbots. Und wenn die Seebetreuer diese Menschen darauf hinweisen, werden sie auch noch ausfallend. Allerdings ist auf dem bisherigen Schild das Wort „Verbot“ nicht zu lesen. Da steht „Bitte nicht füttern!“ Und dass gut gemeintes Füttern schlimme Folgen für die Tiere habe. Ein Appell an die Vernunft, der bei vielen Seebesuchern offenbar ins Leere geht.

Blausteinsee GmbH und Städteregion wollen nun deutlicher werden. Geplant sind nach der Darstellung der Stadtverwaltung im Einzelnen:

Mehr Schilder, die auf das Fütterverbot hinweisen.

Ein Hundeverbot im Bereich der Badestelle und der Umgebung, zusätzlich zu der bisherigen Regelung, dass Hunde im gesamten Seebereich an der Leine geführt werden müssen. Das gelte natürlich weiterhin, so Hermann Gödde: „Wir werden die Hundehalter um Verständnis bitten, es ist kein böser Wille von uns!“

Intensivere Kontrollen. Wer Enten füttert oder sonst den See verunreinigt, soll höflich, aber entschieden angesprochen werden. Notfalls können auch Betretungsverbote ausgesprochen werden.

Ein Aushang am Zugang zur Badestelle, der auf die aktuelle Wasserqualität hinweist.

Weitere Abfallbehälter sollen aufgestellt werden.

Überlegt wird, „in Stoßzeiten die Tarife der Toilettenanlagen zu reduzieren“, damit die Seebesucher ihre Notdurft nicht in den Büschen verrichten.

Ein „Sensibilisieren der Bevölkerung“ soll über Presseberichte und eine öffentliche Diskussion erreicht werden, um den Bürgern „die Folgen falsch verstandener Tierliebe“ deutlich zu machen. Da geht es nicht nur um die Wasserqualität. Es ist für die Tiere selber schlecht, weil sie als Wildtiere die übliche Nahrungssuche verlernen und weil sich gefütterte Tiere schneller vermehren. Das wiederum führt zur Überdüngung des Gewässers, es fördert Algenwachstum und gefährdet die Wasserlebewesen.

Das Messverfahren für die Qualität des Badewassers soll standardisiert und verbessert werden. Im Sommer wird die Wasserqualität künftig wöchentlich gemessen.

Der Waldgürtel rund um den See verhindert ein gutes Durchmischen der Wassermassen, zumal der See keinen Zufluss und keinen Abfluss hat. Eine erste Frischluftschneise wurde bereits geschlagen, nun soll eine zweite Schneise geschaffen werden.

Diese Punkte sollen bis zum 1. April umgesetzt werden, denn am 15. Mai beginnt die Badesaison am See. Mit dann hoffentlich weniger Keimen im Wasser.

Dezernent Hermann Gödde wies den Verdacht zurück, die Blausteinsee GmbH habe zu spät auf die sich verschlechternde Wasserqualität reagiert. Dass der See auf „mangelhaft“ abgestuft wurde, war Ergebnis der Messungen während der Sommermonate, die letzte Messung fand im August statt. Die Verwaltung habe aber erst mit einer E-Mail vom 29. November von der Abstufung erfahren, die Berechnungen und Unterlagen aus dem Ministerium seien erst am 8. Januar eingetroffen. Darauf hin wurde sofort ein Treffen mit dem Gesundheitsamt der Städteregion angesetzt. Die Kommunalpolitiker wurden bei einem interfraktionellen Gespräch am 25. Januar auf die Lage am See hingewiesen – am gleichen Tag, an dem die Eschweiler Grünen Alarm geschlagen hatten.

Auf der Internetseite der Blausteinsee GmbH ist zur derzeit mangelhaften Wasserqualität bisher keine Information zu finden. Im Gegenteil. Unter „Aktuelles – News & Hinweise“ findet sich ein Bericht aus dem Jahr 2006 mit der Überschrift „Wasserqualität vom Feinsten“. Die Grünen haben die Stadt aufgefordert, diese Irreführung zu löschen. Das ist bisher allerdings noch nicht geschehen.

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