Eschweiler - Bischöfliche Liebfrauenschule verabschiedet erste G8-Abiturienten

Bischöfliche Liebfrauenschule verabschiedet erste G8-Abiturienten

Von: ran
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Mussten sich außergewöhnlichen Herausforderungen stellen und meisterten sie: die 83 Schüler des ersten G8-Abiturjahrgangs der Bischöflichen Liebfrauenschule. Foto: Andreas Röchter
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Eröffnete die Abiturfeier mit dem Survivor-Klassiker „Eye of the Tiger“: der Chor der sechsten Klassen. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Sie standen im Mittelpunkt eines Experiments, wurden ins kalte Wasser gestoßen und meisterten dennoch die Herausforderungen: 83 Schüler des ersten G8-Jahrgangs der Bischöflichen Liebfrauenschule bestanden ihr Abitur.

In einer würdevollen Feierstunde in der vollbesetzten Schulaula erhielten die frischgebackenen Abiturienten nun aus den Händen von Schulleiter Dr. Manfred Meier und ihres Jahrgangsstufenleiters Winfried Brinkhues die Reifezeugnisse.

Nach einer von Weihbischof Dr. Johannes Bündgens mit vielen heiteren und einigen nachdenklichen Worten zelebrierten Eucharistiefeier in der Pfarrkirche St. Peter und Paul stimmte der Chor der sechsten Klassen, am Klavier begleitet von Ralf Repohl, die Abiturienten, Lehrer, Eltern und weiteren Angehörigen der nun ehemaligen Schüler mit dem Survivor-Klassiker „Eye auf the Tiger“ sowie dem Madsen-Hit „Du schreibst Geschichte“ auf die Verabschiedung ein. Dann schritt Dr. Manfred Meier zu seiner letzten Ansprache während einer Abiturfeier an das Mikrofon.

Der Schulleiter, der zum Schuljahresende in den Ruhestand geht, begrüßte mit Käthe Bolz und Margarethe Sieprath unter anderem zwei Damen, die vor 60 Jahren das Abitur an der Liebfrauenschule abgelegt haben, und bewies darüber hinaus Humor: „Ich werde hier ja bald weggeschickt. Auf Grund zahlreicher Veranstaltungen verläuft mein Abschied aber scheibchenweise. Und zum Glück verfüge ich ja über einige Scheibchen“, merkte er selbstironisch an, um kurz darauf den Abiturienten ein Gebet von Antoine de Saint-Exupery mit auf den Weg zu geben: „Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte. Schenke mir Fingerspitzengefühl, damit ich herausfinde, was erst- und was zweitrangig ist. Hilf mir, das Nächste so gut wie möglich zu tun. Bewahre mich vor dem Glauben, dass im Leben alles immer geradeaus verläuft. Gib, dass ich warten kann und Freunde gewinne. Mach aus mir einen Menschen, der einem Schiff mit Tiefgang gleicht. Gib mir nicht, was ich wünsche, sondern das, was ich brauche.“

Einen imaginären Hut beziehungsweise Turban (der beim Abischerz der Jahrgangsstufe eine große Rolle gespielt hatte) zog mit Dorothe Krug die Vertreterin der Elternpflegschaft vor den Schülern. „Der erste G8-Jahrgang verlässt die Schule. Kompliment, wie ihr euch erfolgreich den Herausforderungen gestellt habt. Unter anderem musstet ihr erkennen, dass Schulbücher offensichtlich überschätzt werden und es sich anscheinend mit Kopien besser lernen lässt“, erinnerte sie an die Tatsache, dass zu Beginn der G8-Schullaufbahn der Schüler schlicht und einfach keine G8-Schulbücher vorhanden waren. „Aber gemeinsam mit euren Lehrern habt ihr alle Klippen und Dünen umschifft. Nun warten mit Studium oder Ausbildung neue Herausforderungen. Freut euch darauf“, forderte Dorothe Krug die Abiturienten auf.

Ulrich Dreiner, stellvertretender Vorsitzender der Schulpflegschaft, erinnerte daran, dass sich Eltern und Schüler mit der Wahl der BLS für eine Schule entschieden hätten, an der bewusst das Ziel verfolgt werde, den Schülern für ihren weiteren Werdegang eine Basis für ein Leben im Glauben zu verschaffen. Dabei gelte es, Begabungen zu erkennen und die Schüler zu befähigen, Verantwortung zu übernehmen und Eigeninitiative zu entwickeln. „In den zurückliegenden Jahren haben diese Schüler eine Schulreform erlebt oder erlitten, die dazu führt, dass die Reifeprüfung teilweise schon mit 17 Jahren abgelegt wird. Daraus abzuleiten, dass die seelische Entwicklung der Schüler diesem vorgegebenen Tempo nicht standhalte, wäre aber falsch.“ Der Dank müsse den „hochengagierten Pädagogen“ der Schule gelten, die sich bemühten, „die negativen Auswirkungen des G8-Modells aufzufangen“.

Eine ausgesprochen launige Ansprache hielt Jahrgangsstufensprecher Robert Mielke: „Ich danke der Schulleitung, dass sie den Mut hat, mich an das Mikrofon zu lassen“, ließ er gleich aufhorchen, schob aber umgehend ein klares Bekenntnis zur Bischöflichen Liebfrauenschule nach. „Ich bin stolz darauf, Schüler dieses Schule gewesen zu sein.“ Im Moment, in dem die ersten Versuchskaninchen das „G8-Labor“ verließen, sei es an der Zeit, zurückzublicken. Und dies tat Robert Mielke mit beißender Kritik in Richtung Schulpolitik sowie mit Bewunderung für die Lehrer. „Diese haben all das gerade gebogen, was vom Ministerium verbogen worden war.“ Seine Mitstreiterin Franziska Hardt unterstrich, gerne an die Zeit an der Bischöflichen Liebfrauenschule zurückzudenken. „Niemand wird behaupten können, sie habe keine Spuren hinterlassen.“ Nun warte die Zukunft, für die man gut gewappnet sei.

Winfried Brinkhues bescheinigte seinen Schützlingen „einzigartig“ zu sein. „Und zwar sowohl als Menschen als auch als die jüngere Hälfte des einzigen Doppeljahrgangs der Schule.“ Bei aller Freude und Wehmut sei es aber auch notwendig, grundsätzliches zu sagen: „Wir waren Versuchskaninchen der Politik! Aus dem Ministerium flossen fast keine Informationen. Ich habe mir so manches Mal gewünscht, ein Gespräch mit der Schulministerin führen zu können.“ Und die Höhepunkte der vergangenen Jahre? „83 sitzen vor mir. Ihr werdet mir fehlen. Ich wünsche euch Gesundheit, Toleranz, Erfolg, Spaß und die Fähigkeit, im Kleinen das Große zu sehen“, schrieb der Jahrgangsstufenleiter „seinen“ Abiturienten ins Stammbuch, bevor der große Moment der Zeugnisausgabe folgte.

Für die musikalische Gestaltung der Abiturfeier zeichneten neben dem Vokalpraktischen Kurs „Chorrect“ mit Nicola Kaußen am Violincello sowie Sebastian Sterkel an der Trompete, begleitet von Professor Michael Hoppe am Klavier, zwei Abiturienten verantwortlich.

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