Bill Mockridge zu Gast im Talbahnhof

Von: sza
Letzte Aktualisierung:
14684589.jpg
Der kanadische „Holzfäller“ und seine italienische „Shoppingqueen“ brachten das Publikum im Talbahnhof auch bei schwülem Wetter zum Lachen: Bill Mockridge und seine Frau Margie Kinsky. Foto: Sandra Ziemons

Eschweiler. Was tun, wenn die Kinder großgezogen und aus dem Haus raus sind und man als Paar wieder alleine ist? Wie entdeckt man nach 33 gemeinsamen Jahren, vielen Höhen und Tiefen, im gehobenen Alter die Liebe neu? Diese Fragen würden so manche Eheleute vor eine große Herausforderung stellen.

Die Comedians Margie Kinsky und Bill Mockridge lösten sie jedoch ganz einfach: mit ihrem ersten gemeinsamen Kabarett-Programm „Hurra, wir lieben noch!“, das zeitgleich auch als Buch erscheint. Im ausverkauften Talbahnhof kamen am Samstagabend ungefähr 150 Gäste in den Genuss der Vorpremiere.

Eine italienische Studentin trifft auf einen kanadischen Schauspieler, sie verlieben sich, heiraten und bekommen sechs Söhne zusammen. Dies ist kurz gefasst die Geschichte von Margie Kinsky und Bill Mockridge. Doch wie geht es weiter, wenn man sich nach über 30 Jahren wieder ans nur „Paar-Sein“ gewöhnen muss? Am besten, man besinnt sich auf die Anfänge der nun langjährigen Liebe zurück – und so nahmen Kinsky und Mockridge das Publikum mit auf eine Reise durch ihre Erinnerungen.

Da wäre zum Beispiel das erste Kennenlernen des „Holzfällers“ und der „Shoppingqueen“, wie sich die beiden liebevoll nennen: 1982 im Haus der Springmaus in Bonn. Sie schwärmte nachher ihrer Mutter und ihren Freundinnen von dem tollen Kanadier vor, der auch backen könne. Er erklärte seinen Kumpels einfach: „Mein erster Gedanke beim Anblick dieser temperamentvollen Frau war: Im Bett werde ich Ohrenschützer brauchen.“

Auch ein teilweise misslungener erster Urlaub in Kanada kann Margie nicht abschrecken, Bill später zu heiraten. Während er von „Natur pur“ träumt und mit ihr Kanu fahren möchte, ist sie entsetzt: „Ich bin eine Shoppingqueen und jetzt soll ich das Essen tragen?“ Zudem hätte das Essen ohnehin nur aus Pulver bestanden: „Nudeln? Pulver! Soße? Pulver! Kaffee? Pulver!“ „Nein, für den Kaffee hatten wir Pads“, korrigierte sie ihr Mann. Als dann auch noch ein Sturm das Zelt wegweht und so den Blick auf den Sternenhimmel freigibt, war der Trip für Margie gelaufen. Und auch Bill Mockridge musste feststellen: „Ich habe mir keine Braut geangelt, die Bären jagt, ich habe eine geangelt, die Schnäppchen jagt“.

Auch das Zusammenziehen verlief nicht ohne Differenzen, die aber das Paar ausmachen: Margie Kinsky, die temperamentvolle Römerin, und Bill Mockridge, der ruhige Kanadier, hatten unterschiedliche Vorstellungen. Er fand sein Marilyn-Monroe-Poster gut, sie hängte stattdessen vier Bilder von Babys mit Sonnenblumen auf. Bill freute sich auf einen Fußball-Abend, Margie tauschte Chips und Bier gegen einen grünen Smoothie, machte erst das Licht aus und dann den Fernseher.

Während er oder seine Frau Margie Kinsky stellenweise alleine ihren Vortrag hielten, stand das Paar auch immer wieder Seite an Seite auf der Bühne. Nicht nur die Sprüche flogen hin und her, man sah den Eheleuten auch an, dass nach über 30 Jahren auch wirklich noch der Funke überspringt. Und wie so oft, gab es auch immer wieder einen Diskussionspunkt: Wer hat Recht? Das führte bisweilen sogar so weit, dass das Paar einen Unfall hatte, da Margie Recht behalten wollte, dass sie es an einem anderen Auto vorbeischafft. „Leider hatte ich dann Recht behalten, dass es nicht geht, aber es war leider auch mein Auto“, gestand sich Bill ein.

Mit den Kindern habe sich alles geändert, erzählten sie. Er wollte ein moderner Vater sein und nahm daher selbstverständlich am „esoterischen Schwangerschaftskurs“ teil. „Mein Hecheln war so überzeugend, die haben mir die Synchronstimme von Kommissar Rex angeboten“, sagt Mockridge. Beim Anblick seines ersten Sohnes habe er laut gesagt „Der ist nicht fertig, der muss noch mal rein“, so hässlich habe er das Kind empfunden, gab er ehrlich zu.

Schock beim Wickeln

Beim ersten Wickeln habe er den „Schock seines Lebens“ bekommen: „Das ist ja grün! Ich sagte zu Margie: Hattest du was mit Joschka Fischer?“ Dann wollte er die Windel einfach wieder zumachen. „Stand ja schließlich drauf, dass die für sechs bis acht Kilo reicht.“ Und auch Margie hatte zu kämpfen: „Ich habe zwei linke Hände und bin nicht gut bastelig.“ Als Sohn Liam dann als Gurke beim Erntedankfest auftreten sollte, bastelte sie ihm ein Kostüm aus Rollrasen. „Er war dann eine haarige Gurke“, sagte sie. Überhaupt seien die Kindergarten- und Grundschulzeiten ihrer Söhne für sie ein Alptraum gewesen: „Die Mitteilungshefte oder Petzpost, wie wir sie nannten, oder das Bastelgeld, was ich ständig vergaß“.

Auch verreisen war mit so einer großen Familie nicht leicht. Mit sechs Kindern, Frau, Oma und zwei Hunden ging es einmal nach Pisa. „Die sieben Sekunden, als alle im Auto saßen und ich von außen rum bis zur Fahrertür gegangen bin, das war mein Urlaub“, scherzte Bill Mockridge. In der Zeit als Mockridge tagsüber in der Lindenstraße gespielt hat und Kinsky abends in der Springmaus aufgetreten ist, habe das Paar hauptsächlich über Zettel miteinander kommuniziert. Natürlich durfte auch hiervon eine Kostprobe nicht fehlen: Von Piercings und Tattoos, gesundem Kinderfrühstück, Schlangen, Klempner und dem Besuch der Oma flogen nur die Wortfetzen hin und her. Sehr zur Freude des Publikums.

Was das Geheimnis ihrer Liebe ausmache? Ihr Motto: „Die Tür bleibt auf, das Licht bleibt an.“ Dass dies eine besondere Liebe ist, bewies auch der tosende Applaus des Eschweiler Publikums, das sich auf diese Weise für zwei Stunden bester Unterhaltung bei Margie Kinsky und Bill Mockridge bedankte.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert