Bill Mockridge spricht den Alten Mut zu

Von: vr
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„Mit 45 bin ich gestolpert, mit 55 gefallen, jetzt stürze ich”, und zwar mitten ins Altsein hinein: Das, so wusste Bill Mockridge zu berichten, sei aber im Grunde genommen auch sehr befreiend. Foto: Volker Rüttgers

Eschweiler. „Nichts für Weicheier!”, „Generation Evolutionsbremse”, doch im Grunde genommen die „pure Narrenfreiheit”? Seit seinem eigenen Eintritt in die Rentner-Generation stellt Kabarettist Bill Mockridge die Frage: „Was ist, Alter?”.

So auch bei seinem Talbahnhof-Auftritt, bei dem der gebürtige Kanadier sein Eschweiler Publikum von der Evolutionsgeschichte bis zum Quiz „Wer wird Pensionär?” durch alle Facetten des Alter(n)s führte.

„Wann ist man eigentlich alt? Mit Erwerb der Altersrente, mit grauen Haaren oder wenn man noch das i-Phone 4 hat?”, Bill Mockridge stellte direkt zu Beginn seines per Power-Point-Präsentation didaktisch polierten Referats unbequeme Fragen. Aber mal im Ernst: Wollte man heute noch jung sein, „mit dieser Vollkasko-Mentalität: Vor dem Kinobesuch in Google noch schnell zweimal die Wegstrecke checken, ob es ein McDonald´s zur Einkehr unterwegs gibt, um dann über Facebook jedem, der es nicht wissen will, mitzuteilen, dass man sich einen Film anschaut, den man eigentlich gar nicht sehen will”?

Doch auch das Alter habe, so der 65-Jährige, seine Tücken. Da reiche ein Blick auf einen typischen Tag eines Rentners, der zwischen morgendlichem Schwimmen, Steuerberater-, Optiker- und Arztbesuchen, Golfplatz, Fußpflege, der Karnevalsvereins-Mitgliederversammlung und dem Kofferpacken für den nächsten Mallorca-Urlaub wirklich keine Zeit mehr habe. Da helfen auch die physiotherapeutischen Übungsfiguren „Schlangen-Töter” und „aufrechter Bär” kaum.

Mockridge, der als Gründer des „Springmaus”-Improvisationstheaters und in der Rolle des Erich Schiller in der TV-Serie „Lindenstraße” berühmt wurde, brilliert auf der Bühne, wenn er seinem Elan freien Lauf lässt und sich in Aufzählungen hineinsteigern kann.

Nicht jeder Witz in der ersten Hälfte seines Programms zündete auf Anhieb. So waren das Verteilen von Karamell-Bonbons als Belohnung für die richtigen Ant-worten im Quiz „Wer wird Pensionär?” und auch seine imaginären Reisen in die Länder mit den durchschnittlichen ältesten Menschen der Welt nicht unbedingt von hoher Originalität geprägt.

Stärken in der Beobachtung

Seine Stärken liegen eher im Beobachten anderer, in diesem Falle älterer Menschen, sowie in den ruhigen, nachdenklichen Tönen, die den zweiten Teil seines Auftritts klar dominierten. Auch hier war Lachen ausdrücklich erlaubt, sei es im Kindergarten-Interview in „Dingsda”-Manier oder bei der treffenden Charakterzeichnung der verschiedenen „Opa-Typen”. Doch zum Schluss seines Programms verrät Bill Mockridge, was er sich selbst für das Älterwerden vorgenommen hat: „Neugierig bleiben”, so wie Elsbeth Müller, die mit über 60 Jahren noch ein Un-ternehmen gegründet hat, so wie die Rolling Stones, die immer noch auf Welttournee gehen. Und er weiß: „Wir Alten werden eine ungeheure Macht in der Gesellschaft haben! Wir sollten das Altersprivileg genießen, dass andere uns vielleicht nicht immer für voll nehmen - das bedeutet: Narrenfreiheit.”

Dem Publikum im Eschweiler Talbahnhof jedenfalls gefiel diese Mischung aus Comedy und fast schon philosophischen Gedanken.
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