Eschweiler - Bilanz ist imposanter als die des FC Bayern

Bilanz ist imposanter als die des FC Bayern

Von: tob
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Ulli Ollesch. Marcel Görres und Mikael Otokunda (von links) freuen sich über den erneuten Erfolg. In den Händen halten sie die Pokale, die es für die Triumphe 2013, 2014 und 2015 gab.

Eschweiler. Die Erfolgsbilanz liest sich imposanter als die des FC Bayern München. Zwischen 1995 und 2015 fuhr die Landesauswahl NRW 17 Deutsche Meistertitel im Behindertenfußball ein. Vor wenigen Tagen gab es den dritten in Folge und am Erfolg waren auch zwei Kicker aus Eschweiler beteiligt: Mikael Otokunda (26) und Marcel Görres (23).

In die Landesauswahl dürfen Kicker, die in einer Behindertenwerkstatt arbeiten oder die eine Förderschule besuchen und deren IQ nicht höher als 75 ist. Ulli Ollesch arbeitet ebenfalls in Eschweiler und war an allen Meistertiteln als Trainer beteiligt. Seit 21 Jahren ist er genau genommen dabei, erreichte mit der Landesauswahl 20 Mal das Endspiel, bei denen die erwähnten 17 Titel heraussprangen. Bis einschließlich 2008 wurde um den Länderpokal gekickt, seit 2008 darf sich der Sieger Deutscher Meister nennen.

Beim jüngsten Titelgewinn musste die Mannschaft um Mikael Otokunda, Marcel Görres und Ulli Ollesch einige brenzlige Situationen übersetehn. NRW startete in der Vierergruppe (neun Teams nahmen teil, es gab eine Vierer- und eine Fünfergruppe) mit Hessen, dem Ausrichter Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg. In der ersten Partie hieß der Gegner Hessen und diese Landesauswahl hat keinen geringeren Trainer verpflichtet als Dragoslav Stepanovic, ehemaliger Coach von Eintracht Frankfurt.

NRW gewann knappt mit 2:1. Baden-Württemberg wurde mit 8:0 überrollt, bevor es zum Abschluss der Vorrunde ein 5:2 gegen den Gastgeber gab. Im Halbfinale stellte Mecklenburg-vorpommern beim 2:0-Erfolg ebenfalls keine große Hürde dar. Im Finale hieß der Gegner erneut Sachsen-Anhalt. Der Ausrichter hatte zuvor Bayern ausgeschaltet. „Sachsen-Anhalt hatte sich ein Jahr lang darauf vorbereitet, Meister zu werden“, sagt Ollesch und vom nach der Vorrunde von einigen vielleicht erwarteten leichten Spiel war nichts zu sehen.

Im Gegenteil: Sachsen-Anhalt ging gar in Führung, NRW konnte jedoch noch ausgleichen. Kritik übt Ulli Ollesch auch jetzt noch am Schiedsrichter, der fünf Tore seiner Auswahl zurückgepfiffen habe. Schließlich musste das Elfmeterschießen entscheiden, und auch in diesem lief die NRW-Auswahl zunächst einem Rückstand hinterher. Zwei Schützen trafen nicht, es stand 3:1 für Sachsen-Anhalt. Dann drehte NRW den Spieß jedoch herum, bis es schließlich 11:10 für den Rekordsieger hieß.

Für Ulli Ollesch sind die Erfolge keine Selbstverständlichkeit, hätten andere Länder doch wesentlich mehr Geld zur Verfügung. So nahm er mit wenig Freude auf, dass die vier Lehrgänge, die er mit seinem Team bislang vor dem großen Turnier absolvieren konnte, allesamt gestrichen wurden. Umso größer ist das Lob an seine Mannschaft für den Erfolg. Marcel Görres, der seit vier Jahren als Mittelfeldspieler auf Torejagd für die Mannschaft geht, und Abwehrspieler Mikael Otokunda, der seit sechs Jahren dabei ist, war der erneute Titelgewinn ein „tolles Erlebnis“, wie beide betonen.

Ein Lob gibt es hingegen für die unmittelbaren Vorgesetzten, die die Kicker jederzeit unterstützen und sie für die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft freistellen. „Wer sportlich aktiv und auch noch gut ist, ist auch am Arbeitsplatz gut“, ist sich Fredi Gärtner, Leiter Soziale Dienste bei der Caritas, sicher. Daher unterstütze man solche Sportprojekte gerne.

Zwar stehen Mikael Otokunda, Marcel Görres und Ulli Ollesch mit ihren fußballerischen Erfolgen im Rampenlicht, die Caritas-Verantwortlichen betonen jedoch auch, dass im Werk andere Sportarten angeboten werden – unter anderem Schwimmen, Laufen und Tischtennis. Neu ist das Projekt „Bewegung am Arbeitsplatz“, das Gabi Pfeiffer-Schirra, die den Sportbereich bei der Caritas leitet, auf den Weg gebracht hat. Dabei sollen sich die Beschäftigten während der Arbeitszeit immer wieder mal bewegen.

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