Eschweiler - Biber Herrmann findet in Weinbergen zurück zum Blues

Biber Herrmann findet in Weinbergen zurück zum Blues

Von: vr
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Er lebt jede einzelne Note seiner Songs: Biber Herrmann hatte beim Talbahnhof-Besuch auch Songs seines gerade acht Wochen alten Albums „Grounded“ im Gepäck. Foto: Volker Rüttgers

Eschweiler. Wenn ein Singer-Songwriter aus unserem Wohlstandsland die Legitimation auf den wahren Blues hat, dann er: Bei Wind und Wetter schwitzend in den Rüdesheimer Weinbergen fand er eigener Aussage nach „back to the blues“. Ein Winzer ist natürlich kein Baumwollpflücker und der Rhein ist auch nicht der Mississippi, aber Biber Herrmann singt Folk und Blues, als trage er die Gene von Dylan und Muddy Waters selbst in sich.

Wie es mit Eschweilers guten Vorsätzen stehe, wollte der sympathische Gitarrist am Freitagabend im Talbahnhof wissen und berichtete, dass er Gitarren faste. Dies bedeutet, dass er mittlerweile nur noch drei Gitarren mit auf die Bühne nimmt, darunter allerdings auch seine neueste Errungenschaft, die „Frau Cäsar“, auf deren Blech-Korpus er vor allem seine bluesigen Stücke zum Besten geben sollte.

„Maggie‘s farm“, „Can‘t be satisfied“, „The red rooster“, selbstverständlich gehören die Klassiker seiner Vorbilder Bob Dylan, Muddy Waters und Willie Dixon ebenso zu einem Abend mit Biber Herrmann wie seine eigenen Kompositionen, die einen tief in den Blues hinab ziehen, um dann im nächsten Augenblick durch atemberaubende Melodielinien wieder zurück zu holen, stetig umarmt von der warmen wie rauhen Stimme des Bluesmans auf der Bühne.

Oft sei nur eine Zeile eines Songtextes da, im Traum oder auf der Veranda seines Ferienhauses im Schwarzwald, während nebenan die Kettensäge im Wald bereits die nächste Idee für die Gitarrenstimmung vorgebe, Biber Herrmann ist ein intuitiver Singer-Songwriter, wie es sie nur noch selten gibt. Dabei lässt sich der Mann, der mit sechs Jahren durch seine Mutter an das Klavierspielen und die Musik herangeführt worden ist, von seiner Stimmung und dem Leben „on the road“, das er immer wollte, führen.

Auf diese Weise entstand auch „Wooley‘s flat“, ein Song des aktuellen Albums „Grounded“, mit dem Biber die chaotische Wohnung eines Kleinkunstbühnen-Besitzers in Erlangen besingt, die jedem dort auftretenden Künstler zur Übernachtung offen steht.

Ob auch Walter Danz‘ Talbahnhof-Umkleide seinen Weg in die Herrmann‘sche Lyrik finden wird, ist nicht bekannt, auf jeden Fall fühlte sich der „Saitensprünge“-Protagonist sichtlich wohl und gab bereitwillig Auskunft über die Hintergründe seiner Songs, in denen es um all die Dinge geht, die uns bewegen: Krieg („Rain of love“), Liebe („The soviet baby blues“), Hoffnung („Have a little faith“) und Freundschaft („Got my mojo working“).

Letztere hat ihn lange Jahre mit dem 2013 verstorbenen Konzert-Guru Fritz Rau verbunden, an den Biber Herrmann mit diversen Songs und amüsanten Geschichten erinnerte.

Als besonderes Highlight erlaubte der immer neue Stimmungen erfindende Gitarrist auch einen Blick in seine Trickkiste und gab einen Crash-Kurs im Slapping, Picking und Strumming, auf Wunsch einzelner Konzertbesucher in der Pause.

Tief schürfende Texte, wunderbare Stimmungen, atemberaubende Technik und ein Höchstmaß an Authentizität: Biber Herrmann zählt zu Recht zu den ganz großen Singer-Songwritern und hätte auch in den Südstaaten seine Fans. Das steht fest.

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