Bewegender Appell: „Sehen Sie in uns auch den Menschen“

Von: ran
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Bewegende Schicksale: Millionen Menschen befinden sich derzeit auf der Flucht. Foto: Felipe Dana/AP/dpa

Eschweiler. Die Zahl ist unvorstellbar: Mehr als 65 Millionen Menschen befinden sich weltweit auf der Flucht. Bewegender Vortrag im Rahmen des Projekts „Integration von Flüchtlingen im Quartier Eschweiler-West“. Zwei Syrer berichten den Gästen.

Viele, aber bei weitem nicht alle Flüchtlinge machen sich auf den Weg nach Europa. Alleine in den ersten zehn Monaten des Jahres 2015 kamen laut EU-Kommission fast 700.000 Menschen auf der sogenannten „Balkanroute“ über Griechenland nach Westeuropa. Seit über einem Jahr ist diese Balkanroute aber nun geschlossen. Zusammen mit dem „EU-Türkei-Abkommen“ hat dies zu einer deutlichen Reduzierung von ankommenden Flüchtlingen in Deutschland geführt.

Dennoch: Weiterhin gelangen Flüchtlinge unter lebensgefährlichen Bedingungen über das Mittelmeer nach Europa! Im Rahmen des Projekts „Integration von Flüchtlingen im Quartier Eschweiler-West“ informierte nun Quartiermanager Raphael Kamp vor zahlreichen Zuhörern im Familienzentrum „Zauberhut“ über die neu entstandenen Flüchtlingsrouten und die Auswirkungen, die die Schließung der Balkanroute nach sich zieht.

Blick in die Zukunft

Darüber hinaus warf Raphael Kampf einen Blick in die Zukunft. Ihm zur Seite standen mit Mohammad Aldiban und Tamman Zahaer zwei im Quartier Eschweiler-West lebende Flüchtlinge aus Syrien, die innerhalb des Projekts ehrenamtlich tätig sind und die Zuhörer mit ihren Worten stark beeindruckten.

„Sehen Sie in uns bitte nicht nur den Flüchtling, sondern den Menschen“, so der Appell von Mohammad Aldiban zu Beginn der Informationsveranstaltung. „Wir alle tragen in uns individuelle Besonderheiten, auch Fehler. Gerade dies macht uns zu Menschen. Die fünf bewohnten Kontinente sind wie die fünf Finger: Blutet einer, schmerzt die ganze Hand“, so der Syrer, der nach einer 25-tägigen Flucht, die ihn aus seiner Heimat über die Türkei, Algerien, Tunesien, Libyen, Malta, Italien und Österreich nach Deutschland führte, nun seit einem halben Jahr in Eschweiler lebt.

Tamman Zahaer hat während seiner Flucht Familienmitglieder verloren. Seine Frau und die vierjährige Tochter musste er nach Syrien zurückschicken, da sie den Strapazen der Flucht nicht mehr gewachsen waren. „Unsere Hoffnung ist ein Leben in Frieden und Demokratie. Ich danke Deutschland und der Bevölkerung in Eschweiler, die sehr hilfsbereit ist. Doch ohne meine Frau und meine Tochter ist das Leben für mich sehr schwierig. Es vergeht keine Stunde, in der ich nicht an sie denke. Ob aber eine Zusammenführung möglich sein wird, ist unklar“, so die bewegenden Ausführungen.

Raphael Kamp stellte anschließend unterschiedliche Wege vor, auf denen flüchtende Menschen den Weg nach Europa suchen. „Noch im Jahr 2006 war die westafrikanische Route mit dem Ziel Kanarische Inseln und mit über 30.000 Personen die Route schlechthin. Heute spielt dieser Weg kaum noch eine Rolle, da es Vereinbarungen gibt, die auf den zu Spanien gehörenden Inseln ankommenden Menschen sofort wieder in ihre Herkunftsländer zurückzuschicken“, so der Quartiermanager.

Inzwischen sei die zentrale Mittelmeerroute, die über Agadez im Niger und anschließend direkt oder indirekt von Libyen aus in Richtung der italienischen Insel Lampedusa oder Malta führt, an diese Position gerückt. „Libyen ist ein gescheiterter Staat mit derzeit mindestens zwei selbsternannten Regierungen. Darüber hinaus spielt der sogenannte Islamische Staat dort ebenso eine Rolle“, sieht Raphael Kamp die Europäische Union in Libyen auf „verlorenem Posten“.

Und nicht nur dort: „ Die Balkanroute ist geschlossen, doch notleidende Menschen suchen sich andere Wege. Trotz zahlreicher Abkommen mit den unterschiedlichsten Ländern nimmt die Zahl der Flüchtlinge weltweit nicht ab. Unter den derzeit gegebenen Umständen lässt sich die Migration nicht stoppen“, so der Ausblick von Raphael Kamp.

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