Betreuungsmangel: Zukunft der Ferienspiele ist ungewiss

Von: Sonja Essers
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Noch können Sabrina Frings, Ina Kahlen, Lea Pfeiffer und Denise Schumacher (von links) als Betreuer beim Kinderferienwerk Röhe helfen. Die jungen Frauen wünschen sich, dass es mehr junge Erwachsene geben würde, die sich ehrenamtlich engagieren. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Der Mangel an Betreuern bringt nicht nur die Verantwortlichen an ihre Grenzen. Die junge Erwachsene hoffen auf mehr Ehrenamtler. Nur so kann die Zukunft der Ferienspiele gesichert werden.

Gesucht werden offene, sozial engagierte, freundliche und geduldige Personen. Ihre Aufgaben: Sie übernehmen die Verantwortung für Kinder zwischen sechs und 14 Jahren und begleiten sie während der Sommerferien rund zwei Wochen lang täglich acht Stunden.

Ihr Lohn: viele strahlende Kinderaugen und vielleicht ein bisschen Muskelkater vom Toben. Seien Sie ehrlich: Würden Sie sich auf eine solche Stelle bewerben? Sabrina, Denise, Ina und Lea haben es getan. Die vier jungen Frauen sind Ehrenamtler und begleiten die Ferienspiele des Kinderferienwerks Röhe. Ihnen macht die Arbeit mit den Kindern Spaß. Betreuermangel herrscht trotzdem. „Wir arbeiten hart an der Grenze“, sagt Heinz-Peter Wiesen, Vorsitzender des Kinderferienwerks und des Stadtjugendrings Eschweiler. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig, die Meinungen gehen allerdings auseinander.

Wie eine große „Familie“

Seit drei Jahren ist Sabrina Frings Jugendbetreuerin in Röhe. Zu den Ferienspielen, die dort bereits seit 1974 stattfinden, hat sie eine ganz besondere Verbindung. „Ich habe als Kind hier schon mitgemacht und das hat mir immer so viel Spaß gemacht“, sagt sie. So richtig trennen, konnte sich die Schülerin vom Kinderferienwerk nicht. Schließlich verbindet sie mit diesem nicht nur viele schöne Erinnerungen, sondern hat im Laufe der Jahre auch zahlreiche Freundschaften schließen können. „Wir sind wie eine Familie“, beschreibt sie den Zusammenhalt der Gruppe.

Noch ist es für Sabrina kein Problem als Betreuerin bei den Ferienspielen zu helfen. Doch bereits im kommenden Jahr kann dies ganz anders aussehen. Dann macht die 17-Jährige ihr Abitur. „Wenn du danach mit einer Ausbildung anfängst und die Sommerferien ungünstig liegen, kannst du nicht mehr dabei sein“, sagt Betreuerin Lea Pfeiffer. Dass die 20-Jährige in diesem Jahr mit von der Partie ist, sei reines Glück. Erst vor wenigen Wochen beendete sie ihr freiwilliges soziales Jahr, im Wintersemester beginnt ihr Studium. Ob sie im kommenden Jahr noch dabei sein wird? „Ich will es auf jeden Fall versuchen“, sagt sie.

Ein Umstand, der nicht nur die Verantwortlichen, sondern auch die Betreuer belastet. „Wir machen uns schon regelmäßig darüber Gedanken, was passiert, wenn wir nicht mehr als Betreuer dabei sein können. Ich kann mir einfach nicht vorstellen gar nicht mehr dabei zu sein“, sagt Denise Schumacher. Auch sie besucht die Röher Ferienspiele seit dem Kindesalter. Die angehende Erzieherin ist der Meinung: „Wenn ich könnte, dann würde ich mir dafür auch Urlaub nehmen.“

Eine Einstellung, die allerdings eher selten vorkommt. „Die, die wollen, können oft nicht und die, die können, wollen oft nicht“, meint Heinz-Peter Wiesen. Nicht nur der Vorsitzende des Stadtjugendrings weiß, dass dies mehrere Gründe haben kann. „Das Problem ist da, aber die Gründe dafür sind vielschichtig“, sagt Winand Schönchens, Vorsitzender des Ferienwerks Weisweiler, das Reisen für Kinder und Jugendliche anbietet. Nicht nur den demografische Wandel und die Ganztagsbetreuung an den Schulen sieht Schönchens als problematisch an. „Früher konnten wir auf die Reisen auch Betreuer mitnehmen, die noch nicht 18 Jahre alt waren. Die Situation hat sich aber so verschärft, dass das heute nicht mehr möglich ist“, sagt der Indestädter.

Diese Erfahrung hat auch Klaus Millbrett gemacht, Leiter des Ferienspiele in St. Barbara. Wer heute als Betreuer tätig sein will, der muss nicht nur sein polizeiliches Führungszeugnis vorzeigen. Auch ein Erste-Hilfe-Kurs und Schulungen zum Thema Kindeswohlgefährdung sind ein Muss. Entwicklungen, die Millbrett zwar befürwortet, die in manchen Situationen allerdings nicht hilfreich sind. „Es ist nicht mehr möglich spontan Betreuer zu rekrutieren“, sagt er. Wenn eine Mutter für einen erkrankten Betreuer einspringen wolle, sei dies nicht möglich. „Sie müsste erst einmal ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Das muss zunächst beantragt werden und das dauert“, sagt Millbrett.

Probleme Betreuernachwuchs zu finden, habe er nicht. Jahr für Jahr melden sich etliche Teilnehmer, die Hilfsbetreuer werden möchten. Diese Erfahrung hat auch Melanie Lumma gemacht. „Wir haben keine Probleme mit ehrenamtlichen Helfern. Ich versuche es den Helfern auch schön zu gestalten. Keiner soll sich in den Ferien überanstrengen und wir haben nur für die Betreuer eine Belohnung. Das kann ein Grillabend sein oder etwas Ähnliches“, meint die Leiterin der Ferienspiele der Evangelischen Kirchengemeinde Weisweiler-Dürwiß. Anerkennung erhalten Ehrenamtler auch von der Stadt Eschweiler, die seit 2001 jährlich den Tag des Ehrenamtes veranstaltet (siehe Box).

Mehr Betreuer, mehr Kinder

Millbrett bringt das Problem folgendermaßen auf den Punkt: „Ein Nachwuchsproblem haben wir nicht, aber dafür ist es schwieriger erwachsene Betreuer zu finden.“ Das meint auch die 20-Jährige Denise Schumacher. „Es wäre schon toll, wenn wir davon noch zwei oder drei hätten. Wenn es mehr Betreuer geben würde, dann könnten auch mehr Kinder an den Ferienspielen teilnehmen.“

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