Betreuung im Betrieb ermöglicht Mama Job

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
7455180.jpg
Betriebliche Kinderbetreuung soll Alleinerziehenden erleichtern, Arbeit und Kind unter einem Hut zu bekommen. Foto: Stock/wolterfoto

Eschweiler. Kindergartenplätze sind vorhanden. Dennoch ist vielen Alleinerziehenden damit nicht geholfen, weil sich die Öffnungszeiten der Kita nicht mit den Arbeitszeiten decken. Andere Betreuungsformen wie Tagesmutter sind manchmal zu kostspielig.

Und ohne Job droht erst recht die Armut. Ein Teufelskreis. Das Netzwerk „Flügelschlag – Starke Kinder an der Inde“ will Alleinerziehenden, aber auch jungen Familien einen neuen Weg zeigen: die betriebliche Kinderbetreuung. Hierfür will das Netzwerk Unternehmen mit ins Boot holen.

Dieses Angebot kann sich für eine Firma durchaus rechnen, denn im Gegensatz zu einem Betriebskindergarten sind die Kosten und Auflagen geringer. Für die Mitglieder des Netzwerkes birgt diese Form zudem den Vorteil, dass die Betreuung an den Arbeitszeiten flexibel angepasst werden kann. „Im Zuge des demografischen Wandels muss den Unternehmen daran gelegen sein, dass sie qualifiziertes Personal halten können, weil sie eine entsprechende Betreuung anbieten“, hofft Angelika Henn. In den nächsten Wochen werden die Betriebe angeschrieben und gefragt, ob sie sich an dem Projekt beteiligen wollen.

Und so funktioniert die betriebliche Kinderbetreuung: Mit dem Unternehmen gemeinsam wird das Angebot vorbereitet. Bis zu fünf Kinder können von einer Tagespflegeperson betreut werden, bei bis zu neun sind zwei oder drei Betreuer erforderlich. Die Räume werden vom Betrieb zur Verfügung gestellt. Für die Ausstattung ist er ebenfalls zuständig, allerdings bestehen Möglichkeiten, Fördermittel zu erhalten. Wege an die Fördertöpfe zeigt das Jugendamt. Letztlich werden noch die Betreuungszeiten festgelegt, die die Angestellten der Firma für ihre Kinder nutzen können. Damit alle Räder problemlos ineinandergreifen ist die städtische Fachberatung „Kindertagespflege“ eingebunden.

„Alleinerziehende Mütter durch eine berufliche Tätigkeit vor Armut zu schützen, ist besser als jedes Projekt“, nennt Mariethres Kaleß vom Kinderschutzbund die Zielsetzung der Initiative. Neben dem Kinderschutzbund sitzen auch Vertreter der Awo-Schwangerschaftsberatungsstelle, des Jugendamtes, des VabW, des UWG-Frauenarbeitskreises, des AsF und Skf sowie der Gleichstellungsstelle und der Beratungsstelle der Städteregion mit am Tisch der Arbeitsgemeinschaft.

Sie alle gemeinsam wollen Alleinerziehenden die Möglichkeit geben, Arbeit und Kind unter einen Hut zu bekommen. Und dies ist keineswegs einfach: „Wenn morgens um 7 Uhr erst der Kindergarten öffnet und ich um 6 Uhr auf der Arbeit sein muss, dann ist schon ein Problem da“, berichtet Angelika Henn. Vor allem in Pflegeberufen, in denen derzeit schon qualifiziertes Personal gesucht wird, sind Schichtdienste üblich, und der Frauenanteil der Beschäftigten dort ist sehr hoch.

Scheitern Betriebskindergärten an der Größe des Unternehmens und an den hohen Begleitkosten, so sind bei der betrieblichen Kinderbetreuung leicht Kooperationen zwischen Firmen möglich. Zudem bleibt offen, ob die Tagesmütter oder -väter fest angestellt werden oder gegen Honorar arbeiten. Dies verringere das Risiko für ein Unternehmen, sagt Mariethres Kaleß. Unter dem Strich gebe es bei diesem Weg in ihren Augen zwei Gewinner: Angestellte und Unternehmer. „Fürs Betriebsklima ist es in jedem Fall gut, denn Alleinerziehende wissen ihre Kinder in guten Händen in unmittelbarer Nähe ihrer Arbeitsstelle und sind dadurch weniger abgelenkt, stressfreier und deutlich motivierter“, ergänzt Angelika Henn.

Im nächsten Jahr soll die Initiative in Eschweiler erste Früchte tragen, dann soll die erste betriebliche Kinderbetreuung starten.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert