Besser kann eine Premiere einfach nicht sein

Von: Andreas Röchter
Letzte Aktualisierung:
14538105.jpg
Brillante Vorstellung: Beim Premieren-Dirigat von Jeremy Hulin rissen Chor und Orchester der Städtischen Musikgesellschaft das Publikum zu frenetischem Beifall hin. Foto: Andreas Röchter
14538118.jpg
Ausdrucksstark und voller Hingabe: Der Chor der Städtischen Musikgesellschaft interpretierte unter anderem den „Liebeslieder-Walzer Op. 52“ von Johannes Brahms Foto: Andreas Röchter
Jeanne Jansen
Berührend: Die 17-jährige Sopranistin Jeanne Jansen verzückte die Konzertgäste während ihres Gesang-Solos vollends. Foto: Andreas Röchter
Tomoko Yoneyama
Traumhaft: Pianistin Tomoko Yoneyama verzauberte ihre Zuhörer mit Beethovens „Fantasie für Klavier“. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Große Namen standen am Samstagabend auf dem Programm: Johannes Brahms und Ludwig van Beethoven. Literarische Verstärkung erhielt das Duo der musikalischen Genies durch keinen Geringeren als Johann Wolfgang von Goethe. Und im Geiste waren auch Klavier-Virtuosin Clara Schumann und der Meisterviolinist Joseph Joachim zugegen.

So stellten sich die spürbar erwartungsvollen Gäste des Konzerts der Städtischen Musikgesellschaft in der vollbesetzten Aula des Städtischen Gymnasiums vor dem Erklingen der ersten Melodie sicherlich die Frage, ob sich Chor und Orchester unter dem Premieren-Dirigat des neuen Ensemble-Leiters Jeremy Hulin der anspruchsvollen Aufgaben gewachsen zeigen würden?

Rund zwei Stunden später waren keinerlei Zweifel mehr vorhanden. Die Zuhörer, darunter auch der ehemalige Chor- und Orchesterleiter Horst Berretz, der die Geschicke der Gesellschaft drei Jahrzehnte maßgeblich prägte, erhoben sich von ihren Sitzplätzen und spendeten frenetischen und dankbaren Applaus.

Diesen erhielten die Sängerinnnen und Sänger sowie die Instrumentalisten der Städtischen Musikgesellschaft, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert, auch von ihrem neuen „Chef“ und einer professionellen Musikerin der Extraklasse: Die großartige Pianistin Tomoko Yoneyama begeisterte zum krönenden Abschluss des Konzerts, das unter dem Titel „Eine Sommerserenade“ stand, mit einer meisterhaften Interpretation der „Fantasie für Klavier, Chor und Orchester Op. 80“ von Ludwig van Beethoven und bildete dabei eine wunderschöne Symbiose mit den Protagonisten der Musikgesellschaft.

Beethoven und Brahms

Auch der Start in die neue Ära der Gemeinschaft war dem 1770 in Bonn geborenen Musikgiganten gewidmet: Ludwig van Beethoven, der in den Jahren 1811 und 1812 einen regen Gedankenaustausch mit dem von ihm hochverehrten Dichter Johann Wolfgang von Goethe unterhielt, vertonte wenige Jahre später dessen Gedichte „Meeresstille“ und „Glückliche Fahrt“ zu einer Kantate.

Nach dem schwermütigen, aber stimmlich anspruchsvollen Beginn, der in den Worten „Keine Luft von keiner Seite! Todesstille fürchterlich!“ seinen Ausdruck findet, gelang es Chor und Orchester unter dem energischen Dirigat von Jeremy Hulin eindrucksoll, hymnisch den Wind und die Wellen zu entfesseln und das rettende Land in Sichtweite kommen zu lassen.

Inmitten der Klammer Beethoven setzte sich die Musikgesellschaft mit zwei sehr unterschiedlichen Werken von Johannes Brahms auseinander. Die Sammlung kurzer Lieder, denen der Komponist unter dem Titel „Liebeslieder-Walzer Op. 52“ eine „lyrisch-schwelgerische“ Note gab, forderte von Sängern und Instrumentalisten höchste Konzentration und Genauigkeit. Die 17-jährige Sopranistin Jeanne Jansen setzte einen elektrisierenden Kontrapunkt mit ihrem gelungenen Solo.

Nach der Pause stellte sich das Orchester der Herausforderung einer „Beinahe-Symphonie“ von Brahms, der der Komponist und Pianist schließlich den Titel „Serenade Nr. 1 Op. 11“ gab, nachdem er eine frühere Fassung seinen Freunden Clara Schumann und Joseph Joachim im Jahr 1858 vorgestellt hatte.

Grandiose Leistung

Das Orchester der Musikgesellschaft präsentierte den 1. Satz Allegro molto und strebte melodiös und ausschweifend, aber dennoch feingliedrig, dem klanglichen Höhepunkt des Werkes entgegen. Ein Musikerlebnis der besonders gelungenen Art bescherten dann alle Konzert-Mitwirkenden ihren Zuhörern mit der Wiedergabe von Beethovens „Fantasie für Klavier, Chor und Orchester Op. 80“.

„Wobei ich hoffe, dass wir im Hinblick auf die Erstaufführung im Jahr 1811 nicht allzu authentisch auftreten werden“, bemerkte Jeremy Hulin schmunzelnd. Schließlich wird die damalige Ausführung als schlecht bezeichnet.

Selbst Beethoven, der bei dieser Gelegenheit letztmals öffentlich als Pianist auftrat, hatte wohl nicht den besten Tag innerhalb seines unvergleichlichen Lebenswerkes erwischt. Das Chaos während der Chor-Fantasie soll irgendwann sogar so groß gewesen sein, dass die Beteiligten den Entschluss fassten, abzubrechen und von vorne zu beginnen.

Da Capo zum Finale

Davon konnte am Samstag in der Aula des Städtischen Gymnasiums allerdings keine Rede sein. Obwohl Tomoko Yoneyama gemeinsam mit Chor und Orchester den beinahe ekstatischen Schlussteil der Komposition ebenfalls ein zweites Mal darbrachten. Aber nicht wegen vorherigem Chaos, sondern auf Grund des stürmischen Beifalls, den die grandiose Leistung aller Mitwirkenden vollkommen zu Recht herausgefordert hatte.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert