Eschweiler - Beschützern von einst fehlt der Nachwuchs

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Beschützern von einst fehlt der Nachwuchs

Von: Sonja Essers
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Mit ernster Miene und reichlich Edelmetall: Auch heute noch sehen sich Schützen und ihre Bruderschaften allerorten als für das Gemeinwohl bedeutsame Institution. Foto: Rudolf Müller
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In Neu-Lohn ist die Schützenwelt noch in Ordnung: Jungschützenführer Andreas Sevenich freut sich über viele junge Mitglieder. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Die Mitgliederzahlen sinken. Immer weniger Jugendliche zeigen Interesse. Dies stellt die Schützenbruderschaften der Indestadt vor große Probleme. Sogar Fusionen und Zusammenlegungen einiger Bruderschaften werden in den kommenden Jahren nicht mehr ausgeschlossen.

Dies zumindest meint der Bezirksbundesmeister Dieter Woche. Dabei gibt es durchaus auch positive Beispiele, wie Jugendarbeit bei den Schützen funktioniert. Am Sonntag stehen die Grünröcke wieder im Mittelpunkt: Dann findet der Tag der Schützen in Eschweiler statt.

Ursprünge bis weit ins Mittelalter

Das heutige Schützenwesen hat mit seinen Ursprüngen nur noch wenig gemein: Seine Entstehung reicht in Deutschland bis weit in das Mittelalter zurück. Ursprünglich wurden die Bruderschaften gegründet, um während des Krieges, bei Seuchengefahren und Glaubensstreitigkeiten Haus und Hof zu schützen. „Man kann sagen, dass die Bruderschaften in der Frühzeit ihres Bestehens reine Selbstschutzgemeinschaften waren“, erläutert Dieter Woche. Da sie diesen Zweck heute nicht mehr erfüllen müssen, widmen sie sich anderen Aufgaben. Neben dem Schießsport und dem Fahnenschwenken trage man vor allem zur Förderung freundschaftlicher Beziehungen bei, erklärt Woche. „Außerdem erfüllen wir getreu unserem Leitspruch ,Für Glaube-Sitte-Heimat‘ in unseren Pfarren kirchliche und caritative Aufgaben“, so der Bezirksbundesmeister weiter.

Trotz dieser Vielseitigkeit ist es jedoch für die meisten Bruderschaften nicht leicht, junge Mitglieder zu finden. „Wie in vielen Bereichen, in denen Jugendarbeit geleistet wird, fehlt es auch den Bruderschaften an Nachwuchs“, macht Woche deutlich und fügt hinzu: „Dies ist ein Problem, das sich in den vergangenen Jahren noch verschärft hat.“ In Statistiken spiegelt sich der Trend allerdings nur bedingt wider, denn die Gesamtzahl der Mitglieder in Bruderschaften ist seit 2005 mit etwa 1650 konstant, allerdings zählt der Bezirksverband inzwischen eine Bruderschaft mehr: Die Ambrosius-Schützen bringen es auf 133 Aktive. Die meisten Traditionsbruderschaften in Eschweiler verzeichnen jedoch einen Mitgliederschwund: Die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Hehlrath hat in den vergangenen acht Jahren 58 Mitglieder verloren. Das entspricht 38,4 Prozent. Die St.-Longinus-Schützenbruderschaft Ost verzeichnet inzwischen 74 Mitglieder, 35 Menschen oder 32,1 Prozent weniger. Positiv sticht die Bergrather St.-Hubertus-Schützenbruderschaft heraus, die ein sattes Plus von 24,1 Prozent der Mitglieder in den vergangenen acht Jahren melden (siehe Box).

Um junge Leute zu gewinnen, unternehmen die Bruderschaften viel: Dazu zählen neben Gruppennachmittagen auch Zeltlager, Ausflüge und natürlich die Mitgestaltung der Schützenfeste. Auch die Ausbildung in Schießsport und Fahnenschwenken sowie die Teilnahme an Wettkämpfen auf Bezirks-, Diözesan- und Bundesebene bilden weitere Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche, die sich einer Bruderschaft anschließen.

Weniger Nachwuchssorgen hat die St.-Sebastianus- und St.-Josef-Schützenbruderschaft Neu-Lohn. „Bei uns kommt der Nachwuchs von selbst“, meint Jungschützenführer Andreas Sevenich. Vor allem der Zusammenhalt und die tolle Gemeinschaft sind für viele der 15- bis 25-Jährigen im Verein ausschlaggebende Kriterien. „Auf dem Dorf ist es jedoch anders als in der Stadt. Wer hier wohnt, meldet sich fast automatisch bei den Schützen an“, gibt Sevenich zu.

Die 25 Jungschützen der Bruderschaft sind nicht nur sehr aktiv, sondern auch ein eingespieltes Team. „Besonders stolz sind wir auf unsere Zeltsause, die wir jedes Jahr eigenständig planen und veranstalten.“ Dafür ernte man auch von den anderen Mitgliedern der Bruderschaft sehr viel Respekt. Gemeinsam gestalte man zudem den Kreuzweg und nehme an Ausmärschen teil. Auch das Verhältnis zu den Bruderschaften der Indestadt sei sehr gut, berichtet der 22-Jährige: „Wir besuchen regelmäßig Feste von anderen Bruderschaften und diese kommen auch gerne zu uns.“ Von Konkurrenz ist also keine Rede.

Dies bestätigt auch Dieter Woche: „Generell ist das Verhältnis der Eschweiler Bruderschaften sehr harmonisch. Konkurrenz gibt es nur auf Wettkampfebene und das ist nun mal sportlich.“

Um den Gemeinschaftssinn zu stärken, findet am Sonntag zum zweiten Mal der Tag der Schützen statt. Dies ist die erste Zusammenkunft aller Bruderschaften des Jahres. In großer Runde stehen die Siegerehrungen im traditionellen und sportlichen Schießen im Bezirk auf dem Programm. Außerdem werden an diesem Tag die neuen Bezirksmajestäten vorgestellt.

„Wir freuen uns besonders darüber, dass dieser Tag von allen Bruderschaften sehr gut angenommen worden ist“, berichtet der Bezirksbundesmeister. Doch Woche warnt davor, sich auf dem bereits Erreichten auszuruhen: „Die Mitgliedschaften in den Bruderschaften sinken stetig, und das Durchschnittsalter der aktiven Schützen steigt. Dies zeigt, dass in den nächsten Jahren Probleme auf einzelne Bruderschaften zukommen können und werden.“ Sogar Fusionen und Zusammenlegungen einiger Bruderschaften schließt er in den kommenden Jahren nicht aus: „Wie in vielen anderen Bereichen werden auch wir vermutlich nicht um so etwas herumkommen.“ Trotzdem bleibt Woche optimistisch: „Ich bin der festen Überzeugung, dass das Brauchtum weiter gepflegt werden kann.“

Auch den Jungschützen aus Neu-Lohn liegt sehr viel an der Weiterführung des Brauchtums. „Egal, ob Jung oder Alt, gemeinsam haben wir immer viel Spaß, und diesen generationsübergreifenden Zusammenhalt wollen wir in den nächsten Jahren aufrecht erhalten“, betont Sevenich. Bei solch einer aktiven Jugend scheint nicht nur der Erhalt des Brauchtums, sondern auch die erfolgreiche Suche nach einem Schützenkönig für die kommenden Jahre gesichert.

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