Eschweiler - Berufsmusiker: Fünf Stunden Klavier täglich sind Pflicht

Berufsmusiker: Fünf Stunden Klavier täglich sind Pflicht

Von: ran
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Brachte zahlreichen Schülern seinen Weg zum erfolgreichen Konzertpianisten näher: Benyamin Nuss besuchte im Rahmen des Projekts „Rhapsody in School“ das Städtische Gymnasium. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Das Eis zwischen dem Musiker und den Schülern war sehr schnell gebrochen: „Ich bin es gar nicht mehr gewohnt, so früh aufzustehen, freue mich aber, nochmal in der Schule zu sein“.

So begrüßte der aufstrebende Pianist Benyamin Nuss, der seit 2008 an der Musikhochschule Köln, Abteilung Aachen, das Fach „Klavier“ studiert, zu Beginn seines 60-minütigen Besuchs des Städtischen Gymnasiums augenzwinkernd seine jungen Zuseher und -hörer.

Im Rahmen des bundesweiten Projekts „Rhapsody in School“ brachte der Instrumentalist den Schülern der 9. Jahrgangsstufe in einer lockeren Gesprächsrunde seinen Weg zum erfolgreichen Konzertpianisten näher, nachdem er zuvor einige kurze Kostproben seines großen Könnens offenbart hatte, dabei seine Finger über die Tasten hatte fliegen lassen und mit lautstarkem Applaus der Schüler belohnt worden war.

Anschließend prasselten die Fragen nur so auf den Pianisten, der in wenigen Tagen 26 Jahre alt wird, ein. Etwa, ob er die Werke, die er spiele, immer auswendig könne? „Nicht immer! Aber für einen Pianisten ist es ein absolutes Muss, in der Lage zu sein, Stücke auswendig zu spielen. Dies ist zu Beginn schwierig, lässt sich mit der Zeit und zunehmender Erfahrung aber immer besser bewerkstelligen“, so Benyamin Nuss, dessen Tagespensum am Klavier in der Regel bei vier bis fünf Stunden liegt. Doch wie sehen denn die Zukunftsaussichten für einen klassischen Pianisten aus? „Es ist sicherlich nicht einfach, den Beruf des Pianisten erfolgreich auszuüben. Voraussetzung ist, vollkommen hinter seinem Tun zu stehen und immer alles zu geben. Hat man dies verinnerlicht, gibt es Chancen. Mein Traum wäre es, im Optimalfall einmal ausschließlich Konzerte spielen zu können. Aber auch ein Job als Lehrer an einer Musikhochschule hat seine Reize!“

Der Weg von Benyamin Nuss zur Musik war übrigens vorgezeichnet: „Mein Vater ist als Posaunist auch Musiker von Beruf, deshalb kam ich schon sehr früh mit Musik in Berührung. Schon mit einem Jahr habe ich auf dem Klavier herumgeklimpert. Zwischendurch habe ich es auch einmal mit der Trompete versucht. Doch das war mir zu anstrengend. Das Klavier mit seinen 88 Tasten reicht mir.“ Die Notwendigkeit für einen Musiker, bei der Wiedergabe unterschiedlichster Werke sich immer wieder in andere Emotionen hineindenken zu müssen, sei faszinierend und durchaus mit der Schauspielerei zu vergleichen. Und generell komme es bei allen Musikstilrichtungen immer vor allem auf die Qualität an. „Ob Klassik, Jazz, Rock oder Pop: Es gibt nur gute oder schlechte Stücke“, betonte der Pianist, der bei einem Konzert auch schon einmal vor 5000 Zuhörern sein Können unter Beweis stellte und ganz nebenbei auch selbst komponiert.

Eigenkreationen

So stellte Benyamin Nuss im Städtischen Gymnasium neben Werken der Komponisten Villa Lobos und Nobuo Uematsu den Schülern mit der „Elegie for Fukushima“ auch eine Eigenkreation vor. Faszinierend am Klavier sei die Vielschichtigkeit des Instruments, das nicht mit anderen Instrumenten zu vergleichen sei. „Am Klavier ist es möglich, Akkorde zu spielen. Das geht ansonsten nur noch mit der Gitarre“, erklärte der gebürtige Bergisch-Gladbacher, der in Aachen lebt.

Und welche Begebenheit war die schönste, die Benyamin Nuss bisher als Pianist erlebt hat? „Ich durfte einige Konzerte in China geben. Die Menschen dort sind noch nicht so sehr mit der klassischen Musik vertraut. Deshalb ist ihr Verhalten bei Konzerten für unser Denken manchmal etwas außergewöhnlich. Aber die Menschen in China sind sehr dankbar und drücken dies auch auf sehr beeindruckende Weise aus“, beantwortete Benyamin Nuss auch die letzte Frage, bevor es für die Schüler der Lehrer Linda Endenich, die den Kontakt zu den Verantwortlichen des „Rhapsody in School“-Projekts hergestellt hatte, und Peter Schulz auch noch Autogramme des sympathischen jungen Musikers gab.

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