Bertram will wieder Bürgermeister werden

Von: Andreas Röchter
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Mit 64 von 65 Stimmen wurde Rudi Bertram (Mitte) von den Delegierten der SPD-Stadtwahlkonferenz zum Bürgermeisterkandidaten für die Kommunalwahl 2014 gewählt. Mit ihm freuten sich Leo Gehlen (links) und Stefan Kämmerling.
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Die Delegierten der SPD-Stadtwahlkonferenz erhoben sich zu Ehren Leo Gehlens von ihren Stühlen. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. An der 100-Prozent-Hürde ist er dann doch – denkbar knapp – gescheitert: 65 Delegierte aus sechs Ortsvereinen waren während der Stadtwahlkonferenz des SPD-Stadtverbandes zur Kommunalwahl 2014, die am Freitagabend im Bürgerhof „Haus Flatten“ stattfand, stimmberechtigt, 64 Genossen gaben Rudi Bertram ihre Ja-Stimme, die Sozialdemokraten als Bürgermeisterkandidat in den Wahlkampf zu führen.

„Ich danke für das Vertrauen. Es allen recht zu machen ist schwierig. Ich werde mich aber bemühen, auch noch denjenigen, der mit Nein gestimmt hat, zu überzeugen“, nahm der Verwaltungschef das eindeutige Wahlergebnis sichtlich zufrieden an.

Für Beton und Steine zuständig

Zuvor hatte Rudi Bertram in einer Rede Bilanz der zu Ende gehenden Legislaturperiode gezogen, aber auch den Blick nach vorne gerichtet: „Die zurückliegenden nun fast fünf Jahre waren eine gute Zeit für Eschweiler“, stellte er fest. Nun gelte es, dies den Bürgern in Eschweiler mitzuteilen. „Wir müssen glaubwürdig bleiben und den Menschen zeigen, dass wir uns um sie kümmern.“ Betreuung, Bildung und Beschäftigung seien die Kernthemen gewesen. „Und wir haben in Sachen Wahlversprechen absolut Wort gehalten.“

Zum 1. August 2013 den Rechtsanspruch auf U3-Betreuung zu gewährleisten, sei eine Herkulesaufgabe gewesen, die erfüllt worden sei. „Die CDU hat in Eschweiler Panik verbreitet. Dies haben viele vielleicht schon wieder vergessen. Aber wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Bis heute ist keine einzige Klage eingegangen.“ In Sachen Bildung sei die Kommunalpolitik für Beton und Steine zuständig. „Diesen Auftrag haben wir in den vergangenen 15 Jahren erfüllt. Wir haben fast 50 Millionen Euro in Schulen und Schulsportstätten investiert und gute Bedingungen geschaffen.“ Dies sei auch unabdingbar gewesen. „Eine Stadt muss ein guter Schulstandort sein, sonst hat sie keine Zukunft“, so Rudi Bertram.

Der Punkt „Beschäftigung“ umfasse das Schaffen und Sichern von Arbeitsplätzen. Und auch dort sei die Bilanz beachtlich. So seien im Gewerbepark Weisweiler rund 1500 Arbeitsplätze entstanden. „Dabei handelt es sich vor allem um Firmen, die von außerhalb kommen, inzwischen den Wirtschaftsstandort Eschweiler schätzen gelernt haben, dies auch kommunizieren und so zu den besten Wirtschaftsförderern Eschweilers geworden sind.“

In Zukunft warteten nun weitere große Herausforderungen. „Diese Stadt steht einmal mehr vor einem riesigen Strukturwandel. Stichwort Braunkohle“, richtete Rudi Bertram den Blick nach vorne. „Nicht morgen und auch noch nicht nächste Woche, sondern erst in Jahrzehnten“, räumte er ein. „Aber in den kommenden fünf Jahren werden die Weichen gestellt, diese Region als Wirtschaftsstandort mit dem Pfund RWTH zu etablieren.“

Beim Punkt Arbeitslosigkeit müsse gesagt werden, dass ein Anteil von 9,5 Prozent viel zu hoch sei. Doch das System, dass die Kommunen für die Sozialleistungen aufkommen, schnüre eben diesen die Luft ab. Die Landesregierung habe zwar erste Schritte in die richtige Richtung eingeleitet, doch weitere müssten folgen. „Wir kämpfen, doch wenn es so weitergeht wie bisher, werden wir in absehbarer Zeit den Nothaushalt vor der Brust haben.“ Generell gelte es, die Basis der Gesellschaft zu stärken. „Dazu gehört vor allem die Verpflichtung, die Ehrenamtler nicht im Stich zu lassen.“ Zum Abschluss seiner Rede wurde Rudi Bertram noch einmal sehr deutlich: „Ich kann es nicht mehr hören, wie gut es uns angeblich geht. Ich erlebe Menschen, die ins Rathaus kommen, weil sie seit Wochen ohne Strom sind oder keine Arztbesuche mehr unternehmen, weil sie diese einfach nicht mehr bezahlen können.“

Während der Auszählung der Wahl der Direktkandidaten zum Stadtrat richtete mit Martin Peters der Unterbezirksvorsitzende und SPD-Fraktionsvorsitzende im Städteregionstag ein Grußwort an die Delegierten. „Die SPD ist die Partei Eschweilers. Wenn Sozialdemokraten in Eschweiler Verantwortung trugen, ging es der Stadt gut. In der Indestadt steht die SPD auch für Wirtschaftskompetenz“, lobte er. Nun sei es entscheidend, den Strukturwandel zum Wohl der Menschen zu gestalten. „Die Genossen der Region sind darin sehr erfahren“, so Martin Peters.

Neben Rudi Bertram stand während der Stadtwahlkonferenz vor allem ein Mann im Mittelpunkt: Leo Gehlen, der amtierende Vorsitzende der Stadtratsfraktion, der aber bei der Kommunalwahl 2014 nicht mehr für den Stadtrat kandidieren wird. Auch wenn also noch sieben Monate harter Arbeit vor ihm liegen, dankten ihm unter anderem der Stadtverbandsvorsitzende und Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling, die stellvertretende Bürgermeisterin Helen Weidenhaupt und natürlich auch der frischgebackene Bürgermeisterkandidat für sein jahrzehntelanges Engagement: „Unsere Zusammenarbeit war nicht selten auch hartes Brot, aber wenn es darauf ankam, standen wir immer zusammen. Du warst immer ein verlässlicher Partner für mich, die Fraktion und die Stadt“, bescheinigte Rudi Bertram „seinem“ Fraktionsvorsitzenden, zu dessen Ehren sich die Genossen von ihren Stühlen erhoben.

„Ich bin weder krank, noch gab es parteiinternen Ärger. Ich fühle mich fit und hätte ein weiteres Mal zur Kommunalwahl antreten können. Dies nicht zu tun, ist eine rein persönliche Entscheidung“, machte Leo Gehlen deutlich. Zu Beginn seiner Ausführung ging er auf das Ergebnis der Bundestagswahl ein. „Meiner Meinung nach wurde der Bundestagswahlkampf nicht von Sachthemen, sondern von Äußerlichkeiten bestimmt. Dies läuft auf eine Amerikanisierung des Wahlkampfes hinaus.“

Genau analysieren

Das Ergebnis müsse genauestens analysiert werden. „In Eschweiler lagen wir bei der Bundestagswahl knapp hinter der CDU. Unter anderem deshalb, weil wir alle fünf Briefwahlbezirke verloren haben“, zog Leo Gehlen ein Fazit. Als Konsequenz müsse daraus die Lehre gezogen werden, dass die „heiße Phase“ eines Wahlkampfes spätestens sechs Wochen vor der Wahl beginne. Im Eschweiler Stadtrat habe die SPD-Fraktion mit großer Disziplin gearbeitet. „Wir können hoch erhobenen Hauptes durch Eschweiler gehen.“ Große Sorgen bereite ihm jedoch der immer geringere finanzielle Spielraum, der Kommunalpolitikern bleibe. Zu diesem Engpass in den Kommunen trage auch Städteregionsrat Helmut Etschenberg durch die nochmalige Erhöhung der Städteregionsumlage bei. „Wir müssen zusätzliche 600 000 Euro zahlen. Etschenberg zwängt uns ein Spardiktat auf, spart selber aber nicht. Diesem Handeln muss Einhalt geboten werden. Die Umlage ist zu hoch! Deshalb hoffe ich, dass die SPD-Fraktion im Städteregionstag den Haushalt erneut ablehnt“, gab sich Gehlen gewohnt kämpferisch.

Zum Abschluss der Stadtwahlkonferenz dankte Stefan Kämmerling mit Aggi Zollorsch, Christina Klinkenberg (kandidiert für den Städteregionstag), Martin Scholz, Ottmar Krauthausen, Angelika Zimmermann, Angelika Köhler und Leo Gehlen verdienten Eschweiler Sozialdemokraten, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 nicht mehr für den Stadtrat kandidieren werden. Ebenso wurden Otto Zimmermann und Josef Stiel, die aus dem Städteregionstag ausscheiden, mit Blumensträußen bedacht.

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