Bergrather Gesundheitsverein informiert über das Älterwerden in Eschweiler

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Cem Gökce (links) und Peter Toporowski waren zu Gast beim Bergrather Gesundheitskreis. Foto: Johannes Burggraef

Eschweiler-Bergrath. Zu einer Informationsveranstaltung zum Älterwerden in Eschweiler hat die Vorsitzende des Bergrather Gesundheitskreises, Stephanie Specks, jetzt zahlreiche Interessierte im Großen Saal der Freien evangelischen Gemeinde in Bergrath an der Kopfstraße begrüßt.

In seinem Eröffnungsstatement wies Bürgermeister Rudi Bertram darauf hin, dass Eschweiler zwar anders als oft prognostiziert in den vergangenen Jahren eher Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen hat, aber dass auch in dieser Stadt die Zahl der älteren und hochbetagten Menschen ab 80 Jahre zunimmt. Für Bertram umso mehr Verpflichtung für die Stadt Eschweiler, sich jetzt auf die demografischen Veränderungen einzustellen.

Bertram sieht dabei Eschweiler bei der Versorgung der älteren Bevölkerung schon gut aufgestellt. Dazu tragen auch verschiedene Projekte und Aktionen bei, die die Stadt Eschweiler unter anderem mit Förderung des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation und Pflege des Landes NRW und des Bundesministeriums für Familie, Frauen, Jugend und Senioren bereits seit einigen Jahren durchführt.

Zentrale Rolle

Einen Einblick in diese vielfältigen Aktivitäten der Stadt gaben dann anschließend der Seniorenbeauftragte der Stadt Eschweiler, Peter Toporowski, und Quartiersentwickler Cem Gökce, der für die Schaffung eines altengerechten Quartiers in der Innenstadt Eschweilers zuständig ist. Eine zentrale Rolle hat dabei das städtische Seniorenzentrum in der Marienstraße übernommen. Das Gebäude wurde inzwischen komplett renoviert. Hier beraten zahlreiche Verbände bei Fragen rund ums Altwerden sowie zu Pflege und Betreuung.

Aber auch der gesellige Teil ist ein wichtiges Element im Angebot des Hauses: Das Spektrum reicht dabei von Tanzveranstaltungen über Bingo und Skat, Lesungen und Livemusik bis hin zu gemeinsamen sportlichen Aktivitäten, die in Kürze gemeinsam mit dem Regio-Sportbund vorgesehen sind. „Ein täglich frisches preiswertes Mittagessen ist hier auch im Angebot“, so Peter Toporowski, der auch berichtete, dass die Angebote des Hauses stärker in Richtung eines Generationenhauses für Jung und Alt weiterentwickelt werden sollen.

Daher wird in einem Wettbewerb auch ein neuer Name für das „Seniorenzentrum“ gesucht. Im Noch-Seniorenzentrum treffen sich inzwischen auch drei Arbeitsgruppen, die konkrete Maßnahmen in den Bereichen Wohnen, Mobilität, Rund-um-Versorgung sowie Freizeit/Kultur planen und umsetzen.

Dazu gehört auch die Planung eines Wohnprojektes in der Innenstadt, das es älteren Menschen ermöglichen soll, in den „eigenen vier Wänden“ alt zu werden. „Genau dafür benötigen wir aber verstärkt auch eine verbesserte soziale Betreuung von älteren und alten Menschen“, so Dr. Wolfgang Joußen, der gemeinsam mit seiner Kollegin Klaudia Thelen – einer staatlich anerkannten Altenpflegerin – und seinem Kollegen Johannes Burggraef das Anfang des Jahres gestartete Projekt „Netzwerk Zuhause“ vorstellte.

Dieses neue Projekt greift die Ergebnisse einer Befragung von Bewohnerinnen und Bewohnern Eschweilers über 50 Jahre auf. Die meisten von ihnen haben dabei erklärt, dass sie auch im Alter zu Hause und nicht in einem Seniorenheim leben möchten. „Dies ist aber nur möglich, wenn wir neben der medizinisch-pflegerischen Versorgung auch die soziale Versorgung und Unterstützung im Alltag verbessern“, so Dr. Joußen. „Dazu werden im Projekt Sozialbetreuerinnen und Sozialbetreuer ausgebildet und ehrenamtliche Unterstützer qualifiziert“, so Johannes Burggraef in seinem Überblick über das Projekt.

Im Alltag helfen

„Soziale Betreuung ist nicht Pflege“, so Klaudia Thelen, die als Fachkraft erste Anlaufstelle für diejenigen ist, die selbst Hilfe im Alltag benötigen oder als Angehörige von älteren Menschen dringend bei der Sorge um ihre älteren Angehörigen unterstützt werden müssen. Auch die neuen gesetzlichen Regelungen im Bereich der Pflege und zur Unterstützung von älteren Menschen sehen vor, dass stärker als bisher auch ältere Menschen zu Hause alt werden sollen. „Dazu muss das Versorgungssystem dann drei Säulen haben: Die Pflege, die hauswirtschaftliche Versorgung, aber eben auch die soziale Betreuung und Unterstützung von älteren und alten Menschen im Alltag“, so Johannes Burggraef.

Der Gesetzgeber hat dazu seit dem 1. Januar auch bessere Voraussetzungen geschaffen, so dass auch die sozialen Betreuungsleistungen von den Pflegekassen übernommen werden können, auch wenn diese Kostenübernahme aus Sicht von Dr. Wolfgang Joußen noch keineswegs ausreichend ist. Derzeit sucht das Projekt weiter nach Menschen, die bereit sind, als Sozialbetreuerinnen oder Sozialbetreuer gegen Bezahlung mitzuarbeiten oder als Ehrenamtler gegen eine Aufwandsentschädigung älteren Menschen ab und an im Alltag zu helfen.

Dass dies ein wichtiges Zukunftsfeld auch in Eschweiler ist, machte die anschließende Diskussion mit den Bewohnern der Veranstaltung aus Bergrath deutlich. Eine Teilnehmende berichtete von zahlreichen alten Menschen, die ohne Angehörige leben und kaum Möglichkeiten haben, aus dem Haus zu gehen. „Gerade hier besteht eine große Gefahr, dass immer mehr ältere Menschen vereinsamen und keine Teilhabe mehr an der Gesellschaft haben“, so diese an diesem Abend vielfach bestätigte Erfahrung. Genau dabei will das Projekt „Netzwerk Zuhause“ Hilfe bieten.

Kaum überraschend, dass dann nach dem Ende der Veranstaltung noch viele Anfragen an das Projektteam kamen, wie man denn im Einzelfall unterstützt werden kann. Aber auch alle, die nicht an diesem Abend in Bergrath die Veranstaltung des Gesundheitskreises besucht haben, können Rat und Tat beim Projektteam, das sein Projektbüro auch im Seniorenzentrum auf der Marienstraße hat, abfragen: Das Team ist telefonisch unter 02403/7201469 zu erreichen.

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