„Beinahe-Krimi“: Schrecken in Kornelimünster

Von: ran
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Renata A. Thiele stellte im Rahmen der Reihe „Leseprofi live“ in der Buchhandlung „Oelrich & Drescher“ ihren Beinahe-Krimi „Eine Heilige Sache“ vor. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Eine Heiligtumsfahrt ohne Heiligtümer? Eine Katastrophe! Doch genau diese droht der Ortschaft Kornelimünster. Kurz vor Beginn der alle sieben Jahre stattfindenden Wallfahrt sind nämlich die Reliquien verschwunden. Pfarrer Jan ist am Rande der Verzweiflung.

Er bemüht sich, mit Hilfe des Internets auf eigene Faust die Spur des dreisten Diebs aufzunehmen. Doch der Lindenblütentee, der sich nach einem kleinen Unfall über die Tastatur des Laptops ergießt, macht dem Geistlichen (zunächst) einen Strich durch die Rechnung.

Eine ziemlich verfahrene Situation also, die Schriftstellerin Renata A. Thiele ihren Zuhörern am Freitagabend in der Buchhandlung „Oelrich & Drescher“ präsentierte. Im Rahmen der Reihe „Leseprofi live“ las die Autorin aus ihrem Roman „Eine Heilige Sache – Große Sünden, kleine Sünden“ und gab dabei Einblicke in die Entstehung eines vollkommen neuen Genres: des „Beinahe-Krimis“.

Reliquien? Ja! Historisch? Nein! Mord? „Nein, ich bringe es nicht über mein Herz, jemanden umzubringen! Doch es gibt eine Leiche, deren Tod aber nicht 'ömesünst‘ war. Immerhin kommt es zu einem Diebstahl. Also ist mein Buch ein Beinahe-Krimi“, erklärte die gebürtige Polin, die Aachen liebt, in der Kaiserstadt als Stadtführerin tätig ist und darüber hinaus als Übersetzerin und Sprachdozentin arbeitet, die Bezeichnung, die auf dem Umschlag ihres Werks prangt.

„Ich möchte Menschen mit ihren Schwächen, Eitelkeiten sowie kleinen und manchmal auch größeren Sünden beschreiben. In meinem Buch kommt es, wie im wirklichen Leben auch, zu so manchem Zufall. Diese können manchmal ganz schön nervig sein. Doch Gott sei Dank, dass es sie gibt!“, betonte Renata A. Thiele, bevor es für sie und ihre gespannten Zuhörer „in medias res“, sprich, in die Küche von Pfarrer Jan ging, wo die zuweilen etwas neugierige Haushälterin Frau Matzke bereits mit dem Frühstück wartet. Dieses in Ruhe einzunehmen, ist dem nicht unattraktiven Geistlichen jedoch nicht vergönnt, denn schon bald klingeln mit Frau Möllen und Frau Schmitz zwei Damen im leicht fortgeschrittenen Alter, die laut Autorin „in Kornelimünster mehr als nur mitmischen“, an der Tür des Pfarrhauses.

Hauptprotagonistin des Romans „Eine Heilige Sache“ ist jedoch Nina Voss. „Diese ist, genau wie ich, mit Leib und Seele Stadtführerin. Das ist jedoch alles, was uns verbindet“, schob Renata A. Thiele Vermutungen, ihr Roman könnte autobiographische Züge aufweisen, einen Riegel vor.

Nina, die durch einen Zufall zur Zeugin der Entdeckung des Diebstahls der Reliquien wurde, entwickelt sich im Laufe der Erzählung zur Assistentin des verzweifelten Pfarrers sowie des Kriminalbeamten Lobig. Dumm nur, dass ihr Freund Alex, Ninas große Liebe, für den die Reliquien lediglich alte Stoffe darstellen, nur wenig Verständnis für ihren Beruf aufbringt. Doch die Stadtführerin lässt sich in ihrem Vorhaben, die Heiligtümer wiederzufinden, keinesfalls beirren...

„Ich mag Kornelimünster mit seiner ehemaligen Pfarrkirche St. Stephanus und den Reliquien, die einfach dazugehören“, unterstrich Renata A. Thiele, die sich selbst als „Öcher Mädche ohne Öcher Akzent“ bezeichnet, gegen Ende ihrer Lesung. „Und es gibt solche Menschen, wie ich sie beschreibe, auch wenn keine realen Vorbilder existieren“, ergänzte sie augenzwinkernd, bevor sie auf Nachfrage doch noch einmal auf die Genre-Bezeichnung ihres Romans einging.

„Ich habe aus Trotz einen Beinahe-Krimi geschrieben, da heutzutage alles immer in Schubladen abgelegt werden muss. Es ist ein weicher´ Krimi, in dem auch die Polizei keine so große Rolle spielt. Gemordet wird woanders“, betonte die Autorin, die in ihrem nächsten Roman, ebenfalls ohne Mord, ihre polnischen Wurzeln mit ihrer neuen Heimat verbinden wird. „Chopin in Aachen“ lautet das Thema des Werks, das Renata A. Thiele noch in diesem Jahr abschließen möchte.

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