Beim Mundartabend in der Aula wird wieder „Platt jekallt“

Von: Anreas Röchter
Letzte Aktualisierung:
8611534.jpg
Boten in der Realschul-Aula „Eischwiele Platt“ vom Feinsten: Hannah Erhardt, Jule Dahmen, Theresa Wings, Luisa Wings und Louisa Körfer (v. l.) begeisterten ihre Zuhörer. Foto: Andreas Röchter
8611529.jpg
Sorgten für einen unvergesslichen Abend: die Protagonisten des Mundartabends und Mitglieder des Arbeitskreises Mundart mit Leo Braun (links). Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. „Et wor werrem schön!“ Keine Frage, der Mundartabend des Arbeitskreises „Mundart“ des Eschweiler Geschichtsvereins begeisterte am Donnerstagabend in der sehr gut besuchten Aula der Realschule Patternhof einmal mehr alle Zuhörer.

Auch 31 Jahre nach der Premiere, die im Jahr 1983 zum Eschweiler Stadtjubiläum stattfand, machten die Protagonisten auf der Bühne, angeführt von Arbeitskreisleiter Leo Braun, mit Gedichten, Liedern und Anekdötchen deutlich, wie viel „op Eischwiele Platt“ ausgedrückt werden kann. Lustige, besinnliche, lehrreiche und nachdenklich stimmende Vorträge, deren Themen von den Vorteilen des Älterwerdens und der „puckligen Verwandtschaft“ über „Wölleklöös“ und „den kleinen Unterschied“ bis direkt in das Paradies führten, ließen die eindreiviertel Stunde wie im Flug vergehen.

„Verehrte Damen und Herren! Ach ja, ich darf ja Platt sprechen! Joden Ovend, leev Lüü!“, brachte Leo Braun das Motto des Abends, der unter der Überschrift „Muttersprache, Mutterlaut, wie so wonnesam, so traut“ stand, noch vor der Begrüßung des Ehrenvorsitzenden Simon Küpper, auf den Punkt. Wenig später folgte ein kurzes Intermezzo in Hochdeutsch, als Simon Küpper zurückblickte: „40 Jahre Eschweiler Geschichtsverein, 31 Jahre Mundartabende. Dies sind gute Gründe, den Abend frohgemut zu begehen!“ Der Geschichtsverein habe sich in den zurückliegenden Jahrzehnten großartig entwickelt. „Dabei ist es nicht unser Ziel, alten Kram aufzumöbeln, sondern die Vergangenheit zu erforschen, um sie zu verstehen und für die Zukunft zu lernen“, sagte er. Das Kulturgut „Muttersprache“ werde leider wenig gepflegt. „Doch wenn die Kölsche stolz auf ihre Sprache sind, dann dürfen wir dies auch sein!“ Die Mitglieder des Geschichtsvereins seien zu Recht stolz auf ihre Arbeitskreise, nicht zuletzt auf den Arbeitskreis Mundart. Und dies sei vor allem ein Verdienst von Leo Braun.

Dann ging es in „medias res“: Marianne Savelberg eröffnete den Mundartabend mit dem Lied „Jetz sent mije all zesamme hee“ zur Melodie von „Nun ade, du mein lieb Heimatland“. Kurz darauf bewiesen fünf junge Damen der Katholischen Grundschule Dürwiß, das „Eischwiele Platt“ etwas für die nachfolgenden Generationen ist. Hannah Erhardt, Jule Dahmen, Theresa Wings, Luisa Wings und Louisa Körfer schmetterten Kinderlieder in perfektem „Indestädtisch“.

Anschließend zitierte Vera Erhardt mit „Härepszick“ (Herbstzeit) ein besinnliches Gedicht des unvergessenen Franz Koch, in dem dieser die Nebelschwaden, die wegfliegenden Vögel sowie die anstehende Erntezeit thematisierte. „Eine Zeit, Dank zu sagen. Denn wo neues Leben kommen will, gehört dazu das Sterben“, erinnerte der Autor mit diesen Zeilen an die Vergänglichkeit des Lebens. Lustig wurde es, als Vera Erhardt dann ein Gespräch zwischen Ännchen und Marie wiedergab, in der die Erstgenannte der Letztgenannten die Vorteile des Alters näher bringt: „Du kannst das Abendbrot schon um fünf Uhr zu dir nehmen, du hast immer Zeit, wann du willst, und nie Zeit, wenn du nicht willst. Und Geheimnisse sind sicher, weil sich auch deine Freunde nicht mehr erinnern.“

An die unliebsame oder auch „puckelije Vrwandschaff“ erinnerte Toni Peters. „Wir maache de Döör niet op, die fresse ons de Haare vam Kopp“, schlug er eine mögliche Lösung vor. Doch aufgepasst! Vielleicht hat eben diese Verwandtschaft ja noch einiges auf der „hohen Kante“. So wird aus der „puckelijen“ ganz schnell die „schnuckelije Vrwandschaff“! Gegen eine kleine Erbschaft hat schließlich niemand etwas einzuwenden!

Marianne Savelberg entführte ihre Zuhörer dann in eine Zeit, „in der sich das Häuschen mit dem Herzchen noch draußen befand“. Sehr zum Leidwesen der „Bömmelslies“, die auf einer mit Teer bestrichenen Toilettenbrille Platz nahm, sich nicht mehr von dieser lösen konnte und mit dem abmontierten Teil an ihrer „Kehrseite“ zum „Spital“ transportiert werden musste. Da bleibt nur zu hoffen, dass sie aus Schaden klug geworden ist und in Zukunft die Sitzgelegenheit vorher inspiziert.

Mit dem unnachahmlichen August Engels eroberte Augenblicke später ein wahrer „Entertainer“ die Bühne: Drei (Kata-)Strophen des Liedes „Weeste wat, kall dauch Platt“ reichten vollkommen aus, um das Publikum im Sturm zu erobern. Ein Riesenapplaus begleitete das „Stimmwunder“ beim Abgang. Auch Simon Küpper erinnerte mit seinem Vortrag an den „viel zu früh verstorbenen“ Franz Koch, „einen großen Menschen, der die Welt mit philosophischem Blick sah“. Dieser betonte in seinem Gedicht „Prommezick“ seine Vorliebe für Pflaumen, „vor allem im destillierten Zustand“.

Wie ein kleiner evangelischer Junge seinem erstaunten Vater die wundersamen Vorgänge einer katholischen Messe in lateinischer Sprache erklärt, gab Marita Scharschmidt im Vortrag „Dat Käppche“ zum Besten: „Zunächst laufen zwei kleine Pastörchen vor dem großen Pastor ein. Dann verstecken die Kleinen das Käppchen des Großen. Dieser fragt darauf mehrmals laut ,Käppchen, wo bist Du?‘, bekommt aber keine zufriedenstellende Antwort und fängt vor lauter Ärger et Suffe an. Schließlich wird Geld eingesammelt, um dem Großen ein neues Käppchen kaufen zu können. Zum Schluss findet der Große aber doch noch das Käppchen, gibt das Geld aber nicht zurück.“ Während seines zweiten Auftritts widmete sich August Engels dem „Vüenaam“ (Vornamen), der im Laufe der Zeit von Pietche über Pitterbär, Schatzemann und Knallkopp bis zu „Der Alte“ zu interpretieren sei.

Bunt wurde es, als Marianne Savelberg mit Unterstützung des Publikums „Dat Leed van de Väreve“ anstimmte. Dass Werner Wolter aus einer „propperen“ Familie stammt, machte er mit seiner Anekdote „Beij os en de Zenkbütt“ deutlich, denn in jungen Jahren ging es für den Vortragenden an Samstagen immer zu Oma Stina. Dort traf sich die gesamte Familie, um ein Bad in der Zinkwanne zu nehmen. „Mit Kernseife, die in den Augen ganz schön biss“, erinnerte sich Werner Wolter. Nachher kamen noch andere dran. „Die Oma schöpfte nach jedem Badegang den Rahm ab, Dreck schwimmt schließlich immer oben“, sagte Wolter.

Auf der Zielgeraden machte Stefanie Bücher dem Publikum dann noch mit der Delikatesse „Riefkoche“ den Mund wässrig, bevor Alfred Wings seine Zuhörer „Em Paradies“ erwartete. Dort hatte Adam seine himmlische Ruhe, bis, na klar, Eva hinzukam. Mit dem von allen gesungenen Lied „Eischwiele es meng Heemet“ ging der Mundartabend schließlich zu Ende.

Doch die Fortsetzung folgt: Am Samstag startet um 15 Uhr an gleicher Stelle der „Mundartnachmittag“. Dieser steht erneut unter der musikalischen Leitung von Horst Goerres am Piano. Ebenfalls mit von der Partie: 25 Kinder der Katholischen Grundschule Bohl. Also nichts wie hin. Denn: Et weed bestemmp schön!

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert