Eschweiler - Beim Grand-Prix in Prüm würde die Eifel mächtig abräumen

Beim Grand-Prix in Prüm würde die Eifel mächtig abräumen

Von: ran
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Warben auf der Bühne des Talbahnhofs auch als „bedröppelte Problembären“ für ihre Heimatregion: die Eifelbotschafter Achim Konejung (links) und Hubert vom Venn. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Keine Frage: Die Eifel hat Zukunft! Vielleicht sogar als Freistaat. Wer in dieser Hinsicht noch Zweifel hegt, konnte sich am Mittwochabend im ordentlich besuchten Kulturzentrum Talbahnhof eines Besseren belehren lassen.

Mit Hubert vom Venn und Achim Konejung ließen nämlich zwei ganz besondere Exemplare der Spezies „Homo Eifelensis“ die Aufforderung „Scher dich zur Eifel!“ verlautbaren. Wobei Erstgenannter sehr schnell deutlich machte, dass es sich beim Zweitgenannten als gebürtigem Quasi-Düsseldorfer um einen Zugereisten, also Fremden, handele.

Dies wollte Achim Konejung keinesfalls auf sich sitzen lassen. „Ich stamme nicht aus Düsseldorf, sondern aus Krefeld, also vom linken Niederrhein!“ Doch Hubert vom Venn ließ dies nicht gelten. „Das Wort links wird in der Eifel generell nicht gerne gehört.“ Selbst der Fahrlehrer gebe die Anweisung, nach rechts oder nach „da“ abzubiegen. Nachdem dies geklärt war, kam das Duo auf den eigentlichen Grund ihres Besuchs in Eschweiler zu sprechen. Nämlich für den Wettbewerb „Unser Dorf soll Zukunft haben“ zu werben. „Früher hieß dieser Wettbewerb ja: Unser Dorf soll schöner werden. Dies hat jedoch ein Bürgermeister aus dem Kreis Heinsberg falsch verstanden und seine Ehefrau erschossen“, berichtete Hubert vom Venn.

Während Achim Konejung am Klavier und mit durchdringender Stimme gesellschaftskritische Songs wie „Eifel, Nabel der Welt“, „Das Leben muss ein Missverständnis sein“, „Heimat“ (ist da, wo die Anderen nicht sind) oder „Der Feind wohnt nebenan“ zum Besten gab, schlüpfte Hubert vom Venn in die Rollen typischer Eifeler, die die Weltoffenheit der Bewohner dieser wunderschönen Region bestens repräsentieren. Etwa in die von Hermann Huppertz, seines Zeichens Vorsitzender der Donatus-Schützen, einer Gesellschaft, die derart progressiv ist, dass in ihrer Satzung noch nicht einmal verankert wurde, dass ein Schwuler nicht Schützenkönig werden könne.

Beerdigungen löbliche Ausnahme

Doch selbst in der Eifel glänzt nicht alles, was Gold ist. Denn um das Brauchtum ist es laut Konejung und vom Venn nicht gut bestellt. Doch es gebe eine löbliche Ausnahme: Beerdigungen! „Die Lieblingsthemen des Eifelers sind seit jeher das Essen und das Sterben“, ist sich das Kabarett-Duo einig. Deshalb seien die Feiertage „Allerseelen“ und „Allerheiligen“ für die Eifel auch wahre „Top-Events“.

Die Zeile „Von Beleidigungskundgebungen am Grab bitten wir Abstand zu nehmen“ sei dabei fester Bestandteil der Todesanzeigen in den Eifeler Zeitungen. Denn 600 Gäste bei Beerdigungen und dem anschließenden Totenkaffee seien Durchschnitt. „Und nach spätestens drei Stunden werden die ersten Lieder auf den Verstorbenen angestimmt. Für einen Totenkaffee in der Eifel lasse ich jede Kappensitzung in Köln sausen“, machte Hubert vom Venn deutlich.

In seine Jugend zurückblickend, kam der Roetgener dann zu der Erkenntnis, dass es ein Wunder sei, dass seine Generation nicht schon längst ausgestorben sei: „Wir gingen als Alt-68er noch gegen die Volkszählung auf die Straße, nahmen an Holzschwert-Schlachten des Oberdorfs gegen das Unterdorf teil, saßen ohne Kindersitz und Anschnallpflicht bei Papa im Auto.“

Und die Zukunft? „Als Freistaat könnten wir am European Song Contest teilnehmen und den Grand-Prix nach Prüm holen“, sind die Ziele von Achim Konejung und Hubert vom Venn durchaus ambitioniert. Doch das Urteil des Publikums lässt hoffen: „Eifel, douze point!“

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